Impfungen retten Leben: Von gesunden Kindern und freiwilligen Helferinnen in Mauretanien

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Impfungen retten Kinderleben, denn sie schützen wirkungsvoll und kostengünstig vor Krankheiten wie Polio, Hepatitis und Lungenentzündung. Schlimm: Bis heute haben 20 Prozent der Kinder weltweit keinen Zugang dazu. Das soll sich ändern! World Vision ist Mitglied der Impfallianz Gavi, die Ende Januar auf einer Geberkonferenz in Berlin erneut Milliarden für Impfungen in den ärmsten Ländern der Welt einsammeln will. Auch in unserer Projektarbeit spielt das Thema eine wichtige Rolle. In vielen Gebieten haben Familien häufig kaum Zugang zu Impfungen. Dort bauen wir Gesundheitszentren mit auf, schulen die Bevölkerung und bilden freiwillige Impfbotschafter aus. Ein Beispiel aus Mauretanien.

Im Gesundheitszentrum des Stadtteils Arafat in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott im gleichnamigen Projektgebiet in Mauretanien herrscht dichtes Gedränge. Heute ist Impftag, Kinder können sich kostenlos gegen Masern immunisieren lassen. Mütter stehen Schlange in dem hell getünchten Gebäude. Ein paar Kinder lachen, einige blicken besorgt nach drinnen, wo die Gesundheitshelferin die Spritzen am Impfstoff aus der Kühlbox füllt.

Impfen ist im Gesundheiszentrum heute Frauensache (Foto: World Vision)

Impfen ist im Gesundheiszentrum heute Frauensache (Foto: World Vision)

Auch Zenebou Mint Ahmed ist da. Die Mutter von Fatimetou Mint Sidi Mahmoud, einem neunjährigen Mädchen und World Vision-Patenkind, ist Mitglied eines Komitees von 70 Freiwilligen. Die Frauen wurden in den 14 Dorfzentren, die World Vision hier im Projektgebiet mit aufgebaut hat, zu Impfbotschafterinnen ausgebildet. “Die Impfung bewahrt und schützt uns vor Krankheiten”, sagt Fatimetou voller Überzeugung. “Wenn ich ein Kind impfe, ermögliche ich ihm einen guten Start ins Leben.”

Wirbt in ihrem Dorf für die Vorteile von Impfungen: Zenebou Minnt Ahmed (Foto: World Vision)

Wirbt in ihrem Dorf für die Vorteile von Impfungen: Zenebou Mint Ahmed (Foto: World Vision)

So dachten lange nicht viele in Arafat. Noch vor wenigen Jahren wusste hier kaum jemand Bescheid über die Möglichkeiten, sich vor lebensgefährlichen Krankheiten zu schützen. Die Bevölkerung hatte auch keinen Zugang dazu – es fehlte an Personal und Einrichtungen. Die Impfraten waren so gering, dass die mauretanische Regierung 2014 ein gewaltiges Masern- und Polioimpfprogramm anschob und gemeinsam mit Partnern wie World Vision umsetzte.

Warten vor der Gesundheitsstation: Die Impfbereitschaft ist durch Information deutlich gestiegen (Foto: World Vision)

Warten auf die Spritze: Die Impfbereitschaft in Arafat II ist durch Information deutlich gestiegen (Foto: World Vision)

World Vision bildete Mütter als Multiplikatoren aus, machte sie in kostenlosen Schulungen zu informierten Botschafterinnen. “Die siebzig freiwilligen Helferinnen spielen eine enorm wichtige Rolle, denn sie mobilisieren, sensibilisieren, animieren andere Mütter und nehmen sie an die Hand, ihre Kinder in großem Maßstab impfen zu lassen”, berichtet Klethima Tamboura, die hier als Hebamme arbeitet. “Sie sind unentbehrlich, wenn es um die Umsetzung der Impfkampagne geht: Sie arbeiten nicht nur effizient und persönlich engagiert, sondern verfügen auch über sehr genaues Wissen über die sozialen Zusammenhänge in ihrer Gemeinde. Vorher hatten die Leute Angst vor Impfungen, aber durch das Wissen hat sich das Verhalten sehr zum Guten verändert”.

Auch Klethima Taboura, die Hebamme des Gesundheitszentrums, führt Impfungen durch (Foto: World Vision)

Klethima Taboura, die Hebamme des Gesundheitszentrums, führt Impfungen durch (Foto: World Vision)

“Auch die Kinder haben immer weniger Angst vor Impfungen, weil den Familien viel bewusster geworden ist, wie hilfreich sie sind und dass sie den Körper des Kinds stärken und beschützen”, sagt Fatimou. “Das alles hat den sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den unterschiedlichen Schichten in unserem Dorf sehr gestärkt.”

Wichtiger Anlaufpunkt: das neue Gesundheitszentrum (Foto: World Vision)

Wichtiger Anlaufpunkt: das neue Gesundheitszentrum (Foto: World Vision)

Ein weiterer Punkt: die Infrastruktur. World Vision half beim Aufbau und der Ausstattung der Gesundheitsstation und schulte mobiles Gesundheitspersonal. “Jetzt ist das Impfen auch deswegen einfacher geworden, weil es so nah stattfindet – wir müssen nur in die nächste Schule oder Gesundheitsstation gehen. Das kostet weniger als früher, als wir oft eine weite Anreise zu bezahlen hatten”, sagt Fatimou. “Die Folgen der Impfungen sieht man in den Familien. Die Eltern musste viel Geld für die Gesundheit ihrer Kinder ausgeben. Durch die kostenlose Impfung sind die häufigen Krankheiten merkbar zurückgegangen.”

Knapp 70.000 Kinder wurden in Arafat II 2014 gegen Masern und Polio geimpft – heute sind mehr als 93 Prozent aller Kinder gegen Polio und mehr als 98 Prozent gegen Masern geschützt.


Informationen über die Impfallianz Gavi finden Sie hier.

 

1 Kommentar

  1. Patricia F., 27. Juli 2017

    Impfprojekte wie dieses in Mauretanien sind wertvoll, denn sie können ganze Gebiete vor Epidemien schützen. Kinderkrankheiten die in Deutschland, nach jahrelanger Präventionsarbeit nahezu ausgestorben sind, kosten vielen Kindern auf der ganzen Welt das Leben.
    Die Ausbildung von einheimischen Impfhelferinnen scheint es möglich zu machen eine große Bevölkerungsgruppe anzusprechen und die Vorteile von Impfungen nicht nur aus der Sicht der Fremden zu hören, die kommen impfen und wieder verschwinden, sondern im Kontext des eigenen Lebensalltags.
    Gelder für Impfprojekte auszugeben ist eben so wichtig wie Beispielsweise Gelder für den Aufbau von Schulen. Denn wenn Kinder nicht gesund sind können sie auch nicht zur Schule gehen.
    Derzeit ist bei Impfprogrammen auch an die vielen Flüchtlingslager zu denken in denen sich Infektionskrankheiten sehr schnell verbreiten.
    Unverständlich in diesem Zusammenhang sind die aufkommenden Debatten, in unserer Wohlstandsgesellschaft, in Deutschland ob und gegen was Kinder geimpft werden müssen.

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