10 Jahre nach dem Tsunami: Vom Touristen-Maler zum Hoffnungsmaler für die Kinder

Asanka in einer seiner Malklassen, die er ehrenamtlich am Wochenende betreut. Er unterrichtet vor allem Kinder aus armen Familien in seiner Umgebung in Ost-Sri Lanka. Foto: Ilana Rose/ World Vision

Nach der Tsunami-Katastrophe mussten Hilfsorganisationen zwar viele Probleme gleichzeitig anpacken, aber World Vision behielt dabei die Bedürfnisse der Kinder fest im Blick. In 200 Kinderzentren gaben engagierte lokale Sozialarbeiter, Lehrerinnen und auch Künstler wie Asanka aus Sri Lanka traumatisierten und obdachlos gewordenen Kindern Halt im Chaos. Eine im November durchgeführte Befragung junger Frauen und Männer aus Indonesien, Sri Lanka und Indien hat ergeben, dass die Lernangebote und gemeinsamen Freizeitaktivitäten den damals 8-14jährigen am meisten halfen, neuen Mut zu finden und die Katastrophe positiv zu verarbeiten. Noch heute profitieren außerdem benachteiligte Kinder etwa aus Sri Lanka davon, dass die Arbeit in den Kinderzentren den Maler Asanka nachhaltig geprägt hat.

Seit er Farben erkennen konnte, war Asanka fasziniert von ihnen. Seine frühesten Malversuche machte er als Kind zuhause mit Kreide auf einer kleinen Tafel. Er wurde größer und seine Leidenschaft auch. Und vieles in seiner Umgebung reizte ihn zum Malen. “Jedes Bild, das ich sah, versuchte ich zu malen – ob es der Elefant auf einer Streichholzschachtel war ode irgendein Bild auf einem weggeworfenenen Stück Papier”, beschreibt er mit einem jungenhaften Lächeln Erinnerungen an seine Kindheit. “Ich habe sogar im Abfall Papier mit Bildern gesucht.”

“Meine Mutter hätte mich gerne unterstützt, konnte mir aber keine Stifte oder Zeichenpapier kaufen. Nachdem wir unseren Vater verloren, hatte sie schon große Mühe, unsere zehnköpfige Familie zuhause mit ihrem kleinen Geschäft zu ernähren. Daher habe ich anfangs mit einer Mischung aus Kohle, Matsch und Wasser meine Bilder bunt gemacht, aber wenn das Wasser trocknete,fiel die Farbe ab von meinem Bild. So experimientierte ich mit Kleber und mit Resten hart gewordener Farbe in gefundenen Dosen, die ich mit Kerosin-Öl wieder flüssig machte.”

Portrait-Zeichnungen gehören zu den Spezialitäten des Malers. Man sieht auf dem Bild, dass diese Jugendlichen schon einiges von Asanka gelernt haben.

Portrait-Zeichnungen gehören zu den Spezialitäten des Malers. Man sieht auf dem Bild, dass diese Jugendlichen schon einiges von Asanka gelernt haben.

Als 10jähriger wurde Asanka zum ersten Mal für ein Bild bezahlt: ein Namensschild für einen kleinen Laden. Mit 13 verließ er wegen der Schwierigkeiten zuhause die Schule und entschied sich für den Versuch, mit gemalten Bildern Geld zu verdienen.

Tsunami-Welle riss alle Bilder und das Einkommen mit weg

2004 hatte Asanka bereits einen kleinen Shop an einem Touristenstrand, in dem er seine Bilder ausstellte und verkaufte. Er fand damit sein Auskommen. “Als die Tsunami-Wellen kamen, hatte ich Bilder im Wert von ungefähr 600.000 Rs. In meiner Gallerie und darunter auch einige meiner bisher besten Bilder. Alles wurde fortgespült. Ich war sehr traurig, aber als ich sah, dass große Hotels zerstört waren, Menschen ihre Häuser und einige sogar geliebte Menschen verloren hatten, erschien mir mein Verlust doch sehr klein”, sagt Asanka. “Ich beschloss, dass ich wieder neu anfangen und auch anderen helfen würde.”

Der plötzliche Tod seiner älteren Schwester, an der er sehr gehangen hatte, erschütterte seinen Vorsatz einige Wochen später. Er musste selbst erst einmal neuen Halt finden. Unterdessen kamen Mitarbeiter von World Vision in die für obdachlose Tsunami-Opfer errichteten Notlager um zu helfen und hielten auch Ausschau nach geeigneten Personen, die in einem Kinderschutzzentrum mit Kindern malen und basteln könnten. Asanka wurde von einem Freund gedrängt, sich dort zu melden. “Ich weiß noch, dass ich ziemlich desorientiert ausgesehen haben muss, als ich zum World Vision-Büro ging – mit unfrisiertem Haar, unordentlich hängendem T-Shirt – und ich sprach auch kaum ein Wort während des Interviews. Der Mitarbeiter sschaute mich besorgt an, stellte mich aber trotzdem ein. Bis heute ist es mir ein Rätsel, warum er mich nicht nach dem Äußeren beurteilte, sondern mir eine Chance gab. Aber das war auch der erste Schritt zu meiner Rückkehr ins Leben und zu meiner persönlichen Weiterentwicklung.”

“Meine Einstellung zu Kindern hat sich durch die Zusammenarbeit verändert”

Asanka arbeitete also in den World Vision-Kinderzentren und half den Kindern, ihre Ängste, ihre Trauer und ihre Hoffnungen in Bildern und Kunst auszudrücken. Er initiierte auch die “Sithuvili Siththam” (Gedankenbilder) Kunstausstellung, die mehr als 300 Bilder vom Tsunami-betroffener Kinder in dem Distrikt zeigte. Auch in den Kinderzentren in Aceh stellten Künstler ihre Zeit und ihre Fähigkeiten für die therapeutische Betreuung von Kindern aus schwer getroffenen Familien zur Verfügung.

“Die Zusammenarbeit mit World Vision hat mich verändert”, sagt der heute 38jährige Maler. “Ich beobachtete, wie die Mitarbeiter mit Kinder umgingen und lernte von ihnen. Bisher hatte ich Kinder immer nur als Schüler wahrgenommen, aber jetzt bekam ich eine tiefere Verbindung zu ihnen und meine Einstellung zu Kindern begann sich zu verändern. Ich empfand dann auch meine Aufgabe, mit verletzlichen Kindern zu arbeiten und ihnen etwas beizubringen nicht mehr als neutrales Thema, sondern als eine Form künstlerischen Ausdrucks. “

Asankas Freude an der Zusammenarbeit mit Kindern führt ihn auch heute, ein Jahrzehnt später, noch zu Besuchen bei sehr armen Schulen in verschiedenen Distrikten, in denen er dann kostenlosen Malunterricht anbietet. Auch Waisenhäusern und Kindern mit Behinderungen bietet er in seiner Freizeit seine Dienste an. Als einzigen Lohn akzeptiert er Schulmaterialien, die er dann an sehr arme Kinder weiter geben kann.

Er malt natürlich auch für sich und verdient seinen Lebensunterhalt wieder mit dem Verkauf seiner Bilder. Er kann inzwischen einiges dafür verlangen, den er Asanka hat Preise bei Landeswettbewerben als bester Künstler in verschiedenen Kategorien von Wasserfarben-, Öl- und Pastelkreidenmalerei gewonnen, auch als Schnellmaler von Portraits. Trotzdem liegt ihm Verschwendung von Farben immer noch fern. “die erste Staffelei bekam ich von einem World Vision-Kollegen und die benutze ich immer noch”, sagt der Künstler lachend.

 

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