Sauberes Wasser im Tank: “Jetzt haben wir das Wichtigste um gesund zu bleiben”

Ein neu geborenes Kind - hier auf dem Arm seiner Schwester - mag den rauen Frühjahrswind in der Bekaa-Ebene vermutlich nicht, hat mit sauberem Wasser aber auch bessere Überlebenschancen als ohne. Foto: Ludwig Rauch

In einem der 120 Zelte des wilden Flüchtlingslagers im LIbanon ist diesen Monat ein Kind zur Welt gekommen. Seine Familie hofft, dass es bald ein normales Leben kennen lernen wird und ist unterdessen froh, dass World Vision mit seinen Partnern sauberes Wasser zum Trinken, Waschen und Kochen bereit stellt.

Der Weg zu Aishas Zelt ist holprig, bei Regen auch matschig, und übersät mit vielen Steinen. Man muss auf dem unebenen Terrain gut aufpassen, wohin man tritt. An einigen Stellen muss man einen Bogen um den Sperrmüll machen, der sich im letzten Jahr oder vielleicht auch schon seit zwei Jahren angesammelt hat in dieser Zeltsiedlung, die offiziell nicht Flüchtlingslager genannt werden darf im Libanon. Zwischen den viereckigen Zelten sieht man runde weiße Häuschen und runde graue Wassertanks. Unscheinbare Punkte, wenn man von einem erhöhten Punkt auf das Flüchtlingslager schaut, die aber für Gesundheit und Leben der Bewohner sehr wichtig sind.

Ein Dreh am Wasserhahn bringt sauberes Wasser zum Trinken, Waschen und zum Kochen in die Zelte. Einfache, aber verschließbare Toilettenhäuschen bieten ein wenig geschützte Privatsphäre.  „Vor drei Monaten hatten wir all das noch nicht“, sagt Aisha, eine 34 Jahre alte Syrerin. „Die Kinder haben draußen in ein Loch gestrullert und sich ganz schmutzig gemacht. Jetzt haben wir eine Latrine, und das ist großartig“, fügt sie hinzu. Vor acht Monaten flog Aisha mit ihrem Mann und acht Kindern aus Aleppo in den Libanon. In der Umgebung von Zahle ließ sich die Familie nieder, weil bereits Verwandte sich dort eingefunden hatten. Khalluf, mit 16 der älteste Sohn, kann die verschiedenen Erfahrungen seit der Flucht schon ganz gut vergleichen. „Jetzt haben wir das Wichtigste um gesund zu bleiben”. Das saubere Wasser kommt direkt ins Haus. Vorher mussten wir Wasser mit Eimern holen und das Abwasser in ein Loch schütten. Natürlich kann man es nicht mit unserem Zuhause vergleichen, aber unsere Situation ist jetzt besser.“

World Vision hat in dem von der Europäischen Kommission (ECHO) finanzierten Projekt die Wasserqualität der vorhandenen Brunnen prüfen lassen, den Familien aber zur Sicherheit auch noch Wasserfilter zur Verfügung gestellt. An die Latrinen sind 200 Liter fassende unterirdische Abwassertanks angeschlossen. Diese werden von speziellen LKW-Pumpfahrzeugen jeden Monat geleert, gegen Gutscheine, die die Familien ebenfalls durch World Vision bekommen. Mit Plakaten und in Gesprächen sensibilisieren die Helfer außerdem für den richtigen Gebrauch der Sanitär-Einrichtungen und für Hygiene-Vorkehrungen, die im Lager nötiger sind als in einem normalen Wohnumfeld. „Ein sauberes Umfeld lindert das Leiden dieser Menschen und wir können sie damit auch bei der Anpassung an ihr neues Leben unterstützen“, sagt Simon Tawk, unter dessen Führung die Wasser – und Hygieneprojekte bei World Vision durchgeführt werden.

Insgesamt hat World Vision mit seinen Partnern –darunter auch das Auswärtige Amt – in der Bekaa-Region bisher rund 24.500 syrische Flüchtlinge mit Wasserversorgung und/oder Hygiene-Maßnahmen unterstützt.

 

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