Auf dem Rücken vieler Kinder – Kambodscha entwickelt sich

"Das Recht auf Schutz vor Ausbeutung" wird diesem Jungen aus Kambodscha verwehrt (Foto: World Vision)

Direkt neben einem Wohnviertel für Superreiche schuftet Kin Chert in einer Ziegelei. Sieben Tage die Woche. Zur Schule gehen er und seine Geschwister nicht. Ein Sinnbild für die ungleiche Verteilung des Wirtschaftswachstums in Kambodscha und ein Beispiel für Misstände, auf die World Vision am Welttag gegen Kinderarbeit aufmerksam macht.

Kin Chert hat einen Job. Täglich arbeitet er 8 Stunden – 7 Tage in der Woche. Es ist wichtig, dass Kin Arbeit hat, denn seine Familie lebt am Rande des Existenzminimums. Ohne ihn müssten sie hungern.

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Kin Chert ist 14 Jahre alt und bereits seit 4 Jahren schuftet er in der Ziegelfabrik in Phnom Penh, gleich hinter dem Viertel der Superreichen. Sechs Familien leben mit ihren Kindern auf dem Gelände in dürftig zusammen gezimmerten Holzbaracken. Es ist staubig und heiß. Nur das Dach der Ziegelei bietet etwas Schutz vor der Sonne. Zwei Öfen müssen im Wechsel mit den Ziegelsteinen befüllt werden. 180.000 Stück passen in einen Ofen. Wenn der Hohlraum voll ist, werden die Ziegel für eine Woche gebrannt. Eine weitere Woche muss der Ofen auskühlen. Während dieser Zeit wird der zweite Ofen vorbereitet. Es ist eine sehr anstrengende Arbeit. 10 Tage brauchen 5 bis 6 Personen, um den Ofen zu füllen.

Um die hohen Öfen mit den Rohziegeln zu befüllen, müssen die Kinder auch bei sengender Hitze klettern.

Um die hohen Öfen mit den Rohziegeln zu befüllen, müssen die Kinder auch bei sengender Hitze klettern.

Kin’s Familie verdient etwa 75,- US-Dollar für 10 Tage Arbeit. Ohne seine Hilfe würde das Geld für die Familie nicht reichen, da es noch 4 weiter Kinder gibt, die täglich was zu essen brauchen.

Je zwei Familien auf dem Gelände teilen sich eine Maschine, mit der sie die Ziegel formen können. Ein riesiger Lehm-Berg türmt sich auf dem Gelände auf. In den letzten Jahren wird viel gebaut in Kambodscha – vor allem in den Städten und vor allem Häuser für die Reichen.

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Kin muss die zunächst noch feuchten Ziegel auf einem Holzkarren auftürmen und dann auf dem Gelände zu einer Mauer aufschichten. In der Sonne werden die Steine dann vorgetrocknet, bevor sie in den Ofen kommen.

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Keines der Kinder in der Ziegelei geht zur Schule, keine Familie hat genug Geld für Schuluniformen und Bücher. Kin ging bis zur 3. Klasse in die Schule. „Ich würde gern weiter lernen, aber ich muss hier helfen“, sagt Kin. „Ich bin manchmal so furchtbar müde.

Mitarbeiter der Kinderhilfsorganisation World Vision haben mit dem Fabrikbesitzer Kontakt aufgenommen und wollen dafür sorgen, dass die Kinder der Ziegelfabrik zur Schule gehen können.

Weltweit arbeitet eins von zehn Kindern – das sind mehr als 168 Millionen Kinder ab dem Alter von fünf Jahren. Ein Teil dieser Jungen und Mädchen arbeitet vor oder nach der Schule, aber bei vielen Kindern von ungelernten Arbeitern, Tagelöhnern und anderen am Existenzminium lebenden Familien bleibt die Bildung auf der Strecke, oft außerdem die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder, weil sie zu schwer oder zu lang arbeiten und weil ihre Familien keinen Ausweg aus der Armut sehen. World Vision bezieht daher die Familien mit ein, um den Kindern dauerhaft ein besseres Leben zu ermöglichen. Wenn sie in einem der Regionalentwicklungsprojekte leben, greift die umfassende Hilfe am besten. Dazu gehört natürlich auch Aufklärungsarbeit in Bezug auf Kinderrechte, Kinderschutz und die Bedeutung von Bildung für ihre Zukunftschancen.

 

Das Engagement der Kinderrechte-Clubs und die begleitende Aufklärungsarbeit durch World Vision haben die Situation der Kinder im Leuk Daek-Distrikt verbessert.

Das Engagement der Kinderrechte-Clubs und die begleitende Aufklärungsarbeit durch World Vision haben die Situation der Kinder im Leuk Daek-Distrikt verbessert.

