Halbwaise Morsalin kann wieder träumen

s141170-1: Fighting for education

Schon um 6 Uhr ist Arbeitsbeginn für Morsalin. Der 11jährige serviert in einem Restaurant in Nord-Bangladesch Frühstück für die Gäste und wäscht das Geschirr ab.  Zwei Stunden am Morgen und fünf Stunden am Nachmittag. Rund 50 Cent und ein wenig Essen bekommt er für seine Arbeit. Wenn er mehr Lohn verlangt, muss er mit Schlägen rechnen. Ein Skandal? Gewiss, trotzdem schon ein Fortschritt für den Halbwaisen, der sonst hungern müsste und vor zwei Jahren noch ohne Pause bis spät abends schuftete. Morsalin kann dank unseres von Spenden getragenen Bildungsprojekts für arbeitende Kinder  zumindest eine Schule besuchen und seine Mutter hat neue Hoffnung, dass er dem Elend entkommen kann. 

“Als mein Mann vor drei Jahren starb, war es nur dunkel um uns”, erzählt Morsalins Mutter Mossamida in der Wellblechhütte, in der nur noch sie beide leben. “Wir hatten keine Arbeit und nichts zu essen, da wir kein eigenes Land besitzen“, fährt die 39jährige fort. „Ich wusste nicht, was ich für meine drei hungrigen Söhne tun konnte. Ich schickte die beiden älteren zur Arbeit in ein Restaurant, aber sie verdienten dort kaum etwas, obwohl sie von früh morgends bis spät in die Nacht dort arbeiteten. Ich klopfte überall im Dorf an die Türen reicherer Leute, um andere Arbeit für sie zu finden, aber ich bekam höchstens etwas Essen. Meine Söhne begannen deshalb in der Umgebung Essen und Geld zu stehlen, und eines Tages wurden sie dafür bestraft. Danach haben sie unser Dorf verlassen.”

„Ich habe begriffen, dass nur Bildung unser Leben ändern kann und habe Morsalin, den jüngsten, daher nach Mosrot Paniya Pukur, an eine staatliche Grundschule geschickt. Er hat dort die ersten beiden Klassen besucht, aber wir waren immer noch arm und hungrif. Morsalin kam oft hungrig von der Schule und verlangte nach Dingen, die ich ihm nicht kaufen konnte. Morsalin war auch oft müde und sagte zu mir: Die Buchstaben tanzen vor meinen Augen und alles wird schwarz, bitte gib mir mehr Essen.! Deshalb verließ er die Schule und suchte sich ebenfalls einen Ganztagsjob in einem Restaurant. Er gab mir nach seinen langen Arbeitstagen das Geld, aber er war sehr müde und unglücklich.“

 Morsalin ist stolz darauf lesen zu können und ein Buch zu besitzen. Er lebt mit seiner Mutter in dieser einräumigen Wellblechhütte.

Morsalin ist stolz darauf lesen zu können und ein Buch zu besitzen. Er lebt mit seiner Mutter in dieser einräumigen Wellblechhütte.

Die Mitarbeiter des World Vision-Projekts erfuhren davon und erwirkten bei Morsalin’s Arbeitgeber die Erlaubnis für ihn, dass er vormittags eine Schule besuchen und abends früher nach Hause gehen kann. Da der Junge viel versäumt hat, wurde er in einem der 20 Bildungszentren des Projekts aufgenommen. Über 1.400 Kinder, die entweder arbeiten müssen oder nie eingeschult wurden, erhalten dort Unterricht und die Chance auf einen Anschluss an das staatliche Bildungssystem. Auch werden sie und ihre Eltern beim Sparen unterstützt. Um die Situation dieser Kinder nachhaltig zu verbessern, leisten die Mitarbeiter seit 2012 auch viel Aufklärung in den Familien und im Umfeld, kämpfen auch mit lokalen Partnern um einen besseren Schutz der Kinder – mit dem langfristigen Ziel, schwere Kinderarbeit überflüssig und Ausbeutung von Kindern unmöglich zu machen, wie es die Gesetze bereits vorsehen.

Seine Mutter begleitet ihn jeden Tag dorthin, um ihn zu motivieren und selbst auch lesen, schreiben  und rechnen zu lernen. „Wäre ich nur gebildet, so könnte ich bestimmt eine bessere Arbeit finden“, meint sie. Sie verdient als Hausmädchen sehr wenig. „Die Schule von World Vision hat mir die Augen geöffnet. Ich hoffe, dass wir es schaffen, unsere Probleme zu überwinden und meine Kinder ihre Träume verwirklichen können.“

Morsalin und seine Mutter lernen Seite an Seite im Bildungszentrum. Je 50 Kinder werden dort   in zwei Schichten unterrichtet.

Morsalin und seine Mutter lernen Seite an Seite im Bildungszentrum. Je 50 Kinder werden dort in zwei Schichten unterrichtet.

Morsalin träumt davon Arzt zu werden und armen Leuten zu helfen. “Ich will weiter lernen und arbeiten, um das zu erreichen”, sagt er tapfer, auch wenn er beim Anblick anderer Schüler schon mal daran denkt, dass er nicht arbeiten müsste, wenn sein Vater noch leben müsste. “Aber wenigstens bekomme ich jetzt gutes Essen, auch mal Fisch, habe ein paar neue Klamotten und auch einen Fußball.”  Im Bildungszentrum und auch im Restaurant sieht Morsalin, dass viele andere Kinder ähnlich hart wie er um ihre Träume kämpfen müssen.  „Suvo ist mein bester Freund. Er ist wie ich und wir arbeiten zusammen. Wir teilen unser Brot und unser Spielzeug und wenn wir Zeit haben, gehen wir an den Fluss zum Reden.“

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