„Ich bin der Beschneidung entkommen – dank World Vision”

Chepturu

Chepturu ist 19 Jahre alt und geht noch zur Schule. Dafür ist sie dankbar. Nach dem Willen ihres Vaters wäre sie heute verheiratet, hätte womöglich schon mehrere Kinder - und wäre verstümmelt. Dank World Vision ist alles anders gekommen.

„Als ich 10 war, wollte mein Vater meine Schwester (12) und mich beschneiden lassen. Das ist eine Tradition in unserer Volksgruppe der Pokot. Ich danke Gott, dass wir kurz zuvor von World Vision über die Gefahren der Mädchenbeschneidung aufgeklärt wurden. Also haben wir uns geweigert und wurden von unserer Mutter unterstützt.

Mein Vater war so sauer, dass er sich scheiden ließ. Er wusste, dass er für keine Tochter jemals Vieh als Brautpreis bekommen würde. Zusammen mit meiner Mutter und meinen sieben Geschwistern sind wir bei unseren Großeltern untergekommen. Dank ihrer Hilfe kann ich zur Schule gehen. Ich will Lehrerin werden und mich dafür einsetzen, dass mehr Mädchen lernen dürfen.

Ich bin den Leuten von World Vision so dankbar, dass sie die Menschen in meiner Region über Mädchenbeschneidung aufklären! Das will ich unterstützen. Außerdem will ich, sobald ich einen Job habe, für meinen Vater Vieh kaufen, damit wir wieder eine Familie werden.“


Binta standing in front of a farm in her village_miniWelche schrecklichen Folgen eine Beschneidung haben kann, berichtet Dinta aus Mali. Hier erzählt sie von einem Albtraum, der seit 17 Jahren andauert.


World Vision arbeitet seit 2005 in der Projektregion Marigat im Nordwesten Kenias mit den Volksgruppen der Tugen, Ilchamus und Pokot zusammen. Ziel der Arbeit ist es, die Bevölkerung darüber aufzuklären, wie schädlich das Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung ist, damit es immer weniger praktiziert wird.

Singen für die Rechte von Kindern und von Menschen mit Behinderungen: Mädchen in Marigat (Foto: World Vision)

Singen für die Rechte von Kindern und von Menschen mit Behinderungen: Mädchen in Marigat (Foto: World Vision)

Da sich die Projektarbeit dem Ende zuneigt, ist es umso wichtiger, unter den Bewohnern Freiwillige zu finden, die die Aufklärungsarbeit weiterführen,
wenn sich World Vision aus der Region zurückzieht. Um die schädlichen Traditionen zu überwinden, hat World Vision bereits über 40.000 Bewohner aus Marigat und Umgebung gezielt über Mädchenbeschneidung und Frühverheiratung aufgeklärt. Darüber hinaus wurden 120 Dorfchefs und Meinungsführer sowie 2.522 Mädchen und 319 Jungen über Kinderrechte informiert. In derzeit 12 Kinderklubs an Schulen werden die Kinder außerdem dazu ermutigt, sich aktiv für ihre Rechte einzusetzen.
Beschneidungen sind Rituale, die es sinnvoll zu ersetzen gilt. World Vision hat erfolgreich alternative Feiern eingeführt, wodurch seit 2005 schon 2.341 Mädchen ihren Eintritt ins Erwachsenenleben unverletzt überstanden haben. Auch immer mehr Jungen nehmen an solchen Feiern teil und werden für das Thema sensibilisiert. So erhöht sich die Chance, dass die Mädchenbeschneidung in Zukunft weniger Anhänger in der Gesellschaft findet. Schon heute sind Männer zunehmend dazu bereit, eine Frau zu heiraten, die nicht beschnitten ist.

Ein Nein zur Beschneidung bedeutet für viele Mädchen den Rauswurf - im Internat finden sie Zuflucht und können die Schule fortsetzen (Foto: World Vision)

Ein Nein zur Beschneidung bedeutet für viele Mädchen den Rauswurf – im Internat finden sie Zuflucht und können die Schule fortsetzen (Foto: World Vision)

Zudem werden Mädchen, die von zu Hause fliehen, um der Beschneidung zu entkommen, unterstützt und bei Bedarf in Internaten untergebracht (2014: 21 Mädchen). Dazu hat World Vision seit Projektbeginn drei Schlafsäle mit 264 Betten gebaut und eingerichtet. 56 ehemaligen Beschneiderinnen hilft World Vision außerdem dabei, alternative Einkommensquellen zu finden.

 

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