Ein Traum wird wahr – Afrika wird wieder grün!

FMNR Case Study: Mogotio ADP - Jonthan Lagat

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Erde. Von hier aus machten sich die Menschen auf den Weg, die Erde zu bevölkern.

Vor etwas mehr als acht Jahren betrat ich erstmals afrikanischen Boden und war – ich weiß nicht warum – tief bewegt. Afrika ist ein magischer Kontinent.

In Malawi wollte ich mir damals zusammen mit einigen Journalisten ansehen, wie die Kinderhilfsorganisation World Vision sich um Waisenkinder kümmert.

In den Medien wird leider allzu oft negativ über Afrika berichtet. Zugegeben, es gibt viel Leid, viele Konflikte, Krankheiten und Armut. Aber es gibt auch Wundervolles zu berichten. Von Afrika aus könnte eine grüne Bewegung die Erde erfassen. Denn ein Traum wird wahr. In einigen Regionen Afrikas, in denen zuvor nur noch nackte Erde zu sehen war, wachsen wieder Wälder. Es ist daher wichtig, dass die gute Botschaft in viele Länder der Erde getragen wird.

Foto_Humbo

Trockenwälder wie hier in Humbo/Äthiopien spenden in sonnenreichen Gegenden Schatten. Dadurch ermöglichen sie den Bauern unter anderem den Anbau von Nutzpflanzen (Foto: World Vision)

 

Wald ist Leben und gerade in diesem Jahr sollten wir der Bedeutung von Wald und Bäumen größte Aufmerksamkeit widmen. Im Dezember soll in Paris eine Nachfolgevereinbarung zum Kyoto-Protokoll verabschiedet werden. In eindringlichen Appellen warnen Klimaforscher vor einer weiteren Erwärmung der Erde. Wald und Bäume können diesen Effekt umkehren. Untersuchungen haben ergeben, dass 20 bis 25% des schädlichen Kohlendioxids durch Bäume und sonstige Pflanzen umgewandelt werden kann.

Der Schutz und die Wiederaufforstung von Wäldern hat daher eine entscheidende Bedeutung für die Zukunft unserer Kinder. Denn – wenn wir die Erderwärmung nicht aufhalten –  werden unsere Kinder und Enkelkinder in einer sehr gefährlichen Welt leben. Viele Wissenschaftler sehen die Klimaveränderungen inzwischen als die größte Bedrohung der Menschheit.

In den letzten 40 Jahren sind mehr als eine Milliarde Hektar tropischer Wälder vernichtet worden. Nur noch gut ein Drittel der weltweiten Waldflächen bestehen aus Urwäldern, also Wäldern, die sich seit der letzten Eiszeit unberührt von Menschen entwickeln konnten.

Wie aus einem Zufall neue Wälder entstanden

Bald fahre ich wieder mit einigen Journalisten nach Malawi und anschließend nach Äthiopien. Wir wollen uns anschauen, was es mit der grünen Bewegung auf sich hat. Mitte April wird World Vision gemeinsam mit dem “World Agroforestry Centre” eine sogenannte „Beating Famine“ Konferenz in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, ausrichten. Auf der Konferenz werden hochkarätige Politiker, Wissenschaftler, Vertreter von Hilfsorganisationen, aber auch Bauern aus den umgebenden Ländern anwesend sein, um sich über innovative Agrarforstwirtschaft und die natürliche Wiederaufforstungmethode FMNR (farmer managed natural regeneration) zu infomieren.

Vegetable Garden and Farmer Managed Natural Regeneration

Seit mehr als 30 Jahren forscht mein Kollege Tony Rinaudo daran, wie es gelingen kann, entwaldete Regionen wieder zu begrünen und fruchtbar zu machen. Nach vielen Fehlschlägen und kurz davor alles aufzugeben, kam ihm während seiner Arbeit in Niger ein Zufall zu Hilfe. Eines Tages fuhr er durch eine Wüste und blieb mit dem Auto im Sand stecken. Um besser vorwärts zu kommen, wollte er etwas Luft aus den Autoreifen lassen und entdeckte in der Nähe viele kleine, grüne Büschel, die aus dem Boden ragten. Als er den Sand beiseite schob, stellte er fest, dass unter der Erde das Wurzelwerk eines ganzen Waldes vorhanden war. Viele Wurzeln waren noch lebendig. Diese Begegnung öffnete Tony die Augen.

