Der Kampf gegen den weltweiten Hunger wird nachhaltiger

Public Encouraged to Implement Keyhole Gardens

Masemakaleng Kabane hat HIV. Die 59-jährige Großmutter aus Lesotho trägt dabei die Verantwortung für sieben Kinder. Was Hunger ist, weiß sie nur zu gut – oft genüg fühlt sie sich schwach, zu schwach um aufs Feld zugehen und der mageren Erde ihres Ackers Hirse abzuringen. Zu wenig und kein ausgewogenes Essen, Magenknurren am Abend - so war das lange bei den Kabanes. Bis World-Vision-Mitarbeiter die Familie auf eine Idee brachten. Und mit ihr das ganze Dorf …

Zunächst half World Vision Masemakaleng mit Lebensmitteln für den akuten Bedarf der Familie. Parallel dazu unterstützten World-Vision-Mitarbeiter die Großmutter beim Bau eines “Schlüssellochgartens”. Dazu wird ein Gemüse-Hochbeet aus recycelten Materialien hergestellt. Haushalte mit beschränkter Arbeitskraft können so gesunde und nährstoffreiche Nahrung auch unter schlechten Boden- und Wasserbedingungen produzieren.

Masemakalengs "Schlüssellochgarten" gedeiht prächtig (Foto: World Vision)

Lesotho: Masemakalengs “Schlüssellochgarten” gedeiht prächtig (Foto: World Vision)

Heute produziert Masemakaleng rund ums Jahr Gemüse für den Eigenbedarf, verkauft den Überschuss an Nachbarn und zeigt ihnen, wie man einen eigenen Garten aufbaut und führt. Inzwischen hat das halbe Dorf begonnen, Gemüse anzubauen – und ist kaum noch auf fremde Hilfe angewiesen.

Report “Telling Our Stories”: Wie der Hunger überwunden werden kann

Masemakalengs Geschichte ist eine von vielen in dem Report „Telling Our Stories: Leveraging food assistance for a hunger-free world“. Er zeigt auf vielfältige Weise, wie Betroffene in Krisenzeiten den Hunger nach und nach selbst in den Griff bekommen. Denn in Krisenfällen werden längst nicht mehr nur Lebensmittelpakete verteilt. World Vision setzt verstärkt auf Projekte, bei denen Dörfer und Gemeinden selbst Lösungen gegen Unter- und Mangelernährung entwickeln – mit nachhaltigem Erfolg.

Hungernde erhalten dabei von World Vision Lebensmittel oder Bargeld für ihren akuten Bedarf. Im Gegenzug arbeiten sie an Projekten mit, die der gesamten Dorfgemeinde zugute kommen und die sie unabhängiger von Nahrungsmittelhilfen machen sollen. Sie produzieren mehr und bessere Lebensmittel, auch in schlechten Zeiten.

Äthiopien: Vom Nothilfeprojekt zur Selbsthilferegion

Im Antsokia-Tal in Äthiopien beteiligten sich viele Menschen am Aufbau der Bewässerungssysteme (Foto: World Vision)

Im Antsokia-Tal in Äthiopien beteiligten sich viele Menschen am Aufbau der Bewässerungssysteme (Foto: World Vision)

Ein weiteres Erfolgsbeispiel: das Antsokia-Tal in Äthiopien. Die heute grün bewachsene Region war vor 30 Jahren Schauplatz eines gewaltigen Massensterbens. Zehntausende verhungerten nach einer Dürre. Heute ist die Bevölkerung aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit World Vision nicht nur in der Lage, sich selbst zu versorgen, sondern auch längere Trockenheitsperioden zu überstehen und Lebensmittel in andere Regionen des Landes zu exportieren. Erosionsschutz, das Anlegen von Bewässerungssystemen und Schulungen von Bauern in Waldfeldbaumethoden gehörten zu den umgesetzten Projekten, an denen die lokale Bevölkerung maßgeblich mitwirkte. Aus einem Nothilfeprojekt wurde ein selbstbewusstes Selbsthilferegion.

Lebensmittel verteilen reicht nicht!

Weltweit hungern noch immer 805 Millionen Menschen – das ist jeder 9. Mensch. Schlechte und mangelnde Ernährung wird für 45 Prozent aller vermeidbaren Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren verantwortlich gemacht. “Für eine grundlegende Lösung des Problems ist die enge Zusammenarbeit mit Nahrungsproduzenten und hungernden Familien unerlässlich”, sagt Christina Grünewald, Referentin für Gesundheit und Ernährung bei World Vision Deutschland. „Sie brauchen das Rüstzeug, um sich selbst durchgängig mit guter und ausreichender Nahrung versorgen zu können. Wir setzen uns auch dafür ein, die Widerstandsfähigkeit der von den Folgen des Klimawandels betroffenen Haushalte zu stärken und die Auswirkungen von Naturkatastrophen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und anderen Hilfsorganisationen zu mindern.“

World Vision hat in den in den vergangenen Jahren einen immer höheren Anteil seiner Nahrungsmittelnothilfen in den langfristigen Aufbau resilienter Strukturen investiert, also Strukturen, die die Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophen stärken sollen. Mittlerweile liegt dieser Anteil bei 30 Prozent. Zu den Projektmaßnahmen gehört die Aufforstung von Land mit Bäumen, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit sind. Sie verbessern die Bodenqualität und halten mehr Feuchtigkeit in der Erde. World Vision unterstützt zudem Regenwasserauffang-Maßnahmen, den die Regenerierung degradierter Böden, Waldfeldbau- und Wiederaufforstungsmaßnahmen sowie den Bau von Bewässerungskanälen. Außerdem fördern wir Selbsthilfeangebote, durch die die Menschen einander nachhaltigere Anbautechniken beibringen.

World Vision ist weltweit eine der größten im Bereich Lebensmittelversorgung aktiven Hilfsorganisationen. Spezialisiert auf ländliche Gebiete, erreichten wir 2013 7,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder in 33 Ländern in zum Teil extrem entlegenen Gebieten mit Maßnahmen zur akuten Ernährungssicherung.  Ein Drittel der Empfänger waren Kinder. Fast 76 Prozent der Lebensmittelunterstützung fand im Afrika südlich der Sahara statt, 13 Prozent im Mittleren und Nahen Osten, der übrige Anteil in Asien und Lateinamerika. 13 Prozent der Programme umfassten Bargeldmaßnahmen – die Empfänger konnten frei entscheiden, für welche Produkte sie Geld ausgeben wollten.

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