Einblicke in das Leben in der Mongolei: Vom Wohnen in der Jurte bis hin zum Reittier der “anderen Art”

Zu bEsuch beim Patenkind

Von Gabriele Wurzel

Vor 8 Jahre übernahm ich die Patenschaft für Odonzaya, die damals 5 Jahre alt war. Sie lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in der Region Bor Undur, ca. 330 km südwestlich von Ulaan Baatar. Über Briefe und Päckchen hielten wir die ganzen Jahre über World Vision Kontakt. Post aus der Mongolei zu bekommen hieß auch immer an der Entwicklung von Odonzaya teilzunehmen und verfolgen zu können, wie sich Odonzaya persönlich und schulisch entwickelt.

Über die Patenbriefe tauschten wir uns über Alltägliches und Familiäres aus. Ich erfuhr von ihren Hobbys, dass sie gerne singt, tanzt und Rad fährt und mit ihren Eltern und Geschwistern in einem landestypischen Ger, also einer Jurte lebt.

Ger

Die Jurte ( mongolisch: Ger) ist die traditionelle Wohnbehausung der Nomaden in der Mongolei, sowie in den benachbarten Ländern bis hinüber in die Türkei. Es handelt sich um eine zeltähnliche Konstruktion aus einem Holzgerüst mit einer Eindeckung aus Wollfilz.

Sie kennt inzwischen aus Bildern und Beschreibungen meine Töchter, Freunde, Großeltern und kann sich ein Bild von unserer Lebenssituation machen. Mein großer Wunsch war es schon lange, Odonzaya und ihre Familie persönlich kennenzulernen. Als im Januar diesen Jahres feststand, dass im August eine Patenreise in die Mongolei stattfindet und ich dabei sein würde, war meine Vorfreude riesig. Monatelang lief ich freudestrahlend durch die Welt und erzählte jedem von meinem Abenteuer, an der Rundreise mit Patenbesuch teilzunehmen. Mit 26 Teilnehmern, 2 Reiseleiterinnen, einer mongolischen Übersetzerin und Fahrern machten wir uns von Ulaan Baatar auf in ein Ger-Camp in den Bergen und von dort nach Bor Undur, 330 km südöstlich von Ulaan Baatar.

Knapp die Hälfte der mongolischen Gesamtbevölkerung, rund 1.318.100 Menschen, lebt in der mongolischen Hauptstadt. Der Rest lebt als Nomaden in den Weiten der Mongolei.

Knapp die Hälfte der mongolischen Gesamtbevölkerung, rund 1.318.100 Menschen, lebt in der mongolischen Hauptstadt. Der Rest lebt als Nomaden in den Weiten der Mongolei und wacht über seine Herden.

Die Übernachtung in einer Jurte, die wunderbare Berglandschaft und die Fahrt bis nach Bor Undur waren bereits ein Erlebnis. Dort angekommen wurden wir vor der dortigen Schule von über 50 mongolischen Kindern in farbenprächtigen Trachten empfangen, was ein unbeschreiblich bewegender Anblick war. Das Strahlen und die Erwartung in den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen, die Farbenpracht der Trachten: Die ganze Reisegruppe war überwältigt.

Nach einer Tanz- und Gesangsdarbietung der Schüler trafen wir auf unsere Patenkinder. Odonzaya saß hinter mir. Als ich mich suchend umdrehte und sie mir zurückhaltend zuwinkte, ging mir das Herz auf. Ihre Mutter nickte mir freundlich zu, was mir gleichfalls bestätigte, dass es gut war, diese Reise angetreten zu haben. Schulleiter, Bezirksleiter und weitere offizielle Vertreter begrüßten uns und alle Paten wurden mit ihren Patenkindern nach vorne gebeten. Odonzaya ging auf mich zu und nahm meine Hand – unser erstes gemeinsames Zusammentreffen war ein Erfolg.

Nachdem der offizielle Teil beendet war, erwartete uns eine Nomadenfamilie mit ihren wunderschönen, gepflegten Kamelen und Ziegen mitten im Nirgendwo. Vertreter von Stadt und Bezirk trugen ihre mongolischen Gewänder und hatten außerdem in einer extra für uns aufgebauten Jurte mongolische Speisen aufgetischt. Hammel, gegorene Stutenmilch und Obst fehlten genauso wenig wie der Schnupftabak als Willkommensgeste. Die Patenkinder konnten unter verschiedenen Aktivitäten auswählen. Odonzaya suchte sich das Kamelreiten als Aktion mit ihrer Patin aus und so saßen wir beide das erste Mal auf einem dieser Tiere.

Kamelreiten

Fazit unserer Patin: Kamelreiten ist toll!

Das war eine sehr lustige Aktion. Wieder nach Bor Undur zurückgekommen, konnten wir uns während eines gemeinsamen Essens austauschen. Es wurden beiderseits Fragen beantwortet, Fotos bestaunt, Familienkonstellationen erklärt und die jeweiligen Beweggründe bei World Vision teilzunehmen, besprochen. Die nächsten Briefe und Bilder werden mit Sicherheit weniger förmlich sein und die Erinnerungen an das gemeinsam Erlebte werden zu einem nachhaltigen Kontakt beitragen.