Möglicherweise würde hier wieder ein neuer Wald entstehen, wenn man das Gebiet für eine Weile schützen würde, dachte er. Aber nicht der fehlende Regen oder die Haustiere, die jeden Grashalm gleich abfraßen waren das größte Problem. Schwierige Überzeugungsarbeit war nötig, damit die Bauern die Region für einige Monate in Ruhe ließen. Die Stimmung und auch das gewohnte Verhalten änderten sich, als nach einem Jahr schon gewaltige Erfolge zu sehen waren. Um den Beitrag der Bauern zu würdigen, gab Tony der natürlichen Wiederbewaldungsmethode den Namen FMNR (deutsch: von Bauern unterstützte natürliche Regeneration).

In Niger sind durch diese Methode wieder mehr als 200 Millionen Bäume gewachsen und jedes Jahr werden es mehr. Bauern, die auf ihren Feldern Bäume stehen lassen, können in manchen Jahren bis zu 100% höhere Erträge erwirtschaften. In Süd- und Nordäthiopien gibt es neue Wälder und diese sorgten sogar dafür, dass sich der Grundwasserspiegel wieder hob.

Bäume sind Leben

Die Methode hat noch einen weiteren Vorteil. Die in den Regionen beheimateten Bäume wachsen wieder. Mehr als 1000 verschiedene Baumarten gibt es in Afrika, einige davon mit phänomenalen Eigenschaften. So versorgen manche Bäume die Böden mit natürlichem Dünger, indem sie genau zu dem Zeitpunkt ihre Blätter abwerfen, wenn die Bauern mit der Aussaat beginnen. Bäume und Sträucher können die Menschen mit traditioneller Medizin versorgen, liefern rote Beeren und Wurzeln, die wichtig für die Gesundheit der Kinder sind, versorgen die Menschen mit Brennholz und Viehfutter. Wo Wald ist, ist auch Leben, denn Wildtiere kommen zurück. Vögel verbreiten über ihre Ausscheidungen wieder Samen von Nutzpflanzen. Bäume spenden Schatten und das Mikroklima ändert sich.

Tony Rinaudo hat durch FMNR dazu beigetragen, dass Millionen Hektar Land wieder genutzt werden können (Foto: World Vision)

Tony Rinaudo hat durch FMNR dazu beigetragen, dass Millionen Hektar Land wieder genutzt werden können (Foto: World Vision)

Bereits vor 3 Jahren konnte ich an der ersten Beating Famine Konferenz in Nairobi teilnehmen. Mit großer Hoffnung bin ich wieder abgereist. Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. In 18 Ländern wird die regenerative Wiederbewaldungsmethode FMNR inzwischen von World Vision unterstützt. Doch der größte Erfolg ist, dass sich die Methode unter den Bauern immer weiter rumspricht, da die Erfolge offensichtlich sind. So wird FMNR inzwischen auch in vielen Regionen umgesetzt, in denen die Hilfsorganisation nicht tätig ist.

Im Gegensatz zu dem alten Sprichwort ist nicht Schweigen Gold, sondern Reden und ausgehend von der Konferenz in Malawi sollte die gute Botschaft in die Welt hinausgetragen werden und Tausende Bauern ermutigen, ihre Wälder zu schützen und zu ihrer Regeneration bei zu tragen.


15 SAPLIP tka (3)Klimafreundliche Vielfalt gedeiht in Frauenhänden

Jennifer betreibt gemeinsam mit Khadista eine Ökofarm in Kenia und schützt bedrohte Bäume. Mehr erfahren….

Ihre Projektspende lässt Bäume wachsen und fördert den Klimaschutz in Ostafrika.
Danke für Ihre Unterstützung!


Mehr Infos:

http://fmnrhub.com.au/

www.beatingfamine.com

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sahelzone-fmnr-soll-ausbreitung-der-wueste-stoppen-a-838840.html

https://sustainabledevelopment.un.org/index.php?page=view&type=1006&menu=1348&nr=2015

 

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