“Mein Kind entwickelt sich endlich gut”

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Jetzt im Juli kann man sich das heimische Gemüse in großer Auswahl richtig schmecken lassen. Und dabei noch viel für die Gesundheit tun. Wie sehr das entsprechende Wissen auch Kindern aus unseren Projekten zugute kommt, schildert unser Kollege Le Thiem Xuan aus Vietnam.

Le Thiem Xuan berichtet über Wirkungen eines Ernährungsprojekts in dem Regionalentwicklungsprogramm Nong Son, Vietnam

“Keine Mutter, egal wie arm, wird einfach zuschauen, wie ihr Kind immer dünner und schwächer wird. Ich auch nicht. Aber erst als mein jüngstes Kind, HIeu, fast zwei Jahre alt war, bekam ich die Hoffnung, bei ihr diese furchtbare Entwicklung umzukehren”, erzählt Huong, eine Mutter von drei Kindern aus dem Nong-Son-Distrikt in der vietnamesischen Provinz Quang Nam. “Ich habe zu dieser Zeit an dem ersten Treffen von Müttern teilgenommen, die darüber diskutierten, einen Ernährungsclub in unserem Dorf zu gründen, unterstützt von World Vision.”

Huong erinnert sich an die Zeit davor: “Hleu sah bei ihrer Geburt aus wie eine kleine Flasche. Sie wog nur zweieinhalb Kilo, also ein halbes Kilo weniger als normale Neugeborene.” Die Geburt war schwer gewesen. Nach sieben Tagen in der lokalen Klinik nahm die Mutter ihr Kind mit nach Hause. Die Regenzeit hatte gerade begonnen. Der Matsch klebte an ihren Füßen, aber der Weg erschien ihr auch aus einem anderen Grund schwerer als sonst: Die Bäuerin fragte sich sorgenvoll, wie sie ihre Kinder und speziell dieses winzige, schwache Töchterchen durch die jetzt kommende Durststrecke zwischen zwei Ernten bringen sollte.

Ihre beiden Söhne, die schon die fünfte und die erste Schulklasse besuchten, brauchten Stifte, Hefte und neue Kleidung für das neue Schuljahr. In der Vorratskammer der Küche lag wenig mehr als eine Handvoll Reis. Ihr Mann und sie würden wieder Reis bei anderen Bauern leihen müssen. Danach würden sie durch Aushilfsarbeiten auf den Feldern anderer Bauern den Reis mit Geld zurück zahlen müssen.

Huong und ihr Mann Huyinh verarbeiten Reis mit einer von Nachbarn geliehenen Maschine. Foto: Le Thiem Xuan / World Vision

Huong und ihr Mann Huyinh verarbeiten Reis mit einer von Nachbarn geliehenen Maschine. Foto: Le Thiem Xuan / World Vision

Huong und ihr Mann bewirtschaften kein eigenes Stück Land, sondern arbeiten auf dem 700 Quadratmeter großen Reisfeld ihrer Schwiegereltern. Fast jedes Jahr wird ihr Dorf in der Regenzeit überflutet. Der breite Fluss, der in trockenen Zeiten als Haupt-Wasserquelle für den täglichen Bedarf dient, wird an Regentagen zu einer Gefahr. Wenn die Fluten an den Häusern nagen, müssen Eltern ihre Kinder evakuieren und in Schulen auf höher gelegenem Land unterbringen.

World Vision untersuchte mit lokalen Partnern die Auswirkungen all dieser Umstände und stellte fest, dass eine ganze Reihe von Familien wie die Huongs unterernährte Kinder haben und mit ihren geringen Einkünften kaum das Nötigste zum Leben zur Verfügung haben. Darüber diskutierten Huong und 17 andere Mütter auch bei ihrem ersten Treffen im September 2010, bevor sie den Entschluss fassten, einen Ernährungsclub zu gründen und sich Rat von World Vision zu holen.

