Südsudan: Die Krise darf keine Katastrophe werden

Millionen Menschen im Südsudan droht eine Hungersnot

Die Kinder im jüngsten Staat der Welt kennen nur das Elend. Hunger, Durst, Gewalt, Flucht und Krankheiten prägen den Alltag im Südsudan. Und seit Anfang des Jahres wird es immer schlimmer. Denn Rebellen und Regierungssoldaten kämpfen in einigen Teilen des Landes wieder gegeneinander und die Kinder und ihre Familien stehen vor einer Hungerkatastrophe.

Lilian Mumbi hat in ihrer langjährigen Arbeit für die Nothilfe von World Vision schon vieles gesehen. Und sie kennt die Vorzeichen einer kommenden Katastrophe: Vorräte neigen sich dem Ende zu, Krankheiten treten häufiger auf – und Besserung ist nicht in Sicht: „Wir müssen jetzt beginnen, die Bedürfnisse der hungernden Menschen zu benennen und unsere Einsätze vorzubereiten“ sagt Mumbi und: „Sonst wird es noch viel schlimmer kommen.“

World-Vision-Büro verwüstet

Lilian Mumbi kommt gerade von einer Tour in den südsudanesischen Bundesstaat Upper Nile zurück. Mit einem kleinen Team hat sie die Lage der Menschen vor Ort erkundet. Allein in der Region Wau Shilluk leben 40.000 Menschen, „und alle brauchen dringend Nahrung. Außerdem kommen immer mehr Flüchtlinge aus anderen Regionen dort an. Hilfe ist dringend nötig“, sagt die Nothilfeexpertin Mumbi.
Besonders schlimm ist in der Ortschaft Melut. „Dort sind alle Häuser niedergebrannt. 50.000 Menschen sind geflohen. Auch unser Büro dort wurde verwüstet und geplündert.“

Immer wieder werden bei Kämpfen ganze Ortschaften zerstört - den Menschen bleibt nur die Flucht

Immer wieder werden bei Kämpfen Ortschaften zerstört – den Menschen bleibt nur die Flucht

Die Menschen fliehen vor den Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und Rebellen. Aus Angst um ihr Leben lassen sie unbestellte Felder zurück – auch wenn jetzt die Saatsaison beginnt.
„Damit ist auch klar, dass die Ernte zum großen Teil ausfallen wird“, erklärt Perry Mansfield von World Vision Südsudan. „Dass unser Büro in Melut geplündert wurde, wirft uns zurück – aber wir treten im Wettlauf mit der Zeit an, um den Kampf gegen Hunger und Krankheiten zu gewinnen.“
Vor allem im ölreichen Norden des Landes kämpfen Rebellen und Regierungseinheiten. In den Bundesstaaten Upper Nile und Unity hat World Vision deshalb Mitarbeiter abziehen müssen. Spezialisten aus den Bereichen Ernährung, Wasser- und Zeltversorgung werden aber dennoch versuchen, die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Verschleppt, vergewaltigt, ermordet
Insgesamt sind im Südsudan über 2 Millionen Menschen auf der Flucht. Bewaffnete Gruppen gehen mit äußerster Brutalität auch gegen Zivilisten vor, Frauen und Kinder werden verschleppt, vergewaltigt und ermordet. Dörfer werden geplündert und niedergebrannt. Aus Angst sind viele Menschen in weitentfernte Buschlandregionen geflohen.

World Vision unterstützt die Opfer mit Essen und medizinischer Versorgung

World Vision unterstützt die Opfer mit Essen und medizinischer Versorgung

Nach einem gemeinsamen Bericht von UN und Hilfsorganisationen werden wegen der zu erwartenden Ernteausfälle mehr als viereinhalb Millionen Menschen auf Hilfslieferungen angewiesen sein. Seit dem Beginn des Krieges im Dezember 2013 hat World Vision über 600.000 Menschen mit Nahrung, Wasser und weiteren Hilfsgütern versorgt. Die Hilfe aber muss immer wieder unterbrochen werden – weil die Gewalt auch vor Mitarbeitern von Hilfsorganisationen nicht halt macht.

Zivile Opfer versorgen
Perry Mansfield und seine Kollegin Llian Mumbi fordern deshalb: „Wenn die Kriegsparteien im Südsudan schon nicht die Waffen schweigen lassen können, müssen sie zumindest garantieren, dass wir die zivilen Opfer ungefährdet versorgen können.“ Damit aus einer großen Krise nicht eine noch größere Katastrophe wird.

Wenn Sie unsere Arbeit im Südsudan unterstützen möchten:

http://www.worldvision.de/spenden-katastrophenhilfe-gewalt-im-suedsudan.php

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