Das Geheimnis nachhaltiger Brunnen

World Visions Brunnenbauprojekte in Westafrika sind ein Erfolgsmodell (hier: Äthiopien - Foto: World Vision)

Was passiert, wenn in einem Entwicklungsland Brunnen gebohrt werden? Nach spätestens einem Jahr funktioniert die Hälfte nicht mehr. Sind die Menschen jedoch in der Lage, die Brunnen selbst zu reparieren und sammeln sie dafür Gebühren ein, dann können Wasserstellen jahrzehntelang in Betrieb bleiben. Eine Studie der Universität North Carolina-Chapel Hill (UNC) und der Hilfsorganisation “Water and Sanitation for Africa” zeigt: World Vision setzt beim Brunnenbau erfolgreich auf Nachhaltigkeit.

“Gut sind jene Systeme, bei denen Wert auf Erhalt gelegt wird und bei denen Brunnen repariert werden, wenn sie kaputt gehen”, sagt Jamie Bartram von der University of North Carolina-Chapel Hill’s Gillings School of Global Public Health, der gemeinsam mit Jennifer Holzworth die Studie geleitet hat.

UNC Water Institute Study – World Vision Wells Sustainability from World Vision TE on Vimeo.

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern untersuchten die Forscher 1470 Brunnen in der Region „Große Afram-Ebene“ in Ghana. 898 davon waren von World Vision gebohrt worden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis: Brunnen funktionieren immer dann nachhaltig, wenn nicht nur die Wasserstelle selbst, sondern auch lokale Wasserkomitees und Gebührensysteme aufgebaut wurden. Wie in den Brunnenprojekten von World Vision: Nahezu 80 Prozent der Brunnen, die World Vision gebohrt hatte, werden auch nach mehr als 20 Jahren noch benutzt.

Die Studie wird heute anlässlich der Weltwasserwoche in Stockholm präsentiert. Finanziert wurde sie von der Conrad N. Hilton Foundation, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit mehr als 80 Millionen US-Dollar rund 2 Millionen Menschen Zugang zu Wasser ermöglicht hat. „Die Ergebnisse sind sehr ermutigend“, sagt Steven M. Hilton, der Präsident und Vorsitzende der Stiftung. „Strategische Investments, die die Stärkung  lokaler Gemeinschaften zum Ziel haben, stellen stabile und dauerhafte Wassersysteme sicher.“


In den Gemeinden, in denen World Vision aktiv ist, ist es Standard, Brunnenbau mit der Einrichtung von Wasser-, Sanitär- und Hygienekomittees zu kombinieren. Diese Komitees, denen ausschließlich Einheimische angehören, kümmern sich selbstverantwortlich um jede neue Wasserstelle. Sie sammeln Gebühren für die Nutzung und Reparatur ein. World Vision versetzt die Komitees durch Werkzeug und Schulungen in die Lage, Brunnen wieder selbst instand zu setzen, wenn sie – was häufig der Fall ist – kein Wasser mehr liefern. Mittlerweile sind solche Ausbildungsmaßnahmen in Projekten vieler Hilfsorganisationen und staatlichen Maßnahmen ein fester Bestandteil – die Studie unterstreicht die Bedeutung dieses Ansatzes.

 „Wertschätzung durch bezahlbare Gebühren und Partizipation“

Je nach Gemeinde sind die Modelle für die Gebührenerhebung sehr unterschiedlich. Manche Komitees sammeln monatlich Beiträge ein, manche kassieren für jedes aufgefüllte Wassergefäß ein paar Cent.

„Mit der Abgabe kleiner monatlicher Gebühren oder durch die Bezahlung des Trinkwassers wird nicht nur sicher gestellt, dass Instandhaltungskosten finanziert werden können. Man kann auch davon ausgehen, dass dem Gut “sauberes Wasser” auf diese Art eine andere Bedeutung und Wertschätzung durch die Bevölkerung beigemessen wird, als wenn es kostenlos zur Verfügung gestellt wird“, sagt Kerstin Koch, Referentin für Westafrika bei World Vision Deutschland. „Wichtig ist, dass diese Gebühren für alle bezahlbar und angemessen sind“.

Für jeden Kanister eine kleine Münze - zusammengenommen bilden sie eine stabile Rücklage  für Wasserkomitees (Foto: World Vision)

Für jeden Kanister eine kleine Münze – zusammengenommen bilden sie eine stabile Rücklage für Wasserkomitees (Foto: World Vision)

Die Studie fand heraus, dass 45 Prozent aller Brunnen innerhalb der vergangenen 12 Monate mindestens ein Mal defekt war. Doch die Mehrheit der Brunnen, die von World Vision gebohrt worden waren, war von den Dorfbewohnern wieder instand gesetzt worden. “Ohne Mitbestimmung und Eigenverantwortung ist Brunnenbau selten nachhaltig“, sagt Koch. „Bleibt die Verantwortung in den Händen anderer – zum Beispiel von Hilfsorganisationen  – und kommen diese für Reparaturkosten auf, ist die Gefahr sehr groß, dass auch langfristig kein nachhaltiges Management der Brunnen durch die Dorfbewohner stattfinden wird.“

Täglich sterben 1600 Kinder – sauberes Wasser überlebenswichtig


Täglich sterben weltweit mehr als 1600 Kinder an Durchfallerkrankungen, die durch verunreinigtes Wasser und schlechte Sanitär- und Hygienebedingungen verursacht wurden. Das sind mehr Todesfälle als durch HIV/Aids und Malaria zusammen. World Vision ist in den Entwicklungsländern der größte nicht-staatliche, nichtkommerzielle Wasserversorger. In Westafrika hat World Vision Millionen von Menschen den Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht und dadurch dazu beigetragen, dass Durchfallerkrankungen und die durch mangelnde Hygiene übertragene Augenerkrankung Trachoma deutlich zurückgedrängt wurden. Auch wurde der lebensgefährliche Medinawurm  in Ghana ausgerottet.


Wollen Sie ein aktuelles Wasserprojekt unterstützen? In Sierra Leone baut World Vision derzeit Brunnen und fördert die Entstehung von Wasserkomitees – Projektinfos finden Sie hier, zum Spendenformular geht’s hier.

 

1 Kommentar

  1. Luca, 21. Oktober 2015

    Im Artikel geht es ja vorwiegend um die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des Brunnens. Wie sieht die Nachhaltigkeit in trockenen Regionen in Afrika aus? Gibt es eine Kontrollfunktion um eine Ausdehnung von Wüstenlandschaften zu vermeiden?

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