Ich danke den Organisatoren von World Vision in Deutschland und der Mongolei sowie unserer überaus engagierten Reiseleiterin Heike für die wundervollen und wertvollen Momente und Erlebnisse mit den Kindern und während der Rundreise. Wir fühlten uns überall willkommen, konnten persönliche Kontakte knüpfen und uns ein Bild über die von World Vision durchgeführten Projekte machen. Besonders beeindruckten mich der Besuch in einem von World Vision unterstützten Nomadenkindergarten und die Lebenssituation in den Randgebieten von Ulaan Baatar. Ein von World Vision unterstütztes Gesundheitszentrum, das dort Anlaufstelle für ca. 10.000 Bewohner ist, wie auch die Wasserversorgung der Haushalte über Wassertanks führten mir vor Augen, welchen Luxus wir in Deutschland genießen.

Es ist ein gutes Gefühl vor Ort feststellen zu können, dass die von uns Paten aus Deutschland geleistete Unterstützung von World Vision in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kommunen zielgerichtet eingesetzt wird und dort ankommt, wo sie benötigt wird.

berg

Dieses Foto zeigt eine – für die Mongolen – kleine heiligen Berg aus Steinen (Owoo genannt), der in deren Tradition dreimal umrundet werden muss, um Glück und Segen zu spenden.

Information für alle Interessierten an einer Patengruppenreise:

Falls auch Sie an einer Teilnahme interessiert sind, steht Ihnen unser Team vom Paten- und Spenderservice unter der E-Mail-Adresse info@worldvision.de  oder sehr gerne auch telefonisch zur Verfügung:
Kostenfreies Servicetelefon:
Tel.: 0800 – 0 10 20 22
Mo.-Fr. von 8:00 bis 20:00 Uhr

Unterstützen auch Sie unsere Arbeit und werden Sie World Vision-Pate:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

Hier erfahren Sie, was eine Kinderpatenschaft ausmacht!

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft-was-eine-kinder-patenschaft-ausmacht.php

5 Kommentare

  1. Dem Bericht können wir als Teilnehmer der Patenreise nur aus vollem Herzen zustimmen. Die Reise war sehr informativ, spannend und abwechslungsreich, sehr gut organisiert, bisweilen anstrengend und abenteuerlich, vor allem aber bewegend durch das Zusammentreffen mit dem Patenkind. Wir hoffen, dass durch solch einmalige Erlebnisse immer mehr Menschen angespornt werden können, eine Patenschaft zu übernehmen und damit gezielt zur Entwicklung lokaler Projekte beizutragen. Vielen Dank an World Vision für die tolle Arbeit, die Ihr vor Ort leistet, euer Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe ist wirklich beeindruckend. Weiter so und vielen Dank !
    Alfons und Bernadette Velz-Palm, Belgien

  2. Lutz Birke, 13. Januar 2015

    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Tolle Idee, das Ganze als Patenreise mit anderen Paten gemeinsam zu veranstalten. Da mein Patenkind ebenfalls in der Mongolei wohnt und mich das Land sowieso interessiert, kann ich mir selbst eine solche Reise auch irgendwann einmal vorstellen.
    Lutz Birke

  3. Uwe Kubier, 13. Januar 2015

    Vielen Dank für diesen Bericht. Wir planen für 2016 einen Besuch bei unserem Patenkind. Das wird mit Sicherheit spannend. Vor allem auch für unsere Tochter, die nur ein wenig jünger als unser Patenkind ist.

  4. Julia, 12. Mai 2015

    Ein toller Bericht, schön zu hören, daß die Gelder auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Dennoch käme es für mich nicht in Frage, das Patenkind zu besuchen. Alle Nebenkosten mitgerechnet, kommt man sicher auf Kosten von ca. 5000,- Euro pro Teilnehmer, die man für eine solche Reise aufbringen muss. Damit könnte man ein weiteres Kind fast 14 Jahre sinnvoll unterstützen. Oder zwei Kinder für sieben Jahre, oder vierzehn Kinder für ein wichtiges Jahr …..da man in der Regel ja auch mit Partner fährt, verdoppelt sich das Ganze noch. Wenn man sowieso vor hat, das Land zu bereisen, ist es natürlich etwas anderes, ich gebe es einfach mal so zu bedenken.

  5. Gabi.Wurzel@freenet.de, 15. April 2016

    Hallo Julia,
    danke für den Kommentar. Der finanzielle Aufwand lässt sich nicht leugnen, aber ich glaube er ist alleine deshalb gerechtfertigt, wenn das Patenkind einen Motivationsschub dadurch erhält. Aus dem Besuch haben Odonzaya, ihre Mutter und auch ich neue Eindrücke und Erkenntnisse gewonnen und den persönlichen Kontakt vertieft. Mein Patenkind hat inzwischen Fremdsprachen zu ihrem Lieblingsfach erkoren! Außerdem hat der Patenbesuch viele Schul-, Kindergartenkindern und Erwachsenen “angesprochen”, die wir in der Mongolei kennenlernen durften.

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