“Warum hunger ich nochmal?”

P1090088

Ein Erfahrungsbericht von Denise Schmitz.

7 Uhr: Als ich mir Milch in den Kaffee schütten will, informiert mich meine 7-jährige Tochter darüber, dass „auch Milch ein Nahrungsmittel ist“. Worauf ich die Milchtüte zurück in den Kühlschrank stelle. „Kleiner Besserwisser!“

Ok, geht auch ohne. 24 Stunden verzichte ich heute zusammen mit meinen Kollegen aus dem Berliner World Vision Büro auf Nahrung, also auf feste Nahrung. Anlässlich der World Vision Jugendkampagne Hunger24. Ich habe mir vorgenommen das Geld  zu spenden, was ich an Nahrung sparen werde.

„Wir sind stolz auf dich“ sagt der Mann beim Verlassen der Wohnung. Sieh an! Fühl mich wie ein Held.

Tee, Kaffee und natürlich Wasser ist erlaubt. Viel Trinken ist wichtig.

8.30 Uhr: Im Büro ist die Stimmung sehr gut. Klar, noch ist der Blutzuckerspiegel hoch. Man ist vereint, im Bewusstsein was Gutes zu tun.  Gefrühstückt hat heute keiner. Fehlt aber auch nicht. Gut gelaunt schreiben wir uns unser Logo HUNGER 24 auf die Hände und grinsen mit glänzenden Augen und leeren Bäuchen in die Kamera.

10.30 Uhr: Meine Bananenpause nähert sich. Nee, heute nicht. Versuche mit einem Schluck Wasser das Hungergefühl runterspülen. Klappt nicht. Meine Kollegin dreht sich zu mir um: „Hast du gehört?“, fragt sie  „mein Magen knurrt. „Nee, hab ich nicht.  Was ich hab, ist Durst. Ständig“. Die euphorische Laune sickert langsam ins erste Hungertief.

12 Uhr: Kritische Zeit. Ich geh eine runde um den Block. Bleib vor dem Laden stehen in dem ich mir sonst Mittagessen kaufe. Ne, weiter gehen! Bin zappelig. Noch 19 Stunden. Kaufe mir eine exotisch aussehende Flasche Wasser im Kiosk an der Ecke. Zur Belohnung.

14 Uhr: „Aber ein Bonbon wird man wohl lutschen können“, fragt meine Kollegin mit ein bisschen Vorwurf in der Stimme. Ich gucke so streng, wie ich kann und bleibe ihr die Antwort schuldig. „Ok, ich mache uns jetzt einen ganz tollen Tee“. Super. Tee. Ich hab einen pappigen schlechten Geschmack im Mund. Darf ich ein Kaugummi kauen? Ohne Zucker? Joa.

16 Uhr: Ich hab noch nie so viel an Essen gedacht wie heute. In der Schreibtischschublade finde ich ein altes Stück Schokolade. Mit Nüssen. Ich riech dran. Warum hungere ich nochmal?

Schokolade

Ich zupfe einen Fussel von der Schokolade, lege es erst zurück in die Schublade, dann in den Müll.

17.30 Uhr: „Und wie läuft es?“ werde ich zuhause gefragt. „Läuft“ bin ich einsilbig. Bin ungesellig ohne Aussicht auf Abendbrot.

19 Uhr: Für meine Familie gibt’s Butterbrote. Keine Pizza: Nett von euch. Danke. Trotzdem: schmerzhaft appetitlich.

21 Uhr: Ich möchte jetzt bitte schnell einschlafen, um die Zeit bis zum Frühstück zu überstehen. Ich hab keine Lust mehr ans Essen zu denken. Und dann denk ich an Bifru, das Mädchen aus dem Projekt in Äthiopien. Sie gehört zu den 800 Millionen Menschen die sich nicht am nächsten Morgen wieder satt essen können. Komme mir lächerlich vor, mit meinen 24 Stunden. Kein bisschen wie ein Held.

7 Uhr Frühstück: Ich fang mal langsam mit ein bisschen Milch im Kaffee an und einem Brot mit Butter und Honig. Beiße vorsichtig ab und fange an zu kauen. „Na, Mama? Gut wieder zu essen, was?“ Auf jeden Fall!

Schreiben Sie einen Kommentar


− 8 = null