Die inzwischen 26 Mitglieder des Clubs, alle Eltern von Kindern unter fünf Jahren, treffen sich regelmäßig einmal im Monat. Bei den Treffen bekommen sie neue Informationen, üben die Zubereitung gesunder Mahlzeiten mit lokal verfügbaren Lebensmitteln und tauschen ihre Erfahrungen aus. Die Gespräche drehen sich aber nicht nur ums Essen, sondern auch um Themen, die einen guten Ernährungszustand der Kinder ebenfalls unterstützen: die richtige Kleinkind-Pflege, Hygiene und vorbeugende Maßnahmen gegen Krankheiten oder auch Erfolg versprechende Gemüse-Anbaumethoden.

In Huongs Gemüsegarten wachsen mehr Gemüsesorten, seit sie im Ernährungsclub gelernt hat wie wichtig die Vielfalt in der Ernährung ist - besonders für Kinder. Foto: Le Thiem Xuan / World Vision

In Huongs Gemüsegarten wachsen mehr Gemüsesorten, seit sie im Ernährungsclub gelernt hat wie wichtig die Vielfalt in der Ernährung ist – besonders für Kinder. Foto: Le Thiem Xuan / World Vision

Huong erhielt von World Vision vor zwei Jahren außerdem eine kalbende Kuh, um das Einkommen ihrer Familie verbessern zu können. “Wenn meine Familie nicht die Unterstützung von World Vision  bekommen hätte, würden mein Mann und ich immer noch um jeden Feldarbeiter-Job kämpfen müssen und wüssten nicht, wann wir jemals das Geld für eine Kuh aufgebracht hätten”, ist Huong überzeugt.  Die Aufzucht von Kühen ist jetzt unser eigenes Unternehmen. Wir haben gerade ein sechs Monate altes Kalb. Kühe bringen Geld für meine Familie und die Ausbildung unserer Kinder”, sagt sie lächelnd.

Die Kuh und ihr Kälbchen sind wahre Glückbringer für Hieus Familie.  Foto: Le Thiem Xuan

Die Kuh und ihr Kälbchen sind wahre Glückbringer für Hieus Familie. Foto: Le Thiem Xuan

Statt um das Leben ihrer Tochter zu bangen, kann sie sich jetzt auf das erste Schuljahr von Hleu freuen. “Sie ist nicht mehr unterernährt und hat sich gesund entwickelt, dank unseres Dorfclubs”, ergänzt die 36 Jahre alte Bäuerin. Auch bei anderen Familien ist der positive Trend erkennbar, denn die Rate unterernährter Kinder sank innerhalb von 3 Jahren um rund 5 Prozent.

Huong und ihre Schwägerin kochen ein Auberginen-Gericht fürs Abendessen. Foto:  Le Thiem Xuan / World Vision

Huong und ihre Schwägerin kochen ein Auberginen-Gericht fürs Abendessen. Foto: Le Thiem Xuan / World Vision

Der Club dient mittlerweile auch als Sparkasse für kleine Investitionen und Notgroschen. Jedes Mitglied zahlt monatlich 10.000 Dong (US$0.47) in den gemeinsamen Topf, aus dem dann der Reihe nach zinslose Kredite vergeben werden. Auf diese Weise haben Landmütter die Chance, ihre Existenzgrundlage zu erhalten oder sogar auszubauen, durch Anschaffung von Saatgut oder Hühnern außerdem eine ausreichende und gesunde Ernährung ihrer Kinder zu sichern. Zugleich unterstützen sie sich gegenseitig dabei, ihre Probleme selbständig zu lösen und der Armut zu entkommen.

Was in der kleinen Welt dieses Dorfes erreicht werden kann, möchte World Vision natürlich auch im größeren Maßstab erreichen. So ist Huong eine von 600 Müttern aus 24 Ernährungsclubs, die durch das Nong Son Regionalentwicklungsprojekt unterstützt werden.

 

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