Verstehen, was es bedeutet, nichts zu haben

Freundschaft geschlossen: Mikiyas Sintayenu World Vision Jugendbotschafterin na Riedel (Foto: World Vision)

"Unsere “kleinen Problemchen” erscheinen im Verhältnis zu denen der Äthiopier lächerlich", findet World Vision Jugendbotschafterin Joanna Riedel. Im November reiste sie mit Jugendbotschafterin Laura Eckert und unseren Jugendreferenten Rafael und Denise nach Äthiopien - und erlebte eine Woche, die viel in ihr verändert hat.

World Vision hat uns Jugendbotschaftern die Möglichkeit gegeben, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ja, ich würde sogar behaupten, dass mir die Reise die Augen überhaupt erst richtig geöffnet hat!

Anfang Dezember sind wir für acht Tage nach Äthiopien geflogen. Dort haben wir uns die Projekte der Organisation genau angesehen. Das waren beispielsweise Schulen, Krankenstationen, Brunnen und sogar eine Brücke, die den Menschen vor Ort das Leben enorm erleichtert.

Es herrscht ein ganz anderer Lebensstil

Ein Blick in die Augen der Kinder hat mein Herz sofort berührt. Nur jemand, der diesen Menschen in die Augen gesehen hat, kann verstehen, was es wirklich bedeutet, nichts zu haben. Alle, denen ich erklärt habe, was ich als Ausländerin in Äthiopien mache, haben sich so aufrichtig und unglaublich gefreut. Sogar Fremde haben mir erklärt, dass die Organisation ihre Arbeit sehr gewissenhaft ausführt.

Was mich sehr bewegt hat, ist, dass ein paar Freiwillige ihre Zeit opfern, um die Schulen zu unterstützen. Sie werden weder von der Regierung noch von World Vision bezahlt. Allein aus Überzeugung helfen sie. “Wenn fremde Leute herkommen und Schulen, Krankenstationen und Brunnen bauen, dann sollten wir sie unterstützen, denn es sind schließlich unsere Brüder, Schwestern und Kinder, um die es geht”, erklärten sie uns.

Von dem, was ich mitbekommen habe, ist die Mentalität der Äthiopier ganz anders als bei uns. Die wöchentliche Planung, wie sie hier in Deutschland üblich ist, gibt es in Äthiopien nicht. Es herrscht ein ganz anderer Lebensstil.  Die Menschen sind viel offener und erfreuen sich auch an kleinen Dingen. Um gastfreundlich sein zu können, würden sie sich auch verschulden, wenn es sein muss.

Angekommen! ADP steht für "Area Development Projekt" - Projektgebiet (Foto: World Vision)

Angekommen! ADP steht für “Area Development Projekt” – Projektgebiet (Foto: World Vision)

Ich habe versucht, ein bisschen Amharisch und Orominya zu lernen, zwei der vielen Sprachen Äthiopiens. Von der Freude der Einheimischen war ich regelrecht überwältigt, sie waren wirklich bewegt, dass ich mir so viel Mühe gegeben habe. World Vision hat uns ermöglicht, mit ein paar Teenagern zu reden. Wie auch wir in Deutschland haben sie Wünsche und Träume. Zwei Mädchen haben uns sogar zur Fußballweltmeisterschaft gratuliert. Inmitten der Armut kam mir das so eigenartig gewöhnlich vor.

…und wir haben Bildung und Nahrung im Überfluss

Leider jedoch haben sie ohne Hilfe kaum die Chance, sich ihre Träume zu verwirklichen auch, wenn sie noch so hart arbeiten. Ich habe sogar einen Freund gewinnen können während meiner Reise. Er heißt Mikiyas Sintayenu und möchte Künstler werden. Doch hat er seinen mittleren Schulabschluss nicht bestanden und muss jetzt sehen, wie es weiter geht. Er hat mich gefragt, ob es zu Weihnachten hier in Deutschland schneit und ich meinte, dass es leider nur regnet. Er hat daraufhin voller Enthusiasmus gesagt:  “Hey, aber dafür regnet es doch!” Ich hab noch nie darüber nachgedacht, aber für andere Menschen ist Regen etwas Erfreuliches. Unsere “kleinen Problemchen” erscheinen im Verhältnis zu denen der Äthiopier lächerlich.

Zurück in Deutschland sah ich all die Dekorationen und Luxusläden und hatte einen regelrechten Kulturschock. Ich glaube, durch die Reise wurde mir klar, wie gut es uns eigentlich geht. Wir haben Bildung und Nahrung im Überfluss. Auch eine Wohnung und sanitäre Anlagen sind normal bei uns. Ich finde, dass jeder, der das nicht hat, Hilfe verdient, um es zu bekommen.

Eben diese Hilfe liefert World Vision. Die Organisation geht noch weiter und sorgt dafür, dass die Menschen sich nach und nach selbst helfen und versorgen können. Diese Entwicklung ist es, die es den Menschen ermöglicht, ein erfülltes und menschenwürdiges Leben zu führen. Es ist ein Recht, auf das wir nicht verzichten wollen, also warum lassen wir es zu, dass andere Menschen sich nicht so entwickeln können wie wir?!

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