Lernen, Sparen, Investieren: Mütter in Mauretanien

Muetter

In Mauretanien haben Frauen im öffentlichen Leben mehr Freiräume als in manchen anderen islamischen Ländern. Müttern bleibt bei durchschnittlich mehr als vier Kindern natürlich wenig Zeit diese Freiräume zu nutzen. Die Gründung von Kinderzentren und Spargruppen im Projektgebiet Arafat 1 hat vielen Müttern neue Power gegeben. Länderreferentin Kerstin Koch möchte Ihnen das herausragende und auch vom Staat anerkannte Engagement dieser Frauen gerne vorstellen.

großmutter« Ich verkaufe gerne Fisch » sagt Oumoune Mint Yahya, Mitglied des Kinderzentrums Taghadoum und einer Spargruppe, die im Hof des Zentrums Lebensmittel und Fisch verkauft. «Ich habe 2 Enkel im Kinderzentrum, so kann ich jeden Tag ein Auge auf die beiden haben, und mich immer wieder davon überzeugen, dass Bildung das schönste Geschenk ist, was ich ihnen geben kann.», sagt Oumoune während sie den Fisch, der gerade frisch geliefert wurde, auf dem Tisch ausbreitet. Vor drei Jahren vertrauten ihr die Frauen des Kinderzentrums Taghadoum einen ersten Kredit in Höhe von ca. 60 € an. Das Startkapital ihres heute erfolgreichen kleinen Business!

 Kindergärten in Mauretanien sind privat finanziert

Ein so entspanntes Nebeneinander von Kinderbetreuung und Arbeit für den Lebensunterhalt gab es in Arafat 1, einem südlichen Stadtteil der mauretanischen Hauptstadt Nouakschott vor 10 Jahren noch nicht. Besonders Mütter aus den ärmeren Bevölkerungsschichten waren ständig zerrissen zwischen Familienmanagement, der beschwerlichen Haushaltsarbeit und dem Druck, Geld für die Familien zu verdienen, weil die Männer oft nur gering bezahlte oder auch keine Arbeit finden. Alleinerziehende Mütter sind in Mauretanien auch nicht selten.

1997 begann World Vision mit den Familien in Arafat  nach Lösungen zu suchen und setzte Akzente bei der Frühförderung und Betreuung von Vorschulkindern. Kindergärten werden in Mauretanien nämlich kaum oder gar nicht vom Staat gefördert und funktionieren ausschließlich über hohe Beitragsgebühren, mit denen die Einrichtung und die Gehälter finanziert werden müssen. Daher stehen diese Einrichtungen nur einer privilegierten Mittel- oder Oberschicht zu, so dass weniger als 10% der 3-6-jährigen einen solchen Kindergarten besuchen. Dahingegen sind die von World Vision initiierten Kinderzentren speziell auf bedürftige Kinder und arme Familien ausgerichtet, auch wenn sie für alle Kinder zugänglich sind. Diese Kinderzentren bieten aber mehr als eine Aufsicht für Kinder. Sie sind zum Treffpunkt und Mittelpunkt vieler Entwicklungsinitiativen in Arafat geworden.

Die Kinderzentren werden von den Eltern aus der direkten Nachbarschaft verwaltet. In der Regel liegt die Leistung in den Händen von Frauengruppen, die meisten von ihnen Mütter, die sich in einer Art Kooperative zusammengeschlossen haben.

Starke Frauen – starke Kinder

Die Frauen organisieren und verwalten die pädagogische Arbeit der Kinderzentren und betreiben Handel oder handwerkliches Gewerbe, um diese auch finanzieren zu können. Anfangs unterstützte World Vision die Frauengruppen mit einem Startkapital für ihre Geschäfte: Hiervon wurden zahlreiche Gemeindeboutiquen mit Waren des täglichen Bedarfs eröffnet. Viele Frauen färben und verkaufen Tücher, nähen, verkaufen Gemüse, Fisch oder Trinkwasser, andere verarbeiten Nahrungsmittel (wie Couscous) weiter, um sie dann zu verkaufen. Auch die Vermietung von Zelten und Stühlen für Hochzeiten oder andere Veranstaltungen können ein lukratives Geschäft in Mauretanien sein. In den letzten Jahren konnten so in Arafat I insgesamt über 1000 Frauen zu einer Erwerbsgrundlage und Selbständigkeit verholfen werden. Ein Großteil dieser Frauen sind  heute in der Lage ihre Familien eigenständig zu ernähren.


