Kinder aus Favelas im Stadion von Salvador: Die Geschichte hinter der Geschichte

Kinder aus dem World Vision Projekt "Santa Luzia" beim Spiel Deutschland-Portugal(Foto: Christian Spreitz)

Sie kommen aus Uruguai, Massaranduba und Jardim Cruzeiro – Favelas im Norden von Salvador da Bahia mit gewaltigen Problemen. Zerrüttete Familienverhältnisse, Drogenhandel, Gewalt, ein miserables Wohnumfeld und Arbeitslosigkeit prägen hier den Alltag. Vom Glanz der Fußball-WM ist dort wenig zu spüren. Ein Stückchen Glitzer konnten die Kinder nun aber doch erleben – dank des Engagements eines deutschen Journalisten, der sie mit ins Stadion nahm.

“Muller, Muller, Muller!”, jubelten die acht Jugendlichen, die der deutsche Reporter Kai Feldhaus am Montagabend mit zum Deutschlandspiel nahm, weil die BILD-Redaktion Karten übrig hatte. Auch Alana Izabele war dabei und hin und weg – es war das erste und vielleicht einzige Mal in ihrem Leben, dass sie und die sieben anderen jungen Favela-Bewohner in der neu erbauten Arena von Salvador mitjubeln durften.

Dies ist die Geschichte hinter der BILD-Geschichte. Alana Izabele war eigentlich eine ehrgeizige Schülerin. Aus armen Verhältnissen, doch ihre Familie kam über die Runden. Als der Vater der Jugendlichen die Mutter verließ, begannen die Probleme richtig: Streit mit den Verwandten, finanzielle Sorgen für Alana, ihre Schwester und ihre Mutter. Als Alana dann auch noch schwanger wurde, verlor sie ihren Job als Kunst-Hilfslehrerin – nach der Schule hatte sie so sehr darum gekämpft. Rückzug, Traurigkeit, Perspektivlosigkeit – das war Alanas Leben vor zwei Jahren.

Alana mittendrin: Ein unvergesslicher Besuch nach einer harten Zeit (Foto: Christian Spreitz)

Alana mittendrin: Ein unvergesslicher Besuch nach einer harten Zeit (Foto: Christian Spreitz)

Die Familien, die imWorld Vision Projektgebiet Santa Luzia leben, sind größtenteils auf staatliche Hilfe angewiesen. Viele schicken ihre Kinder arbeiten. Die wiederum besuchen oft nur unregelmäßig die Schule. Die Chancen stehen deshalb schlecht, dass sie eines Tages eine geregelte Arbeit finden. Besser stehen sie,  stattdessen in die Kriminalität abzurutschen.

World Vision Brasilien hält dagegen. Seit 1998 setzt die Organisation mit dem Regionalentwicklungsprogramm Santa Luzia an, um die Zukunftsperspektiven der kleinen und großen Bewohner der drei Favelas zu verbessern. Mit einem Wirtschafts- und Ausbildungsprogramm werden Familien und Kinder fit gemacht: Sie werden ermutigt, auf sich zu vertrauen, ihre Fähigkeiten auszubauen und auf dem Arbeitsmarkt einzubringen. Durch ganzheitliche Bildungs-, Schutz- und Gesundheitsmaßnahmen  sollen die Bewohner nach und nach widerstandsfähiger werden – gegen Gewalt und den Sog der Hoffnungslosigkeit. Außerdem bestärkt World Vision das zivilgesellschaftliche Engagement der Bewohner: dass sie ihre Rechte kennen und einfordern, ihre Interessen nach außen vertreten und sich mit anderen Akteuren vernetzen.

Ganz nah dran: So sahen die Kids das Spiel im Stadion von Salvador (Foto: Christian Spreitz)

Ganz nah dran: So sahen die Kids das Spiel im Stadion von Salvador (Foto: Christian Spreitz)

Für Alana Izabele, eines der Patenkinder, hieß das konkret: Sie wurde durch ihre schwierige Zeit begleitet. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, nahm World Vision mit der Mutter Kontakt auf. Die Mutter, kommunikativ sehr stark, erhielt die Möglichkeit, zu einer Grundschullehrerin ausgebildet zu werden.  So konnte sie schon bald nach der Trennung von ihrem Mann den Lebensunterhalt für die Familie verdienen. Alana wurde in zahlreiche Angebote einbezogen – wurde Teil einer Tanzgruppe und nahm an Sportprojekten teil. Sie bekam persönliche Unterstützung, Menschen im World Vision Netzwerk brachten sie auf Ideen, wie sie ihr Leben als junge Mutter trotzdem meistern kann – ohne schon ganz erwachsen sein zu müssen. Nach und nach wurde sie wieder zu einem glücklichen Teenager, eingebettet in eine Gemeinschaft. “Heute”, sagt sie, “fühle ich mich sicherer. Ich kann mich wieder verlassen”.

Ein starkes Team für die Kinder in Jefferson - und mittendrin Cacau

Ein starkes Team für die Kinder in Jefferson – und mittendrin Cacau (Foto: World Vision)

Wenn Sie auch Kindern und Jugendlichen in Brasilien helfen wollen, können Sie zum Beispiel unser Projekt “Sports for Life” unterstützen. Wir haben es gemeinsam mit dem Fußballer Cacau ins Leben gerufen. Hier finden Sie Infos dazu.

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