Mit Sparschweinen Schwein gehabt – Armutsspirale durchbrochen

Sparschwein_Pich_malend

Im Mai klettern die Temperaturen in Kambodscha leicht auf 38 oder auch 40 Grad. Das Familienleben spielt sich dann im Schatten unter den hölzernen Pfahlhäusern ab. Das gilt auch für das Arbeitsleben – wo es sich anbietet. Pich Thy sitzt auf dem Boden, neben ein paar Farbtöpfen. Sie knetet aus einer Lehmkugel eine Figur. Ein kleines Schweinchen wuselt um sie herum und beobachtet neugierig, was sie macht.

Schweinchen sind Pichs Leidenschaft und haben ihr und ihrer Familie schon viel Glück gebracht. Großeltern, Eltern, Kinder, Enkelkinder – alle leben miteinander in dem Haus und arbeiten mit, sie basteln Sparschweine, zuweilen auch Sparhühner oder Sparelefanten, und verkaufen sie auf dem örtlichen Markt. Die von der Sonne gebrannten Tontiere mit dem individuellen Gesichtsausdruck und dem Schlitz oder Loch (für Geldscheine) im Rücken finden immer Abnehmer und bringen je nach Größe und Dekor bis zu 4 Euro das Stück ein. Es ist wie bei uns Tradition, den Kindern das „Groschen“-Sammeln beizubringen; außerdem haben viele Familien kein Konto auf der Bank.

Pichs Sparschweine sind auf den Märkten sehr beliebt (Foto: World Vision)

Pichs Sparschweine sind auf den Märkten sehr beliebt (Foto: World Vision)

Die Bäuche der Sparschweinchen sind groß genug, um das Einkommen einer ganzen Familie zu speichern: Das liegt in Kambodscha im Durchschnitt pro Monat bei rund 200 Euro.

Einem von World Vision unterstützten Malkurs verdankt es Pich Thy, dass ihre Sparschweinchen sich von der Masse auf dem Markt abheben und daher einen besseren Preis erzielen. Das Material für den Start konnte sie sich mit einem Mikrokredit von VisionFund, der von World Vision gegründeten Mikrofinanzorganisation zur Armutsbekämpfung, kaufen.

Der Arbeitsplatz im Schatten unterm Pfahlbau - dort sucht auch das Familienferkel Schutz vor der Hitze (Foto: World Vision)

Der Arbeitsplatz im Schatten unterm Pfahlbau – dort sucht auch das Familienferkel Schutz vor der Hitze (Foto: World Vision)

Seitdem hat sich ihr Leben sehr verändert. „Mit dem Verdienst konnten wir eine Schweinezucht und eine Hühnerzucht aufbauen und alle Kinder zur Schule schicken“, sagt Pich. „Drei unserer Kinder besuchen die Universität.“  Stolz berichtet sie, dass eines ihrer Kinder Englisch studiert,  das zweite internationale Beziehungen und das dritte Bankwesen. Für die Zukunft möchten sie und ihr Mann noch eine Gemüseplantage aufbauen.

Sparen schult im Umgang mit Geld und Krediten

Die Kombination aus Landwirtschaft und kleinem Gewerbe oder auch Lohnarbeit, vor allem in der Bau-und Textilindustrie, ist in Kambodscha weit verbreitet. Oft reicht keine der Erwerbsquellen allein aus, um mehr als den täglichen Reis zu bezahlen.

Beratung: Ein Mitarbeiter des World Vision Funds berät eine Frau, die einen Kleinkredit aufnehmen möchte (Foto: World Vision)

Beratung: Ein Mitarbeiter des Vision Funds berät eine Frau, die einen Kleinkredit aufnehmen möchte (Foto: World Vision)

In den World Vision-Entwicklungsprojekten versuchen die lokalen Mitarbeiter, auf die konkrete Ausgangssituation der Familien einzugehen, wenn sie mit ihnen nach Auswegen aus der drückenden Armut suchen. Sie bieten über die Projekte zum Beispiel diverse Ausbildungskurse für Erwachsene an, wie den Malkurs in diesem Fall. Sie unterstützen auch die Verbreitung von Spargruppen, weil durch sie schrittweise Wirtschaftskompetenz aufgebaut und Rücklagen gebildet werden.

Im nächsten Beitrag aus Kambodscha erfahren Sie, wie Spargruppen funktionieren!

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1 Kommentar

  1. DanAvl, 16. Juli 2014

    Das finde ich sehr gut, dass die Familie durch den Verkauf der Sparschweine Geld verdienen kann. Und zusätzlich spornt dies auch die Käufer an Ihr Geld zu sparen.
    Gruß Dan

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