Der Tsunami brachte mich zu World Vision

Die Erinnerung an die große Flutwelle von 2004 ist noch sehr präsent, auch wenn man in den meisten Orten kaum noch spuren der gewaltigen Zerstörungen von damals findet. Ein Kind aus Thailand fertigte in einem der World Vision-Kinderbetreuungszentren damals diese Zeichnung ihrer Erlebnisse an.

Vor 10 Jahren löste ein Seebeben der Stärke 9 im Indischen Ozean die große Tsunami-Flutwelle aus, der nach Schätzungen rund 230.000 Menschen zum Opfer fielen. Die Welle löste viele Tragödien, aber auch weltweite eine große Hilfsbereitschaft aus. World Vision war zeitweise mit über 2.600 Mitarbeitern im Einsatz, um Kinder, Familien und Dorfgemeinschaften bei der Bewältigung der Katastrophe zu unterstützen. In unserem Serien-Rückblick lassen Helfer und betroffene Menschen die Ereignisse und Entwicklungen der letzten Jahre Revue passieren. Den Anfang macht die frühere Geschäftsfrau und heutige World Vision-Mitarbeiterin Boonsri aus Thailand.

Boonsri Noomu arbeitete in Bangkok, als die Tsunami-Katastrophe am 2. Weihnachtstag 2004 über die Touristenstrände und etliche Dörfer an Thailands Südwest-Küste hereinbrach. Sie kam nach Phuket, um ihrer verletzten Schwester zu helfen. Einige Monate Später leitete sie bereits Wiederaufbauprojekte in drei btroffenen Distrikten. Auch heute noch, 10 Jahre später, arbeitet sie bei World Vision und ist den damals hilfesuchenden Menschen verbunden geblieben.

Boonsri Noonmu (35) aus Thailand hat ihren Job in der Wirtschaft nach der Tsunami-Katastrophe vor 10 Jahren an den Nagel gehängt und leitet seither Hilfsprojekte von World Vision in der Nähe von Phuket. Foto: Albert Yu

Boonsri Noonmu (35) aus Thailand hat ihren Job in der Wirtschaft nach der Tsunami-Katastrophe vor 10 Jahren an den Nagel gehängt und leitet seither Hilfsprojekte von World Vision in der Nähe von Phuket. Foto: Albert Yu

„Es muss Schicksal gewesen sein. Ich arbeitete in einem angesehenen internationalen Unternehmen, als ich die Nachrichten von dem Tsunami hörte. Ich war geschockt, da meine Familie  in Phuket lebt. Besonders um meinen Bruder, der als Tauchführer für Touristen arbeitete, machte ich mir Sorgen. Ich rief an und erfuhr erleichtert, dass es meinem Bruder gut ging, aber meine Schwester hatte etwas hart an den Beinen getroffen. Eben saß sie noch und im nächsten Moment wurde sie vom Wasser ins Meer gespült. Zum Glück wurde sie im Wasser gesehen und ein Boot rettete sie. Ich beschloss zu ihr zu reisen, denn sie konnte kaum laufen wegen ihrer Verletzungen.

In Phuket traf ich einen Freund, der für World Vision arbeitete, und er erzählte mir, dass World Vision Leute für tsunami-Hilfsprojekte anstellen wollte.  Im Juni 2005 bekam ich die Aufgabe, den Bau von Notunterkünften in drei Regionen zu leiten. Ich habe außerdem dann noch mehrere Projekte zur Einkommenförderung beaufsichtigt.

Es war anfangs nicht leicht, in einer zu 99 Prozent muslimischen Gemeinschaft zu arbeiten. Viele zögerten mit World Vision zusammen zu arbeiten, weil sie dachten, dass eine christlichen Organisation on ihnen eine Aufgabe ihres Glaubens verlangen würde.  Es dauerte ein wenig, bis wir ihr Vertrauen gewonnen hatten und sie verstanden, dass mit Menschen unabhänig von ihrem Glauben zusammen arbeiten.

Wir kamen uns zuerst durch die Kinder näher. World Vision unterstützte zum Beispiel durch Lernmaterialien und Schuluniformen ihre rasche Rückkehr in die Schulen. Auch richteten wir Räume für Freizeitaktivitäten ein und machten dort Angebote für die Kinder, die zunächst nur von einigen, dann aber immer mehr Kindern genutzt wurden. Die Eltern begannen unsere Unterstützung zu schätzen und kooperierten dann auch bei anderen Projekten. Schließlich behandelten sie mich wie ein Mitglied ihrer Gemeinschaft und für mich gehören sie auch zu meiner Familie.

Das gewachsene persönliche Verhältnis zu diesen Menschen hat mich dazu motiviert zu bleiben. Ich arbeite immer noch in der Region und bin glücklich zu sehen, dass die Projekte, die wir damals miteinander umgesetzt haben, bis heute von Nutzen sind für die Menschen. Der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft ist nach meiner Beobachtung auch gewachsen. Die Tsunami-Wellen haben zwar meine Schwester verletzt, und das tut mir weh, aber sie haben auch viel Gutes in mein Leben gebracht.

Boonsri unterstützte nach dem Tsunami unter anderem den Aufbau der Gemüsefarm von Kamonporn Pinnasak (51, rechts im Bild zusammen mit seiner Frau). Kamonporn konnte nach dem Tsunami nicht mehr Muscheln und Krabben züchten und verlor ein weiteres Einkommen als Künstler. Ihm blieb nur die Gemüsefarm, und World Vision half dem hart arbeitenden Familienvater durch Training und ein Bewässerungssystem, diese zu einem rentablen Unternehmen zu entwickeln. Foto: Albert Yu

Boonsri unterstützte nach dem Tsunami unter anderem den Aufbau der Gemüsefarm von Kamonporn Pinnasak (51, rechts im Bild zusammen mit seiner Frau). Kamonporn konnte nach dem Tsunami nicht mehr Muscheln und Krabben züchten und verlor ein weiteres Einkommen als Künstler. Ihm blieb nur die Gemüsefarm, und World Vision half dem hart arbeitenden Familienvater durch Training und ein Bewässerungssystem, diese zu einem rentablen Unternehmen zu entwickeln. Foto: Albert Yu

 

 

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