Eine Dorfchefin verteidigt das Familien-Glück

Dorfchefin

Dorfchefin Sonat weiß, dass Kinder in einer gesunden Familie am glücklichsten sind und lädt oft in ihr Haus ein, um anderen Familien zu helfen, dieses Glück zu erleben.

Der internationale Tag der Familie ist ein guter Anlass auf das besondere Glück aufmerksam zu machen, das das Leben in einer Familie ausmacht. In unserer Projektregion Tbeng Meanchey in Kambodscha schien mir dieses Glück sehr greifbar zu sein, in vielen kleinen Momenten, die ich zusammen mit meinem Kollegen Vanndeth Um mit der Kamera festgehalten habe.

Die Kinder wirkten entspannt und gingen sehr offen auf mich, die Fremde zu, ließen sich aber auch von den eigenen Spielen und Gesprächen mit Freunden nicht ablenken. Sie haben nicht viele Spielzeuge und wohnen mit ihren Eltern und Geschwistern, manchmal auch noch mit Oma und Opa,  alle in einem Raum. Trotzdem haben sie Freiräume und bekommen offenbar auch viel liebevolle Zuwendung, jedenfalls in intakten Familien.

Auch in Kambodscha hat der traditionell starke Familienhalt allerdings durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme viele Risse bekommen. Wenn eine Familie zum Beispiel kein eigenes oder nur sehr wenig eigenes Land besitzt, suchen die Eltern und älteren Kinder oft Arbeit in anderen Regionen oder im benachbarten Thailand. Dann bleiben die jüngeren Kinder wochen- und manchmal auch monatelang allein bei den Großeltern oder anderen Verwandten zurück.

Bei Sonat Ey klingelt in der Trockenzeit – wenn viele Eltern außerhalb ihres Dorfes arbeiten – häufig das Telefon. “Mich ruft dann ein Vater oder eine Mutter an, um zu fragen, wie es den eigenen Kindern geht und ob zuhause alles in Ordnung ist”, erzählt sie. Sonat hat sich ihren eigenen beiden Kindern zuliebe dafür entschieden, im Dorf zu bleiben. Und sie kämpft auch für das Glück anderer Kinder und Familien in ihrem Dorf.  Deshalb hat sie sich von World Vision im Gemüseanbau, in Tierzucht und auch zu verschiedenen Themen der Kindererziehung und Sozialarbeit schulen lassen. “Die Trainings haben meine Sicht auf unser Zusammenleben im Dorf und auch meine Persönlichkeit verändert”, sagt die charismatische junge Frau.  “Ich wage mich an Neues und traue mir zu, anderen etwas beizubringen.”

Sonat lädt oft Familien zu sich ein und diskutiert mit Eltern, wenn sie von Problemen wie häuslicher Gewalt, Alkoholmussbrauch, Vernachlässigung der Kinder oder Geldsorgen hört. Sie hat eine Frauengruppe gegründet, macht auch Hausbesuche und bringt kranke Kinder mit ihrem Motorrad zur Klinik, wenn es nötig ist. Dieses verlässliche Engagement wissen die Dorfbewohner zu schätzen und haben Sonat zur Dorfchefin gewählt, den früheren, eher untätigen Amtsinhaber abgewählt. “Manchmal muss ich aber auch streng mit Eltern sein und die Polizei einschalten, wenn Kinder zum Beispiel geschlagen oder aus der Schule geholt und zur Feldarbeit gezwungen werden, um Schulden der Eltern abzubezahlen”, sagt sie. Das komme aber jetzt viel seltener vor als früher.

1 Kommentar

  1. Bianca, 21. Mai 2015

    Dankeschön an alle dafür dass ich dabei sein konnte! Es war eine sehr schöne Zeit.
    Liebe Grüße Bianca

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