Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel – besonders für die Gesundheit von Müttern und Kindern

Rutare Health Clinic - Breastfeeding

Keine Frage, der Kanzlerin ist der Start in die G7-Präsidentschaft Deutschlands gelungen. Und das dank einer großzügigen Geste: Bei ihrer Ankündigung auf der Geberkonferenz in Berlin, die Impfallianz Gavi mit 600 Millionen Euro zwischen 2016 und 2020 zu unterstützen, gab es kein Raunen im Saal, sondern ein kollektives Einatmen und dann spontanen Applaus. Doch der erfolgreiche Impfgipfel sollte Start und nicht Ende der Bemühungen Deutschlands im G7-Jahr sein.

Entgegen allen Erwartungen übertraf Deutschland unsere Forderung nach 500 fairen Millionen Euro um 20 Prozent – und das große Ziel wurde mehr als erreicht, weltweit 7,5 Milliarden Euro an Zusagen zu bekommen, um in den nächsten Jahren 300 Millionen Kinder zu impfen und dadurch etwa sechs Millionen Kindertode zu vermeiden.

Deutschlands Großzügigkeit in letzter Minute zeigt, welchen Druck sich die Kanzlerin vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau im Juni gibt – dem zweiten G7/G8-Gipfel unter Dr. Merkels Schirmherrschaft. Zu Recht wird das Thema Gesundheit breiten Raum auf der Agenda der Gruppe der sieben einflussreichen Industrienationen einnehmen. Wie das Kanzleramt schon im November ankündigte, sollen Ebola, Antimikrobielle Resistenzen, sowie vernachlässigte und armutsbedingte Krankheiten auf Schloss Elmau eine wichtige Rolle spielen.

Die Ebola-Krise in Westafrika hat uns drastisch vor Augen geführt, wie wichtig ein gut funktionierendes und robustes Gesundheitssystem für die Entwicklung eines Landes ist. Die Welt wurde aufgerüttelt durch die deutlich ausgesprochene Angst der Liberianer, die wegen Ebola um die Existenz ihres Landes fürchteten.

Krankenschwester Stelle in Malawi untersucht den kleinen Patrick, 10 Monate alt, auf Malaria-Symptome. Jedes Jahr sterben mehr als 600.000 Menschen an dieser gut behandelbaren Krankheit - die meisten davon sind Kinder (Foto: World Vision Malawi)

Krankenschwester Stelle in Malawi untersucht den kleinen Patrick, 10 Monate alt, auf Malaria-Symptome. Jedes Jahr sterben mehr als 600.000 Menschen an dieser gut behandelbaren Krankheit – die meisten davon sind Kinder (Foto: World Vision Malawi)

Umso schöner ist die erfolgreiche Auffüllung der Impfallianz Gavi und umso wichtiger ist, dass die armutsbedingten Krankheiten jetzt abgehakt werden. Das Kanzlerinnenamt ist in den letzten Wochen leider sehr schweigsam geworden, was die Pläne Deutschlands für Mutter- und Kind-Gesundheit nach dem 27. Januar betrifft.
Wird etwa ignoriert, dass Impfungen besonders Kinder profitieren lassen, aber die Müttersterblichkeit kaum senken? Schwangere, Gebärende und stillende Mütter brauchen vor allem gute Vorsorge vor, kompetente Begleitung während und schnelle Versorgung nach der Geburt – alles sind Dienstleistungen, die nur ein robustes und funktionierendes Gesundheitssystem erfüllen kann. Auch bei der Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria dürfen die Anstrengungen nicht nachlassen, sondern müssen verstärkt werden.

In der Rutare Health Clinic in Ruanda bekommen werdende und frischgebackene Mütter umfassende Gesundheitsversorgung und Informationsangebote (Foto: World Vision Ruanda)

In der Rutare Health Clinic in Ruanda bekommen werdende und frischgebackene Mütter umfassende Gesundheitsversorgung und Informationsangebote (Foto: World Vision Ruanda)

Was also könnten und sollten die G7 für armutsbedingte Krankheiten tun, was noch nicht durch Impfen abgedeckt wäre? Ganz einfach:

1. Auch den Globalen Fonds für die Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria fair finanzieren. Fair bedeutet ganz einfach entsprechend der deutschen Wirtschaftskraft. Gestern verdreifachte die Kanzlerin den deutschen Beitrag für die Impfallianz Gavi. Für den Globalen Fonds wäre nur eine Verdoppelung von 200 auf 400 Millionen Euro pro Jahr nötig!

2. Die UN-Bemühungen für die Mutter-Kind-Gesundheit auf der Entwicklungsfinanzkonferenz in Addis Abbeba großzügig finanzieren. Im Juli wird sich die Welt in Äthiopien über die Finanzierung der Weltentwicklungsziele nach 2015 beraten. Ganz oben stehen die weit verfehlten Ziele der Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit. Den G7, die schließlich 54 Prozent des Welteinkommens repräsentieren, kommt hier eine große Verantwortung zu, zu der man sich im Elmauer Abschlusskommuniqué klar bekennen sollte.

3. Ein politisches Signal an Pharmafirmen und öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen senden. Pharmafirmen sollten freiwillig Medikamentenlizenzen an Patentpools abtreten, um so insbesondere Weiterentwicklungen und kindertaugliche Formulierungen im Bereich HIV/Aids zu ermöglichen und so Menschenleben in den ärmsten Länder zu retten.

Und wer soll das alles bezahlen?
Diese Frage werden sich Manche stellen. Die Lösung ist gar nicht so schwer.

Mit der geplanten Finanztransaktionssteuer werden ab nächstem Jahr bis zu 16,7 Milliarden Euro Neueinnahmen für das Geldsäckel Deutschlands erwartet. Auch nur ein Teil dieser noch nicht verplanten neuen Gelder könnten Deutschland helfen, die so oft beschworene Vorreiterrolle in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tatsächlich Realität werden zu lassen. Es fehlt also nur eines wirklich, um den ersten mutigen Schritt der Kanzlerin gestern in einen Aufbruch in die richtige Marschrichtung zu wandeln: der politische Wille. Denn auch für sie gilt: Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel – auch für die Gesundheit und das Leben von Millionen von Kindern und Müttern in den armen Teilen der Welt.

Den Mut dazu wünschen wir ihr.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar


8 + neun =