Der Besuch meiner Patenkinder Jhon und Medalin im Oktober 2014 in Peru

PGRB

Von Edite und Bernhard Wagner

Ursprünglich wollten wir (mein Mann und ich) den Besuch der Patenkinder in unsere Rundreise mit einplanen, was aber nicht ging, weil das Reisebüro diese Gegend nicht mehr anbietet. Das war aber auch weiter kein Problem, weil das Reisebüro uns die notwendigen Tipps und Informationen natürlich nicht vorenthalten hat und uns bis auf die Zugverbindung von Huancayo nach Huancavelica die notwendigen Bustickets organisiert hat. Dazu ist zu sagen, daß man wegen der in der Vergangenheit stattgefunden Überfälle auf Busse praktisch nur das Busunternehmen Cruz del Sur ins Auge fassen kann, denn hier werden alle Passagiere kurz vor der Abfahrt mit Videokamera aufgezeichnet. Seither hat es bei diesem Busunternehmen keine Überfälle mehr gegeben.

Die Anreise

Die Projektgebiete Yauli und Acoria liegen „relativ“ – für peruanische Verhältnisse – dicht beieinander und der Ausgangspunkt, das Hotel, ist in diesem Fall Huancavelica auf ca. 3.600m Höhe. Um die ganzen Geschenke nicht unnötigerweise auf unsere Rundreise mitnehmen zu müssen, haben wir den Besuch der Patenkinder gleich an den Anfang unserer Reise gestellt und im Anschluß daran die eigentliche Rundreise begonnen. Nach unserer Ankunft in Lima um 2:00 Uhr Sonntagnacht haben wir gleich am Sonntagabend den Nachtbus nach Huancayo genommen, die Fahrt war sehr angenehm und dauerte ca. 6 Stunden.

In Huancayo liegt die Busstation knapp 10 Minuten mit dem Auto vom Bahnhof entfernt, also haben wir uns mit einem Taxi zum Bahnhof bringen lassen. Das Taxifahren in Huancayo ist nicht ganz ungefährlich und eine junge Peruanerin, die wir im Bus kennengelernt hatten, hat uns diesbezüglich unterstützt und uns einen von Cruz del Sur akreditierten Taxifahrer ausfindig gemacht, wodurch wir die Taxifahrt ohne Probleme überstanden…;-)

Die Zugfahrt von Huancayo nach Huancavelica dauerte knapp 6 Stunden und war ein kleines Abenteuer, da das Ganze doch schon einen recht „rustikalen“ Charakter aufweist (keineswegs abwertend gemeint). Der Zug startete um 6:30 und nicht einmal eine halbe Stunde später schon wehte ein sehr angenehmer Knoblauchduft durch die Waggons, weil es ein Bordrestaurant gab und hier fleißig Hühnerbrustfilets mit Reis zubereitet wurden. Diese verzehren sehr viele Fahrgäste (99% sind Einheimische), was für uns etwas ungewöhnlich ist, speziell um diese Uhrzeit. Somit hatten wir es dann auch gelassen, u.a. weil wir uns ja auf dem Weg in die Höhe befanden und man dann möglichst wenig essen soll; der Stoffwechsel in der Höhe geht deutlich langsamer vonstatten. Wir haben uns daran gehalten und hatten hier und auch später auf der Rundreise überhaupt keine Probleme bezüglich einer möglichen Höhenkrankheit.

Man hatte eine phantastische Aussicht auf die Berge, diverse Schluchten und Flüsse. Die beiden vorletzten Bahnstationen vor Huancavelica sind übrigens Acoria und Yauli. Die meiste Zeit während der Bahnfahrt hatten wir mit dem Handy keinen Empfang, erst ca. eine halbe Stunde vor Ankunft in Huancavelica wieder und dann auch sofort versucht, mit WV Kontakt aufzunehmen, was uns auch gelang. Am Telefon war Adolfo, der uns als Übersetzer (Spanisch – Englisch) während unseres ganzen Aufenthaltes zur Seite stand und uns wirklich in allen Belangen ganz hervorragend unterstützt hat. Er hat uns dann auch am Bahnhof in Huancavelica empfangen und uns zum Hotel begleitet. Dort haben wir uns dann für einen späteren Zeitpunkt am Nachmittag verabredet, um einiges  zu besprechen und um noch diverse Sachen für die Familien der Patenkinder zu organisieren.

Am späten Nachmittag sind wir dann mit Adolfo zum Markt gegangen und haben verschiedene Sachen – hauptsächlich Nahrungsmittel – für die Familien eingekauft, Adolfo hat uns dabei sehr gut beraten und uns noch geholfen, die Sachen zum Hotel zu bringen. Dort besprachen wird dann noch die Details der kommenden Tage.

Besuch von Jhon und seine Eltern im Projektgebiet Yauli

Am Dienstag hat uns Adolfo mit Cipriano, dem Fahrer, um 8 Uhr am Hotel abgeholt und wir sind zum WV-Büro in Yauli gefahren. Anfangs waren die Straßen noch geteert, später dann nicht mehr und es war schon ein wenig holprig… aber natürlich kein Problem. Nach einer guten Stunde kamen wir dann in Yauli an. Das Büro von WV in Yauli befindet gleich neben dem Bahnhof.

Hier am Eingang zum WV-Büro ein großer „Willkommens-Bahnhof“ für uns.

Hier am Eingang zum WV-Büro ein großer „Willkommens-Bahnhof“ für uns.

