Mikrokredite im Kontext: warum eine Pilzzüchterin besser voran kommt als eine Weberin

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Die persönliche Situation der Kreditnehmerinnen und der Markt-Kontext haben großen Einfluss darauf, wieviel mit Finanzhilfen erreicht werden kann. Lorn Na und Chao aus Kambodscha werden von VisionFund und World Vision daher auch unterschiedlich unterstützt.

Pilze sind Lorn Na’s Leidenschaft. Die 52jährige Mutter von 8 Kindern lebt in der Provinz Kandal, etwa eine Autostunde von Phom Penh, der Hauptstadt Kambodschas entfernt. Zwei Kinder sind bereits erwachsen und selbst verheiratet, sechs Kinder leben noch in ihrem Haushalt, darunter ein behinderter Junge. Ihr Holzhaus steht auf Stelzen inmitten von Feldern. In der Regenzeit kommt es oft zu Überschwemmung. Hühner laufen um das Haus herum und scharren im Sand gackernd nach Würmchen. Es ist heiß und schwül. Auf den Äckern arbeiten die Bauern des Dorfes. Vor dem Haus steht ein neues Motorrad.

Lorn Na hat ein hartes Leben hinter sich. Ihre Eltern wurden während der Regentschaft der Khmer Rouge getötet, als sie 15 Jahre alt war. Sie selbst wuchs in einem Waisenhaus auf. „In der Vergangenheit wusste ich oft nicht, wie ich meine Kinder ernähren soll“, sagt Lorn Na. Oft sei sie verzweifelt gewesen und hatte keine Idee, wie sie ihr Leben verbessern sollte.

Seit zwei Jahren züchtet sie Austernpilze. Dies veränderte ihr Leben radikal. Die Pilze sind in Kambodscha sehr gefragt. Daher verkauft Lorn Na fast immer alle Pilze, die sie zum Markt bringt. Im Durchschnitt verdient sie dann 25 US-Dollar. Alle 3-4 Tage kann Lorn Na die Pilze ernten. Die Kinderhilfsorganisation World Vision in Kooperation mit der Mikrokredit-Institution VisionFund zeigte ihr, wie die Pilze gezüchtet werden und gab ihr anschließend einen Mikrokredit in Höhe von rund 100 Euro. Nachdem Lorn Na diesen zurück gezahlt hatte, bekam sie einen zweiten Kredit in Höhe von umgerechnet rund 270 Euro. Mit diesem Geld kaufte sie sich den Grundstock für die Züchtung der Pilze und konnte diesen dann nach der zweiten Tranche ausweiten. „Mir geht es heute sehr viel besser“, sagt Lorn Na.

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Sie züchtet zudem noch Hühner und hält Gänse. Auf einem kleinen Feld bauen sie und ihr Mann Mais an. Sogar ein Motorrad konnte sich die Familie von dem Verdienst kaufen. „Heute sehe ich Licht für die Zukunft“, meint Lorn Na. „Durch World Vision habe ich gelernt, wie man mit Geld umgeht.“ Sie ist Mitglied in einer Spargruppe, die fünf Mitglieder hat. Alle kennen sich schon lange. Zwar würde Lorn Na es vorziehen, einen individuellen Kredit zu bekommen, aber Mitglied in einer Spargruppe zu sein, hat auch Vorteile. So können Mitglieder von dieser auch mal einen zusätzlichen Kredit bekommen, wenn sie für Investitionen oder Renovierungen kurzfristig etwas mehr Geld benötigen.

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Chao Soheng lebt in der Provinz Takeo. Auch hier arbeitet World Vision schon lange im Bereich der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit. Chao Soheng wird immer auf Hilfe angewiesen sein, zumindest solange ihr 14jähriger Sohn zur Schule geht. Die 38jährige hat sich mit dem Aids-Virus infiziert. Ihr Mann starb vor 13 Jahren an der Imunschwächekrankheit. Seitdem versucht Chao, ihren Sohn allein groß zu ziehen. Als Kleinkind war auch er oft krank. Alles Geld, das sie hatte, ging für Medikamente drauf. Auch sie braucht regelmäßig Medikamente, um den Aids-Virus in Schach zu halten.

Weberein mit Sohn

Unter Tränen erzählt Chao Soheng, dass sie von der Dorfbevölkerung gemieden wurden. Auch ihr Sohn wurde diskriminiert. Über VisionFund bekam Chao einen Kleinkredit in Höhe von 160 Euro, später erhielt sie noch mal einen Kredit über 240 Euro. Chao weiß, wie man Stoffe webt. Daher schenkte World Vision ihr einen Webstuhl. Früher arbeitete die junge Frau im Auftrag von Händlern. Der Verdienst war so gering, dass sie für sich und ihren Sohn oft nur eine Schüssel Reis pro Tag kochen konnte. Mit dem Mikrokredit konnte sich Chao Garn kaufen und die Stoffbahnen, die sie webt, gehören jetzt ihr. Der Gewinn, den sie damit erzielen kann, lässt ihr wegen der Rahmenbedingungen der Textilindustrie in Kambodscha kaum Spielraum für Ersparnisse, doch kann Chao heute für sich und ihr Kind genug zu essen kaufen.

Chaos ganze Hoffnung ruht auf ihrem Sohn. „Ich möchte, dass er studieren kann“, sagt sie. Die Kosten für den Schulbesuch werden von World Vision übernommen. Auch klärte die Organisation die Dorfbevölkerung über den HI-Virus auf. Chao ist froh, dass die Zeit der Diskriminierung vorbei ist. „Heute werden wir von unseren Nachbarn akzeptiert“, erzählt sie erleichtert.

Armutsbekämpfung und der Aufbau gerechter Gemeinden geht bei World Visions Entwicklungsarbeit in Kambodscha Hand in Hand. Einige der Projekte werden bald an die einheimische Bevölkerung übergeben. Wenn zu Beginn eines Projektes Gesundheitsversorgung, Hygiene und Sanitärmaßnahmen, sowie Ernährung und Bildung im Fokus stehen, so ist zum Ende eines Projektes das Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region gerichtet. Als eine der Maßnahmen, um Bewohnern ein eigenes Auskommen zu ermöglichen, werden Mikrokredite an Gruppen und Einzelpersonen vergeben. In Kooperation mit VisionFund, der 100 prozentigen Tochter von World Vision, müssen die Kreditnehmer jedoch umfangreiche Schulungen mitmachen. Diese werden auch mit Aufklärungsmaßnahmen verbunden. Die Finanzdienstleistungen sind im Verbund mit anderen Maßnahmen für viele Menschen in Entwicklungsländern eine Möglichkeit, der Armutsfalle zu entkommen. Die Klienten werden eng von VisionFund Mitarbeitern begleitet und beraten. Die meisten Kreditnehmer sind in der Lage, die Kredite zurück zu zahlen und ihr Leben nachhaltig zu verbessern und ihren Kindern eine Zukunft zu geben.

Schon mit einer Spende ab 20 Euro können Sie Existenzgründerinnen wie Lorn Na und ihre Familien wirksam unterstützen. Zu unserem neuen Angebot: “Mikro – der gute Kredit”

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