Fanny und ihre Schätze: ein Patenkind in den Fluten von Malawi

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“Liebe Fanny, ich hoffe es geht dir gut und du bist gesund. Wie läuft die Schule? Ich bin ziemlich erschöpft, weil ich gerade meinen Uniabschluss gemacht habe. Ich bin jetzt fertig studierte Biologin”, steht auf einer Karte, die Desirée an ihr 12-jähriges Patenkind im Projektgebiet Kamwendo in Malawi geschrieben hat.

Jedes Jahr schickt World-Vision-Patin Desirée aus Deutschland Fanny mehrere Sachen – Briefe, Postkarten, kleine Geschenke. Wenn sie schreibt, dann ermutigt sie ihr Patenkind, in der Schule ihr Bestes zu geben und sich ganz auf die Bildung zu konzentrieren. Und an Weihnachten bekommt Fanny von ihrer Patin eine Weihnachtskarte und Neujahrsgrüße.

„Ich bin ganz aufgeregt, wann der nächste Brief meiner Patin ankommt. Sie ermutigt mich immer sehr, und ich fühle mich geliebt“, erklärt Fanny. Sie sagt, dass sie sich durch die Briefe und Karten mehr mit Desirée verbunden fühlt.

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Vergangene Woche war für Fanny, ihre Familie und das ganze Dorf keine gute. Denn die Gegend wurde von den Überschwemmungen getroffen, die Häuser und Farmen zerstört und hunderte Menschen in die Flucht getrieben haben. Auch Fannys Schätze hat es getroffen: „Es hat drei Tage lang heftig geregnet. Am dritten Tag kam das Dach des Hauses herunter, in dem meine Schwester und ich schlafen. Zum Glück war niemand drin! Meine Schulbücher wurden durchnässt, die sind nicht mehr zu benutzen. Auch die Karten und Briefe von meiner Patin waren ganz mit Wasser vollgesogen. Das hat mich wirklich traurig gemacht, denn ich habe diese Sachen viele Jahre lang sehr gehütet“, sagt Fanny, und ihr Lächeln verschwindet.

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Nachdem ein Teil des Hauses eingestürzt war, wurde das Mädchen mit seiner 10-jährigen Schwester Patricia in der nahegelegenen Schule untergebracht. Dort hatten 234 Menschen aus dem ganzen Dorf Zuflucht gesucht.
“Ein paar meiner durchnässten Sachen wie die Karten und Briefe meiner Patin hab ich mitgenommen. Die wollte ich unbedingt bei mir behalten“, sagt Fanny.

Zwei Tage später kehrte sie zurück. „Das erste, was ich machte, war all meine Sachen zu trocknen. Meine Schulbücher waren so durchtränkt, dass sie nicht mehr zu retten waren. Aber ich schaffte es, die meisten Karten und Briefe von Desirée zu trocknen.“

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„Etwa 2240 Familien im Kamwendo-Gebiet sind durch die Überschwemmungen betroffen“, erklärt Binwell Mtoso, der Leiter des Projekts. Binwell zufolge sind unter den Betroffenen auch 2093 Patenkinder. „Als World Vision versuchen wir erst einmal, die Familien durch die Verteilung von Mais, Bohnen und anderen Lebensmitteln zu unterstützen. Wir konnten bislang 200 Säcke Mais zu 50 Kilogramm und 20 Säcke Bohnen verteilen. Wenn die Logistik aufgebaut ist, werden wir die Verteilung ausweiten.“

Bislang sind 176 Menschen durch die Überschwemmungen ums Leben gekommen. Mehr als 300.000 Menschen können immer noch nicht nach Hause zurückkehren.

WV National Communicators - AfricaDer Autor, Wezzie Banda, berichtet für World Vision aus Malawi. Er ist derzeit in den Überschwemmungsgebieten unterwegs.


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