Schule schmackhaft gemacht: Doudensky und das Schulernährungsprogramm auf Haiti

Kommentare deaktiviert
s140568-7: ‘’I have even more reasons to go to school!”

Ein Sonnenstrahl fällt auf Doudensky schmales Gesicht. Eigentlich ist der Siebenjährige viel energiegeladener als es im Moment scheint - jetzt, wo er etwas schlapp vor der Lehmhütte steht, die sein Zuhause ist. Er hat ein Anliegen, und davon möchte er erzählen.

„Ich kann’s kaum erwarten, dass die Schule wieder anfängt“, sagt er. “Dann kann ich endlich wieder jeden Tag essen”.

Doudensky geht in die zweite Klasse der evangelischen Schule in seiner Heimatstadt Cerca Cacajal in der zentralen Hochebene Haitis. In den Pausen wird den Schülern dort eine Mahlzeit serviert – dank des Welternährungsprogramms (WFP), das World Vision hier organisiert und umsetzt.

„Jede Schule, die teilnimmt, erhält Reis, Bohnen, jodiertes Salz und Pflanzenöl – durchschnittlich 165 Gramm pro Kind“, erklärt Stephania Noel, die seit vier Jahren als Koordinatorin den Bereich Schulernährung bei World Vision Haiti leitet.

„Oft ist das Essen an der Schule die einzige Mahlzeit, die ich den ganzen Tag über bekomme“, sagt Doudensky, und seine Stimme wirkt gedämpft, während er seinen Vater und die anderen Familienmitglieder anblickt, die um ihn herum sitzen.

Doudensky (links) und sein Cousin Roudens (Mitte), beide 7, mit Schwester Djepha und Vater Julien vor ihrem Zuhause (Foto: World Vision)

Oft nimmt er sein Schulessen mit nach Hause, um es zu teilen: Doudensky (links) mit seinem Cousin Roudens (Mitte), beide 7, Schwester Djepha und Vater Julien vor ihrer Lehmhütte (Foto: World Vision)

„Das macht mich sehr traurig“, gesteht Doudenskys Vater Julien. „Aber viel kann ich nicht dagegen tun“, fährt er fort und seine Augen sind voller Sorge. Julien ist heute 53. Seitdem er erwachsen ist, baut Julien Mais, Bohnen und Bananen an, um seine Familie zu ernähren. „Jetzt ist es besonders schwer“, sagt der Vater von acht Kindern. „Während der Trockenzeit ist es am schlimmsten“.

„Manchmal bewahre ich die Hälfte von meinem Schulessen auf und bringe es mit nach Hause, damit die anderen auch etwas davon abkriegen“, erklärt Doudensky, und seine 23-jährige Schwester Djepha fügt hinzu: „Hier im Dorf haben die Leute zu wenig Geld. Deshalb fehlt es auch an Essen“.

Die meisten Menschen bauen Getreide an, doch es gibt keine Bewässerung, deshalb fallen die Ernten häufig mager aus. Oder heftige Regenfälle zerstören die Ernten und führen zu  Überschwemmungen.

Die Schulernährungsprogramme sind für Gemeinden wie die, in der Doudensky und seine Familie leben, hilfreich. „Mehr Kinder als vorher melden sich in den 268 Schulen an, in denen dieses Programm angeboten wird“, sagt Stephania Noel, „und diese Kinder gehen auch mehr Jahre zur Schule als vorher“. Die Kinder werden also nicht nur besser ernährt – sie bleiben in Sachen Bildung auch gut am Ball.

Doudensky ist nicht nur wegen der Mahlzeit hoch motiviert, in die Schule zu gehen. Er hat einen Traum: „Ich will später mal katholischer Priester werden“, sagt er. Diesen  Wunsch hat er, seitdem er als kleiner Junge in der örtlichen Kirche getauft wurde. „Wenn das Gottes Wille ist, dann wünsche ich ihm sehr, dass sein Traum in Erfüllung geht“, sagt sein Vater und öffnet seine Arme.

Es wird noch ein langer Weg sein, bis Doudensky den Priesterrock tragen kann – eines Tages, vielleicht. Doch eines ist jetzt schon klar: Lesen und Schreiben fasziniert ihn. „Ich liebe die Schule“, sagt Doudensky.


Möchten Sie unsere Arbeit auf Haiti unterstützen? Auf unserer Infoseite zum Wiederaufbau auf Haiti nach dem Erdbeben 2010 finden Sie Informationen.