Die Studentin Marie trifft sich an Nachmittagen regelmäßig mit Mädchen und Jungen in dem Klassenraum einer Schule Sie leitet einen von vielen Kinderclubs in einem World Vision-Projektgebiet, steht den Kindern aber auch sonst mit Rat und Tat zur Seite. Auch Marie war als Kind ebenfalls in einem Kinderclub und hat dort viel gelernt. Sie hat den Eindruck, dass sich in ihrer Region schon viel zum Positiven verändert hat. „Früher haben viel mehr Kinder untern Gewalt, Kinderhandel und Kinderarbeit gelitten“, sagt Marie. „Heute wird viel Aufklärung gemacht. Es gibt ein gutes Informationsnetz und wenn wir mitbekommen, dass Kinder misshandelt werden, gehen wir zu den Familien und versuchen dort zu vermitteln und zu helfen.“

In einem Report fordert World Vision die reichsten Länder auf: Die Wirtschaft eines Landes darf sich nicht auf dem Rücken von Kindern entwickeln. Regierungen und öffentliche Verwaltungen kreieren durch ihre Einkäufe einen Markt und sie müssen regeln, dass ausbeuterische Kinderarbeit in diesem Markt nichts zu suchen hat. Diese verstößt massiv gegen Kinderrechte, wie formuliert in Artikel 32 der Kinderrechtskonvention, der besagt, dass jedes Kind das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung und Kinderarbeit hat, die es daran hindert, in die Schule zu gehen, gesund aufzuwachsen und sich zu entwickeln.

Kinder arbeiten für den Binnenmarkt, aber auch für den internationalen Markt. Beispielsweise in den G20 Ländern werden in diesem Jahr voraussichtlich öffentliche Aufträge zum Kauf von Waren im Wert von 10 bis 14 Billionen US-Dollar eingekauft. Es ist deshalb wichtig, dass gemeinsame Richtlinien der G20 Regierungen festgelegt werden, um Kinderarbeit in den Produktions-und Lieferketten der Wareneinkäufe dieser Regierungen zu identifizieren und zu erfassen. Länder, die Kinderarbeit zulassen, verpassen riesige Chancen für die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften, denn Kinder, die nicht zur Schule gehen, können ihr Potential nicht voll ausbauen und so auch nicht zur erfolgreichen Entwicklung eines Landes beitragen.

Auf diesem Gebiet könnten die G20 Länder gemeinsam vorangehen und gemeinsame Richtlinien für die öffentliche Auftragsvergabe verabschieden, .um nachhaltig und sozial verantwortlich – vor allem den Schwächsten gegenüber – zu handeln.

Aber auch jeder Einzelne kann mit dafür sorgen, dass Kindern wie Chin geholfen wird und der Preisdruck bei Textilien oder anderen Konsumgütern nicht an Kinder weitergereicht wird. Beim Einkauf kritisch hinterfragen, wie Produkte produziert werden, bringt immer mehr Unternehmen dazu, ihre Produktionsketten zu überdenken.

Wie Sie noch helfen können:

Mit einer Kinderpatenschaft eröffnen Sie einem Kind, seiner Familie und seinem Umfeld viele Chancen der Armut zu entkommen und sich gegen Kinderarbeit zu entscheiden. Auch Aufklärungsarbeit über Kinderrechte ist darin enthalten.

Mit einer Projektspende verschaffen Sie arbeitenden Kindern in Bangladesch Zugang zu Bildung und unterstützen ein Netzwerk der Hilfe, das an den Ursachen für Kinderarbeit ansetzt.

1 Kommentar

  1. Miriam, 10. August 2017

    Weltweit arbeitet jedes zehnte Kind unter 5 Jahren – eine erschreckende Zahl, vor allem weil die Arbeit bereits für die Kleinen extrem hart und kräftezehrend ist. Leider sehen viele Familien keinen anderen Ausweg um ihre Existenz zu sichern. Für die Schule bleibt da keine Zeit – und die Bildung auf der Strecke.
    Das sie Rechte haben weiß kaum eines der Kinder. Deshalb empfinde ich das Engagement der Kinderrechte-Clubs und die begleitende Aufklärungsarbeit durch World Vision über Kinderrechte, Kinderschutz und die Bedeutung von Bildung für Zukunftschancen als sehr wertvoll und wichtig -besonders weil eine positive Entwicklung sichtbar ist. Nichtsdestotrotz gilt es, diese Entwicklung weiterhin in diese Richtung voranzutreiben und sich nicht darauf auszuruhen – denn die Wirtschaft entwickelt sich nach wie vor viel zu häufig auf dem Rücken der Kinder.

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