Zwei Brüder sammeln jetzt Freunde statt Müll auf der Straße

kambodscha_ehemalige_Strassenkinder

Sophal und Sopheap haben einen Traum: Sie möchten Lehrer und Arzt werden. Sie sitzen unter ihrem Haus in einer Hängematte und lesen konzentriert in einem Buch. Die beiden Brüder sind stolz, dass sie lesen können und die Schule besuchen. Sophal, 14, besucht die 5. Klasse, Sopheap, 13, geht in die 4.. Heute leben sie zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Haus auf Stelzen, das sie vor Sonne, Regen und Überschwemmungen schützt. Früher bewohnten sie eine einfache Strohhütte.

Früher war sowieso alles anders. Sophal und Sopheap wohnten mit ihren Eltern auf der Straße in Phnom Penh. Mehr als 2000 auf der Straße lebende Kinder verzeichneten die Behörden 2012 offiziell – und jedes Jahr werden es mehr. Die boomende Hauptstadt Kambodschas zieht immer mehr arme Menschen aus den umliegenden Dörfern an. Kambodscha ist zutiefst ländlich geprägt: Über 80 Prozent der Bevölkerung leben außerhalb der Städte. Auf dem Land ist die Armut groß, immer mehr Menschen ziehen nach Phnom Penh, in der Hoffnung auf eine Zukunft.

Sophal und Sopheap erzählen, dass sie von früh morgens bis spät abends arbeiten mussten. Sie sammelten Müll und Flaschen und nutzten jede Gelegenheit, um etwas Geld zu erbetteln. Manchmal wurde ihnen das Geld von Gangstern abgenommen. „Das Leben auf der Straße war schrecklich”, erzählt Sophal, “Wir hatten nie genug zu essen. Wir schliefen in irgendwelchen Hauseingängen, manchmal in einer Pagode. Wir schnüffelten auch Klebstoff. Dann war das Leben etwas erträglicher.“

 

Das gesammelte Geld mussten sie ihren Eltern geben, aber ihr Vater war so verzweifelt, dass er sich jeden Tag betrank, und dann wurde er gewalttätig. Mehrmals wurden Mutter und Vater von der Polizei verhaftet und mussten einige Wochen im Gefängnis verbringen. Dann waren die Kinder auf sich allein gestellt. „Manchmal hatten wir Angst vor meinem Vater, aber als meine Eltern im Gefängnis waren, haben wir sie dennoch sehr vermisst“, sagt Sophal. „Irgendwie mussten wir dann allein durchkommen.”

Eines Tages sprachen Streetworker von World Vision die beiden Jungen an und brachten sie dann in ein Wohnheim für Straßenkinder, das die Kinderhilfsorganisation in Phnom Penh betreibt. Bis zu 30 Kinder können dort betreut werden – das jüngste, das derzeit in dem Wohnheim lebt, ist zwei Jahre alt. Hier haben die Kinder ein geregeltes Leben, werden unterrichtet und haben nachmittags Zeit für freies Spielen.

Im Bamboo-KInderzentrum ist nachmittags freie Zeit für Spiele und Freundschaften.

Im Bamboo-KInderzentrum ist nachmittags freie Zeit für Spiele und Freundschaften.

Für Sophal und Sopheap begann ein anderes Leben. „In dem Zentrum fühlte ich mich erstmals geborgen und geliebt, wir hatten genug zu essen, eine sichere Unterkunft, wir konnten zur Schule gehen, und wenn wir krank waren, sorgte sich jemand um uns“, erzählt Sophal. „Ich kann jetzt lesen und schreiben. Ich schnüffle nicht mehr und lernte auch, wie man sich gegenüber anderen Menschen benimmt und dass man keine bösen Wort benutzt.“

kaambodscha_bamboo_centre_LeiterWährend die Kinder zu Kräften kommen und neue Erfahrungen machen, arbeiten die Mitarbeiter von World Vision zusammen mit Partnern an dauerhaften Lösungen für sie, wenn möglich mit den Familien der Kinder. Pharen San, der Leiter des World Vision Kinderzentrums, erklärt: „Die Kinder können in der Regel bis zu einem Jahr hier bleiben. Es ist wichtig, dass sie lernen, wie man sich in einer Gemeinschaft verhält und Verantwortung übernimmt. Die Kinder sollen eine gute Zukunft haben.“ Daher müssen ältere Kinder im Zentrum auch Aufgaben übernehmen und sich z.B. um jüngere Kinder kümmern. Und sie lernen, wie man mit Geld umgeht.”

Seit Bestehen des Wohnheims wurden etwa 3.000 Kinder aufgenommen und die Mehrheit anschließend wieder in ihre Familien und Gemeinden integriert. Die Streetworker, die dem Zentrum angegliedert sind, halten sich regelmäßig auf der Straße auf – auch nachts. Ältere Kinder, die das Zentrum bereits wieder verlassen haben, helfen ihnen. Sie besitzen das Vertrauen der Straßenkinder und sind bei ihren ehemaligen Freunden bekannt. Aufklärung über die Gefahren auf den Straßen ist wichtig. Kinder haben auf den Straßen Phnom Penhs mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie werden entführt, ausgeraubt, missbraucht und werden oft Opfer von Verkehrsunfällen. Nachdem die Streetworker mit den Kindern gespielt haben, werden sie über die Gefahren auf der Straße aufgeklärt. Mit Hilfe von Theaterstücken wird den Kindern beigebracht, was sie in Gefahrensituationen tun können.

Sophal und Sopheap leben heute mit ihren Eltern wieder in dem Dorf aus dem sie einst in die Stadt kamen. World Vision unterstützte sie beim Bau eines stabilen Hauses und gab Starthilfe für ein Grundeinkommen.

Kambodcha_strassenkinder_mutterDie Mutter baut Gemüse an, züchtet Hühner und verkauft einen Teil der Ernte auf dem Markt. Sophals und Sopheaps Vater arbeitet regelmäßig als Bauarbeiter und sammelt außerdem Plastikflaschen, die er an einer Recyclingstelle abgibt. Das Trinken habe er aufgegeben, beteuert die Familie. Besonders stolz sind alle auf das Motorrad, mit dem die Waren auf den Markt gebracht werden.

kambodscha_strassenkinder_motorrad

Die Kinder gehen inzwischen regelmäßig zur Schule. Der Besuch aus Deutschland interessiert sie zwar eine Weile, aber dann widmen sie sich ganz selbständig ihren Hausaufgaben. Nicht nur jeder für sich, sondern einer liest dem anderen vor. Etwas von dem Gemeinschaftserlebnis ist haften geblieben. Sophal und Sopheap haben trotz ihrer schwierigen Kindheit eine Zukunft.

kambodscha_ehemalige_Strassenkinder

 

Sie möchten das Leben eines Kindes nachhaltig verändern? Übernehmen Sie eine Patenschaft.

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar


3 × = achtzehn