Sauberes Örtchen in Ghana: “Jetzt werden unsere Kinder nicht mehr ständig krank”

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“Ich bin stolz auf mein Dorf, weil wir jetzt im ganzen Land als “saubere Gemeinde” bekannt sind”, sagt Atampure begeistert. So war das nicht immer in der kleinen bäuerlichen Gemeinde Atosali in der Region Oberer Osten in Ghana. Atosali war einmal die Verkörperung schlechter Hygienebedingungen.

„Wir erleichterten uns auf den Feldern, dort, wo wir in der Regenzeit unser Getreide anbauen. Es war besonders übel in der Trockenzeit, denn ohne die Deckung durch die Halme machten wir einfach dorthin, wo es gerade passte,“ gesteht Atampure.

Atampure ist fünffache Mutter und ein angesehenes Mitglied der Dorfgemeinschaft. „Es war würdelos für jeden hier. Wir konnten uns jederzeit gegenseitig dabei sehen, und das war noch nicht das Schlimmste“.

Wegen der schlechten Hygienezustände wurden die Bewohner von Atosali, besonders die Kinder, überdurchschnittlich häufig krank. Das Problem spitzte sich zu, weil es in der Gemeinde zusätzlich auch noch an Wasser fehlte. „Wir liefen zwei Kilometer bis ins Nachbardorf, um Wasser zu holen. An Tagen, an denen auch unsere Nachbarn kein Wasser hatten, mussten wir mühsame fünf Kilometer bis zum Damm gehen, bis wir dort schmutziges Wasser bekamen“, berichtet Adongo, eine andere weibliche Führungspersönlichkeit im Dorf.

Adongo und Atampure am neuen Dorfbrunnen (Foto: World VIsion Ghana)

Adongo und Atampure am neuen Dorfbrunnen (Foto: World Vision Ghana)

Durchfall und Erbrechen gehörten zum Alltag, und sie hatten keine Möglichkeit, ihr verunreinigtes Getreide zu säubern. Schmutziges Getreide mit schmutzigem Wasser zu waschen war die einzige Möglichkeit. „Unser Hygieneverhalten war ziemlich miserabel“, erklärt Adongo. „In unseren Latrinen gab es keinen Abfluss, das Wasser stand und Moskitos pflanzten sich direkt vor unserer Haustür fort.“ So sahen sich die Bewohner von Atosali einer ganzen Reihe von Gesundheitsproblemen, einem Mangel an sauberem Wasser und einem fehlenden Hygienekonzept gegenüber. Und hätten sich fast daran gewöhnt.

Doch im Oktober 2012 kam die Gemeinde mit World Vision ins Gespräch. World Vision Ghana wollte in der Region mit dem Kassen Nankana-Projekt aktiv werden. Mitarbeiter machten deshalb eine Anfangserhebung, um festzustellen, in welchen Gemeinden der Bedarf der Menschen am größten ist. Schnell lag auf der Hand, dass in Atosali dringend Handeln angesagt war. Gemeinsam mit der Bevölkerung wurde der Bedarf erfasst und ein Handlungsplan erstellt.

Zunächst wurde ein Tiefbrunnen gebohrt, um die Gemeinde mit sauberem Wasser zur versorgen. Mit dem integrierten Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Ansatz, den World Vision in vielen Projekten umsetzt, erhielt die Gemeinde ausführliche Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen. Die Dorfbewohner eigneten sich Wissen darüber an, warum es wichtig ist, sanitäre Anlagen zu nutzen und wieso  Hygieneregeln wie Händewaschen mit Seife unbedingt befolgt werden sollten. Die Bewohner von Atosali waren schnell bereit, sämtliche Möglichkeiten voll auszuschöpfen, die ihnen World-Vision bot.

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Die drei Dorfältesten sind stolz auf ihre saubere Gemeinde (Foto: World Vision Ghana)

Heute ist Atosali ein Musterbeispiel für sanitäre Entsorgung und Hygiene, nicht nur in der Region Oberer Osten, sondern im ganzen Land. „Wir haben uns als Gemeinde dazu entschieden, nach den Schulungen viele Ideen und Vorschläge von World Vision umzusetzen“, sagt Atampure bescheiden. „und wir haben sogar in unseren Gemeinderegeln festgeschrieben: Wer keine Latrine hat, kriegt auch kein Wasser. Wir nahmen an Schulungen teil, in denen es darum ging, wie wir unsere eigenen Latrinen bauen können, und weil das Material dafür vor Ort überall vorhanden ist, hatte auch niemand eine Entschuldigung dafür, das nicht zu tun.“

„Die Dorfältesten forcierten und beschlossen diese Regeln“, sagte Samson, der ebenfalls dem Ältestenrat der Dorfgemeinde und außerdem dem Wasserkomitee der Gemeinde angehört. „Wer dagegen verstieß, musste mit Strafen rechnen“.

„So vieles hat sich in unserem Dorf verändert. Jeder hält jetzt sein Zuhause und das Dorf als Ganzes sauber. Wir gehen auch in die benachbarten Dörfer und helfen den Leuten dort, ihre Umwelt zu säubern. Wir teilen unser Wissen rund um die Hygiene gerne“, sagt Atampure und klingt dabei sehr ermutigend. „Jetzt werden unsere Kinder nicht mehr ständig krank. Ich bin stolz auf mein Dorf, weil wir jetzt im ganzen Land als saubere Gemeinde gelten – und unser Abwasser ist unter der Erde.“


 

Wollen Sie noch mehr über Ghana erfahren und über die Projekte, die World Vision Deutschland dort unterstützt? Dann besuchen Sie unsere Ghana-Seite! Viele Kinder in unseren Ghana-Projekten suchen auch noch Patinnen oder Paten. 

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