Tag des Flüchtlings: In der Menge dem einzelnen Kind gerecht werden

Der hochgereckte schwarz gefärbte Finger ist für diesen Jungen und viele weitere Kinder in Lul, Südsudan, ein gutes Zeichen. Er ist damit registriert für den Bezug von Lebensmitteln, die durch Hilfsorganisationen verteilt werden. "Die Kinder hier sind aus anderen Orten hierher geflohen und haben sehr wenig gegessen", berichtet James East von World Vision, der das Foto gemacht hat.

Weltweit sind 51 Millionen Menschen auf der Flucht oder vertrieben - so viele, wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Diese Menge hilfsbedürftiger Menschen zeigt, dass die Weltgemeinschaft mit vielen Krisen überfordert ist. Dennoch haben wir die Pflicht hinzusehen und jedes einzelne Kind, um das wir uns kümmern, ist ein Anfang für eine humanere Welt.

Sie haben heute sicher schon  gehört oder gelesen, dass die Zahl der Flüchtlinge in diesem Jahr den höchsten Stand seit dem zweiten Weltkrieg erreicht hat. Dies liegt nach Angaben des Uno-Flüchtlingswerks vor allem am Krieg in Syrien, denn dort irren mindestens 6,5 Millionen Menschen innerhalb der Landesgrenzen umher und rund 2,8 Millionen Syrer leben bereits im Exil. Aber auch in Afrika haben Fluchtbewegungen zugenommen, und die meisten haben politische Ursachen. So sind im Südsudan seit der im Dezember 2013 ausgebrochenen Kämpfe inzwischen über eine Million Menschen zu Flüchtlingen geworden. Auch wenn diese Krisen weit weg sind, können und dürfen wir nicht wegsehen. Menschenrechte sind grenzenlos, und bedrohte Menschen haben ein Anrecht auf humanitäre Hilfe, auch auf Schutz und unser Mitgefühl.

Auch wenn wir uns als Beobachter durch die vielen Krisen inzwischen überfordert fühlen – was übrigens auch für das UN-Sytem der Hilfe gilt, sollten wir uns klar machen, was es für den einzelnen Menschen bedeutet, ihre mühsam aufgebaute Existenz, die vertraute Lebenswelt und ihre Unabhängigkeit aufgeben zu müssen, um irgendwo geduldet und vielleicht auch in erbärmlichen Umständen zu leben.

Die in vielen Krisen tätigen Mitarbeiter von World Vision schauen natürlich besonders darauf, was es für die Kinder bedeutet auf der Flucht zu sein und welche Bedürfnisse sie haben. Meist haben wir es mit sehr vielen Kindern zu tun, denn in vielen Flüchtlingsgruppen ist mehr als die Hälfte aller Individuen minderjährig. Trotzdem wollen wir nach Möglichkeit auch dem einzelnen Mädchen oder Jungen in seiner persönlichen Situation gerecht werden. Unsere Fotoserie zum Thema “Was heißt es für ein Kind Flüchtling zu sein” zeigt daher auch viele Portraits.

Wenn wir Flüchtlingen Hilfe anbieten, müssen wir darauf achten, dass Kinder mehr Schutz und zum Teil auch andere Dinge für ihr Wohlergehen benötigen als Erwachsene. Im großen Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien, aber auch an syrische Flüchtlingsfamilien im Libanon hat World Vision daher zum Beispiel Windeln verteilt und damit eine vorher bestehende große Lücke gefüllt. Ganz wichtig ist uns auch, dass Kinder, die in vielen Fällen den Tod von Verwandten oder Freunden miterleben oder furchtbare Angst durchlitten haben, Zuwendung und professionelle psychosoziale Hilfe bekommen. Dass sie durch einen geregelten Alltag und Lernangebote stabilisiert werden und neue Hoffnung bekommen. Dafür richten wir die kinderfreundlichen Lern-und Spielorte mit pädagogischer Betreuung ein, oft gemeinsam mit Partnern wie UNICEF oder Save the Children.

Wir appellieren aber auch an einflussreichere Akteure wie die Bundesregierung und die Europäsiche Union, mit dafür zu sorgen, dass die Flüchtlingskinder eine Ausbildung machen können, damit sie eine Zukunft haben. Keine Hilfsorganisation kann allein diese Aufgabe bewältigen, und die Nachbarländer Syriens oder die Nachbarländer des Südsudan auch nicht.

Unsere Erfahrung zeigt auch: Kinder wollen auch als Flüchtlinge ihr Leben aktiv mitgestalten und sind leicht dafür zu begeistern etwas Sinnvolles zu tun. Wer dies erkennt und danach handelt, kann den Kindern viel Gutes tun, aber auch in ihren Gesellschaften starke positive Kräfte wecken.

Ihre Spende hilft geflohenen Kindern und deren Familien sehr konkret –
zum Beispiel mit Nahrung, Trinkwasser, Hygiene, aber auch Bildung und geschützten Räumen zum Spielen.

Wir bitten aktuell besonders um Spenden für syrische Flüchtlinge und um Spenden für Flüchtlinge aus dem Südsudan.

 

Schreiben Sie einen Kommentar


− 5 = eins