Adolfo hat uns zunächst mit allen, also auch mit den WV-Mitarbeitern bekannt gemacht, danach saßen wir in einer gemütlichen Runde zusammen und haben uns angeregt unterhalten. Zudem haben wir Jhon die Geschenke überreicht sowie die Vortags erstandenen Lebensmittel für die Familie. Sie haben sich sichtlich gefreut und Jhons Mutter hat uns ihrerseits einige Geschenke überreicht wie eine selber angefertigte Mütze, einen Poncho und eine Mütze für meinen Mann. Ein kurzer Regenschauer hat uns dann überrascht und wir haben uns in das Büro zurückgezogen, Tee getrunken sowie Fotos gemacht.

ffff

Gegen Mittag haben wir dann alle – natürlich auch die WV-Mitarbeiter – in ein kleines „Restaurant“ zum Essen eingeladen.

Danach haben wir zuerst die Überreste einer alten Inka-Ruine besucht:

UAsflug

Anschließend wurden wir zu einer Meerschweinchenzucht gebracht (Meerschweinchen ist eine Delikatesse in Peru).

Die Eigentümer züchten diese und verkaufen sie dann und haben dadurch eine sichere Einnahmequelle.
Die Eigentümer züchten Meerschweinchen, verkaufen sie dann und haben dadurch eine sichere Einnahmequelle.

 

Danach haben wir uns ein Bio-Gewächshaus angesehen, welches ebenfalls durch die Initiative von World Vision gebaut wurde. Der Eigentümer hat das Gewächshaus selber gebaut, mittels Lehmziegeln und einer Plane als Dach. Somit können verschiedene Salate und Gemüse auf dieser Höhe gedeihen, was im Freien unvorstellbar wäre. Er ißt selber davon und den Überschuß verkauft er.

Bio Gewähshaus

Im Anschluß daran sind wir wieder alle zurück zum World Vision-Büro nach Yauli gefahren. Dort mußten wir uns dann leider schon von Jhon und seinen Eltern verabschieden und wurden wieder zum Hotel in Huancavelica gebracht.

Zu Besuch bei unserem Patenkind Medalin und ihrem Großvater in Acoria

Am Mittwochmorgen gegen 8:30Uhr hat uns Adolfo mit Inocencio, dem Fahrer, im Hotel abgeholt und wir sind in Richtung Acoria gefahren. Nach gut 1,5 Stunden Fahrt kamen wir dann in World Vision-Büro in Acoria an – die Straßen bis hierhin waren alle geteert ;-).

So wie uns Adolfo erzählt hat, war Medalin wohl etwas aufgeregt und konnte sich nicht vorstellen, daß wir wirklich vorbeikommen, um sie zu besuchen und umso herzlicher war die Begrüßung.

Auch hier saßen wir zunächst in einer sehr lockeren Atmosphäre in kleiner Runde zusammen und haben uns ausgetauscht. Medalins Großvater ist trotz seiner Sehschwäche immer gut drauf und beide waren sehr offen (die Mutter von Medalin ist leider bereits vor 4 Jahren verstorben).

Durch die Anwesenheit der vielen Kinder haben wir Medalin die Geschenke und die Lebensmittel für die ganze Familie erst später überreicht, um keinen unnötigen Neid aufkommen zu lassen – währenddessen haben wir aber natürlich schon ein paar Süßigkeiten und Kulis verteilt.

Gruppenfoto

Gruppenfoto 2

Auch hier hat uns ein kurzer Regenguß überrascht und uns in das Büro gezwungen. Gegen Mittag sind wir dann wieder alle zum Essen in ein kleines Restaurant gefahren.

Patenkind Medalin

Nach dem Mittagessen konnten wir uns schließlich noch ein Bewässerungsprojekt ansehen . Hier gibt es eine natürliche Quelle, World Vision hat die Rohrleitung gesponsert und die Menschen haben diese Leitung dann selber im Erdreich bis zum Anbaugebiet verlegt.  Es gibt einen zuständigen Mann für die Bewässerungsanlage, d.h. er muß immer die entsprechenden „Weichen“ für die gerade zu bewässernden Flächen stellen, denn alles gleichzeitig bewässern geht nicht, weil es sich bei der Leitung lediglich um ein ca. 2“-Kunststoffrohr (geschätzt) handelt.

Bewässerungsprojekt

Im Vordergrund halbmittig ist ein Kartoffelfeld zu sehen. Durch diese Bewässerung können die Menschen mehrere Ernten im Jahr einfahren.

Danach wurden wir wieder alle zu dem Restaurant gebracht, wo wir uns von Medalin und ihrem Großvater verabschieden mußten, leider, denn es war wirklich sehr angenehm mit den beiden!

Adolfo und Inocencio haben uns noch ein paar spezielle Punkte in Huancavelica gezeigt und uns dann wieder zum Hotel gebracht, wo wir noch sehr lange miteinander gesprochen und uns letztendlich verabschiedet haben. Inocencio hat uns auch am nächsten Morgen am Hotel abgeholt und zum Bahnhof gebracht, von wo aus wir wieder nach Lima gefahren sind.

reise

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich beim gesamten World Vision-Team in Huancavelica, Yauli und Acoria, ganz speziell bei Adolfo, für den ausgesprochen freundlichen Empfang und den Support während des gesamten Aufenthaltes bedanken. Man spürt, daß die Mitarbeiter ihren Job sehr gerne verrichten und richtig Freude haben, den „Ärmsten“ der Armen ein wenig helfen zu können.

Alles in allem muß man sagen, toll, daß World Vision einem die Möglichkeit bietet, “seine”Kinder vor Ort zu besuchen und einem die dafür notwendige Unterstützung zukommen läßt. Auch wenn die Reise nach Huancavelica etwas anstrengend war, haben wir es in keinem Augenblick bereut. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt und wir würden es jederzeit wieder so machen!

Falls Sie sich auch für eine Patenschaft interessieren:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

Was eine Kinderpatenschaft ausmacht:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft-was-eine-kinder-patenschaft-ausmacht.php

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