Eine Nacht im Hotel, in dem sonst Barack Obama schläft – oder: Anna und Luka beraten Brüssel

Reservierte Plätze für Luka und Anna - die EU-Jugendberaterinnen von World Vision

Am 18. Juni betraten ein Junge aus Uganda, zwei Mädchen aus Deutschland und ein Junge aus Rumänien die Lobby eines Hotels, das normalerweise Obama und Co. beheimatet. Warum zahlt die EU vier Jugendlichen ein Hotelzimmer mit Minibar inklusive, fragen Sie sich? Nun, das fragten wir uns am Anfang auch.

Wir, das sind Anna (17) und Luka (20). Vor zwei Wochen erhielten wir einen überraschenden Anruf, mit der Frage, ob wir nicht nach Brüssel fahren und wichtige Menschen treffen wollen. Da waren wir natürlich sofort dabei. Wichtige Menschen treffen, das hieß in dem Fall, der Besuch einer Konferenz mit etwa 400 Vertretern aus EU-Politik, Wirtschaft, NGOs,Verbänden und Presse. Das Thema war das European Year for Development 2015 (EYD – das Europäische Jahr für Entwicklung) und wie dieses genau gestaltet werden soll.

Jedes Jahr ruft die EU ein Jahresthema aus, in diesem Jahr ist es z.B. das European Year of Citizens (also das Europäische Jahr der Bürger). Sie haben davon noch nie etwas gehört? Keine Sorge, wir auch nicht. Doch 2015 soll sich das ändern, und deshalb trafen wir uns in Brüssel, um die Kommunikationsstrategie für das europäische Jahr zu diskutieren.

Luka und Anna bei den Vorbereitungen - sie referierten über Kommunikation mit Jugendlichen via Social Media (Foto: Johannes Backhaus/World Vision)

Luka (l.) und Anna bei den Vorbereitungen – sie referierten über Kommunikation mit Jugendlichen via Social Media (Foto: Johannes Backhaus/World Vision)

Dabei hatten wir die Möglichkeit, noch während der Planung die Meinung von Jugendlichen einzubringen. Wie begeistert man Jugendliche für globale Themen? Was ist Jugendlichen bei diesen Themen wichtig? Wie erreicht man Jugendliche über soziale Netzwerke am besten? Wie können Jugendliche zu Themen der globalen Entwicklung selbst aktiv werden und wie können sie in die Entwicklungszusammenarbeit eingebunden werden?

Am Tag der Konferenz trafen für 9 Stunden die unterschiedlichsten Leute aufeinander. Auf der einen Seite sprachen die Organisatoren des Europäischen Jahres der Entwicklung, Stina Soewarta und Klaus Rudischhauser, die als Mitarbeiter von EuropeAid direkt am Hebel der EU-Entwicklungspolitik sitzen und dennoch von eigentlicher Entwicklungsarbeit weit entfernt sind. Dem gegenüber standen Johnson aus Uganda und Corneliu aus Rumänien, die jeden Tag hautnah Entwicklungsarbeit miterleben, sei es die Forderung nach mehr Lehrkräften an einer Schule oder Gesundheitsthemen.

Johnson aus Uganda vertrat bei der EYD 2015-Vorbereitungskonferenz Jugendliche in Entwicklungsländern

Johnson aus Uganda vertrat bei der EYD 2015-Vorbereitungskonferenz Jugendliche in Entwicklungsländern (Foto: Johannes Backhaus/World Vision)

 

Es war spannend zu sehen, wie all diese Leute zusammenkamen, um gemeinsam mehr Menschen für Entwicklungszusammenarbeit zu begeistern – und wir waren mittendrin. Denn nach dem Networking Lunch waren wir an der Reihe, unsere Erfahrungen mit sozialen Netzwerken einem Teil der Teilnehmer der Konferenz vorzustellen. Es ging dabei vor allem um die Frage, wie man Facebook und andere Social Media Kanäle einsetzen kann, um Jugendliche zu begeistern. Dabei stellte sich wieder einmal heraus, dass Kommunikation unabdinglich ist. Um einander zu verstehen, zu begeistern und zusammenzuarbeiten, brauchen wir den Dialog zwischen den Generationen – und das nicht erst wenn das Projekt oder die Kampagne fertig konzipiert ist.

In Brüssel Teil dieses Dialogs sein zu dürfen war sogar noch besser als in Obamas Hotel zu schlafen, in dem die EU offenbar zu besonders günstige Konditionen Gäste unterbringen kann. Denn wir hatten nicht nur die Möglichkeit, unsere Meinung einzubringen, sondern durften auch erleben, dass wir ernst genommen wurden. Immer wieder griffen die Erwachsenen Punkte aus unserem Vortrag in den Diskussionen auf, und spätestens als Stina Soewarta unseren Punkt „Keep it simple“ in ihrem Abschlussvortrag erwähnte, wurde uns klar, dass Veränderung möglich ist. Noch immer ist die Meinung von Jugendlichen viel zu wenig Teil von politischen Prozessen. Aber nachdem die EU uns einmal reingelassen hat wird sie uns so schnell nicht wieder loswerden. We will be back!

Luca und Anna flankieren Klaus Rudischhauser, Klaus Rudischhauser, stellvertretender Generaldirektor für Entwicklung und Zusammenarbeit/EuropeAid in der EU (Foto: Johannes Backkhaus/World Vision)

Luka und Anna flankieren Klaus Rudischhauser, den stellvertretenden Generaldirektor für Entwicklung und Zusammenarbeit/EuropeAid in der EU (Foto: Johannes Backkhaus/World Vision)

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