Benefiz-Abend in Tröglitz ermutigt zu Weltoffenheit und wirbt für Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen

Den vor dem Krieg in Syrien geflüchteten jungen Architekten Abed befragte Moderator Thorsten Hebel als krönenden Abschluss des Abends zu seiner Geschichte und seinen Hoffnungen. 

Foto: Nicky Hellfritzsch - www.freshshots.de

Tröglitz zwei Monate nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft: Bei einem Benfizabend mit internationalen Musikern hat World Vision am 1. Juni gemeinsam mit der evangelischen Kirche und Initiativen vor Ort für Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen geworben. Der Ministerpräsident Sachen-Anhalts kam auch. Ein junger Syrer, der hier als Architekt arbeiten möchte, hatte aber das letzte Wort.

Diese Woche hatte einen vielversprechenden Anfang. Dies verdanken wir dem Konzert-und Benefizabend in Tröglitz, zu dem World Vision seine Ausstellung “ich krieg’ dich – Kinder in bewaffneten Konflikten” beigesteuert hat.

Die Gemeinde Tröglitz wurde durch einen Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft an Ostern quasi über Nacht bekannt. Zwei Monate danach kamen am Montag, 1. Juni, temperamentvolle Musiker aus Nord-und Südamerika bzw aus der Karibik nach Tröglitz, um gemeinsam mit deutschen Gospelsängern und Pfarrer Matthias Keilholz für Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber hilfesuchenden Mitmenschen zu werben. Das A-Capella-Sextett “UNDIVIDED” und Soulsänger Kirk Smith aus Berlin schafften es mühelos, die über 400 Zuschauer von den Stühlen zu reißen und zum Mitsingen zu bewegen. Viel Beifall erhielt aber auch der junge syrische Architekt Arbed (oben im Titelbild), der gemeinsam mit anderen Asylsuchenden aus Hohenmölsen gekommen war und erzählte, dass er zwar wegen des Krieges in Syrien länger leben könne, aber gerne hier hart daran arbeiten wolle, als guter Architekt zu arbeiten.

Aus vollem Herzen und mit wohlkilngender Stimme sang der aus der TV-Show "Voice of Germany" bekannte Soulsänger Kirk Smith gegen Ängste an und brachte das Publikum in Feier-Stimmung. Foto: Nicky Hellfritzsch - www.freshshots.de

Aus vollem Herzen und mit wohlkilngender Stimme sang der aus der TV-Show “Voice of Germany” bekannte Soulsänger Kirk Smith gegen Ängste an und brachte das Publikum in Feier-Stimmung.
Foto: Nicky Hellfritzsch – www.freshshots.de

Dass niemand gerne seine Heimat, Familie und Freunde verlässt, konnten die Besucher anhand der Bilder und Geschichten der Ausstellung gut nachvollziehen. “Ich habe bemerkt, dass sich viele intensiv damit beschäftigt haben und die Älteren auch ihre eigenen Flucht-Erfahrungen und Bilder dazu in Beziehung gesetzt haben – das wird sicher nachwirken”, sagt Pfarrer Michael Keilholz. Ihm sei es aber auch wichtig, dass die Initiativen über Tröglitz hinaus sich ermutigt fühlen und sehen, dass sie in einem größeren Netzwerk handeln. “Dieses Ziel haben wir, glaube ich, erreicht.” Außerdem wurden über 1.800 Euro für die Flüchtlingshilfe im Kreis gespendet.

Ministerpräsident Rainer Haseloff, der anders als nach dem Brandanschlag nach eigenen Worten in positiver, zuversichtlicher Stimmung zu dem Benefizabend kam, nahm sich Zeit für Fragen und erzählte bei der Ausstellungseröffnung, dass er selbst über eine Patenschaft jahrelang ein Kind begleitet habe und dadurch viel Verständnis für Menschen gewonnen habe, die Armut und Unrecht entkommen wollte. Jeder könne mithelfen, die Ursachen für Flucht zu bekämpfen (Hunger beispielsweise durch verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln und durch die Unterstützung von Entwicklungszusammenarbeit) und jeder können in seinem Umfeld auch etwas gegen Intoleranz tun.

Christoph Waffenschmidt von World Vision lenkte den Blick auf Millionen Kinder, die zur Zeit wegen der vielen Krisen auf der Flucht sind. Persönlich aufgerüttelt habe ihn im Nordirak dieses Jahr die Begegnung mit einer jungen Mutter, die ihrem neugeborene Kind den Namen “Flüchtling” gab, weil die Flucht das Leben dieses Kindes prägen werde. “Ich möchte nicht, dass irgendeine Mutter ihr Kind so nennen muss”, betonte er auf der Bühne. Er warb auch dafür, keine künstlichen Grenzen zu ziehen zwischen Menschen, die alle ein normales Leben und sozialen Aufstieg für sich und ihre Kinder erhofften.

Die Ausstellung “ich krieg# dich – Kinder in bewaffneten Konflikten” kann noch bis Freitag im Foyer des kulturzentrums in Alt-Tröglitz besucht werden. Ende Juni ist sie dann in Leipzig zu sehen.

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