 

Marieme M’Baye (41) wurde vor 6 Jahren zur Witwe und alleinerziehenden Mutter von 6 Kindern, von denen das älteste heute 17 Jahre ist. Ihr Mann hatte kein Erbe hinterlassen, denn er war ein einfacher Arbeiter mit unregelmäßiger Beschäftigung. Seine Beerdigung verschlang ihre geringen Ersparnisse, und bald konnte Marieme ihre Kinder nicht mehr richtig ernähren, kleiden und zur Schule schicken.  Bei einem Besuch erkannten die Frauen des Kinderzentrums in ihrer Nachbarschaft ihre Notlage  und handelten schnell. Es wurde dafür gesorgt, dass die Kinder wieder zur Schule gehen konnten. Umgerechnet 120 € investierte ein Kinderzentrum  in Form einer Subvention in die Ausstattung für ein Lebensmittelgeschäft. Darüber hinaus erhielt Marieme von dem Kinderzentrum einen Kredit über 150 €, mit dem sie sich eine Fortbildung zu Verwaltung und Buchhaltung finanzieren konnte, die ihr dazu verhalf ihr Geschäft erfolgreich zu führen und zu erweitern. Heute betreibt sie neben ihrem Lebensmittelgeschäft ein Restaurant, so dass sie ihren Kinder heute eine ausgewogene Ernährung, Kleidung und eine Ausbildung ermöglichen kann.

Marieme M’Baye (41) wurde vor 6 Jahren zur Witwe und alleinerziehenden Mutter von 6 Kindern, von denen das älteste heute 17 Jahre ist. Ihr Mann hatte kein Erbe hinterlassen, denn er war ein einfacher Arbeiter mit unregelmäßiger Beschäftigung. Seine Beerdigung verschlang ihre geringen Ersparnisse, und bald konnte Marieme ihre Kinder nicht mehr richtig ernähren, kleiden und zur Schule schicken. Bei einem Besuch erkannten die Frauen des Kinderzentrums in ihrer Nachbarschaft ihre Notlage und handelten schnell. Es wurde dafür gesorgt, dass die Kinder wieder zur Schule gehen konnten. Umgerechnet 120 € investierte ein Kinderzentrum in Form einer Subvention in die Ausstattung für ein Lebensmittelgeschäft. Darüber hinaus erhielt Marieme von dem Kinderzentrum einen Kredit über 150 €, mit dem sie sich eine Fortbildung zu Verwaltung und Buchhaltung finanzieren konnte, die ihr dazu verhalf ihr Geschäft erfolgreich zu führen und zu erweitern. Heute betreibt sie neben ihrem Lebensmittelgeschäft ein Restaurant, so dass sie ihren Kinder heute eine ausgewogene Ernährung, Kleidung und eine Ausbildung ermöglichen kann.


Von den Gewinnen der Kooperativen fließt ein Anteil ins Kapital zurück, ein zweiter Anteil geht den Frauen als Gehalt zu, und der dritte Anteil dient dazu, alle anfallenden Kosten der Kinderzentren zu decken. In Arafat I gibt es mittlerweile 13 Kinderzentren. In ihnen werden Kinder im Alter von 3-6 Jahren betreut und auf die Grundschule vorbereitet. Spielen und Entfaltung der Kreativität gehört genauso zum Programm wie erste Kontakte mit Zahlen und Buchstaben. Angeboten werden auch Nachhilfeunterricht, Freizeitaktivitäten und Kinderclubs, in denen sich die Kinder für ihre Rechte stark machen. So schaffen immer mehr Kinder den Einstieg in die Schule und den Übergang in höhere Schulklassen.

Kinder_Mrt

Der Ansatz ist so erfolgreich, dass die Regierung seit 2012 das Konzept der Kinderzentren übernommen hat. So wurden mehrere dieser Zentren nach gleichem Vorbild in Nouakchott und in der Region Brakna mit staatlichen Mitteln eröffnet.

World Vision wird sich bald aus Arafat 1 zurückziehen, und ich bin zuversichtlich, dass  die Arbeit der vergangenen 16 Jahre einen erfolgreichen Grundstein für eine eigenständige Entwicklung gelegt hat. Viele der von uns unterstützten und aufgebauten Strukturen, wie Vereine und Frauengruppen, arbeiten schon seit Jahren sehr selbstständig und sind inzwischen selbst Kooperationspartner von World Vision und lokalen oder anderen Hilfsorganisationen.

Schreiben Sie einen Kommentar


× acht = 24