Was Unternehmen gegen Kinderarbeit tun können

Was Unternehmen gegen Kinderarbeit tun können

Wenn Kinder Shrimps für Europäer pulen oder Jeans nähen müssen, sind sie Opfer von Kriminellen, aber auch Opfer vielfältiger sozialer und gesellschaftlicher Probleme. Unser Gastautor plädiert für eine Zusammenarbeit von Unternehmen und Organisationen, die an der Basis gegen die Ausbeutung von Kindern vorgehen.

s150276-5: From schoolboy to fisherboy; Asia-Pacific - World Day Against Child LabourSchlagzeilen wie diese werden oft als „alte“ Nachrichten oder Déjà-vu’s empfunden:

 “Human Rights Watch wirft europäischen Handelsgiganten diskriminierende Arbeitsbedingungen in kabodschanischen Fabriken vor, die junge Frauen ausbeuten. In irhem Bericht wirft die NGO einer der Handesketten, H&M, Kinderarbeit vor. (März 2015)

“Walmart der Nutzung von Kinderarbeit in Schrimps-Fabrik in Thailand beschuldigt“ (Juni 2013)

“Apple hat viele Fälle von Kinderarbeit in seiner Zuliefererkette entdeckt, einschließlich einer chinesischen Firma, die 74 Kinder unter 16 Jahren beschäftigte….“ (Januar 2013)

Auch nach Jahrzenten gut formulierter Strategien, politischen Maßnahmen und Kampagnen bleibt die Abschaffung (ausbeuterischer und schädlicher) Kinderarbeit eine gewaltige Herausforderung. In der Asien-Pazifik-Region arbeiten – nach Schätzungen der internationalen Arbeitsorganisation ILO – fast 78 Millionen Kinder mehr als nur nebenbei . Sie verrichten Arbeiten, die ihrer Bildung, Gesundheit, Entwicklung und künftigen Arbeitsmöglichkeiten schaden. Sie arbeiten für die Herstellung von Produkten die (auch) wir konsumieren.

Woran fehlt es? Gibt es effizientere Wege um gegen Kinderarbeit vorzugehen?
Es gibt ein wichtiges Puzzlestück, das oft vernachlässigt wird. Wir müssen mit Unternehmen zusammen arbeiten. Wenn wir auf Unternehmen zugehen, die Kinder und Jugendliche in ihren Lieferketten beschäftigen, widmen wir uns auch besser den Ursachen für Kinderarbeit.

Es gibt nicht einen goldenen Lösungsweg für alle betroffenen Kinder

Armut und fehlende soziale Sicherheit, oft auch akuter Bedarf an zusätzlichem Haushaltseinkommen, wirkt als eine der Haupt-Triebkräfte, wenn Kinder Vollzeitjobs annehmen. Wir müssen aber auch andere Faktoren ins Auge fassen – fehlenden Zugang zu ordentlichen Schulen und Kinderbetreuung etwa, Migration und fehlendes Bewusstsein der Eltern für die Risiken und Folgen der Kinderarbeit. Besondere äußere Umstände wie eine Katastrophe oder eine Finanzkrise können auch eine Rolle spielen. Das Problem ist komplex, und es gibt nicht DEN goldenen Lösungsweg.

s150276-5: From schoolboy to fisherboy; Asia-Pacific - World Day Against Child Labour

Um Kinder besser schützen zu können, müssen wir die Motivation der Arbeitgeber, die Kinder einstellen, berücksichtigen. Oft suchen Unternehmen billige Arbeitskräfte, um (im Wettbewerb mit anderen) den maximalen Profit zu bekommen. Sie nutzen die schwächere Verhandlungsmacht der Kinder, um Arbeitsbedingungen nach ihren Marktgesetzen oder Interessen durchzusetzen. Manchmal suchen sie aber auch Arbeitskräfte mit speziellen Fähigkeiten oder können in Zeiten voller Auslastung nicht schnell genug erwachsene Arbeitskräfte rekrutieren.

Aber in dieser globalisierten Wirtschaft stehen selbst verantwortungsbewusste Unternehmen vor einem ethischen Dilemma. Wie kann ein Unternehmen sich einerseits wirkungsvoll um Kinderarbeit in seiner Lieferkette kümmern und andererseits vermeiden, dass Kinder durch den Verlust an Verdienstmöglichkeiten tiefer in die Armut rutschen?

Kinder von Arbeitsplätzen zu entfernen, ist keine ausreichende Antwort auf die Probleme dieser Kinder. Sie sind dann vielleicht sogar gezwungen noch gefährlichere Arbeiten anzunehmen, sich zu prostituieren oder zu betteln. Man auch darf nicht vergessen, dass in vielen Fällen das Überleben einer Familie von dem Einkommen abhängt.

Während die Regierungen von Entwicklungsländern mehr in Armutsbekämpfung und soziale Sicherheitssysteme investieren müssen, sollten Unternehmen zuallererst dafür sorgen, dass internationale Standards und nationale Gesetze beachtet werden. Diese Gesetze zielen darauf ab Kinder zu schützen und akzeptable von nicht akzeptablen Arbeitsbedingungen zu unterscheiden.

Kinderrechte-Prinzipien achten – Partner für gemeinsame Verantwortung sensibilisieren

Unternehmen sollten Kinderrechte-Prinzipien achten, basierend auf ehrlichen Untersuchungen zu den Auswirkungen der Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft, in der sie tätig sind. Fortbildungen für Beschäftigte, Subunternehmer und Geschäftspartner sollten für die gemeinsame Verantwortung und Rechenschaftspflicht sensibilisieren. Verträge und Partnerschaftsabkommen sollten explizit Kinderarbeit verbieten.

Diese Broschüre von World Vision Australien enthält einige Anregungen zur Einflussnahme auf Lieferketten.

Diese Broschüre von World Vision Australien enthält einige Anregungen zur Einflussnahme auf Lieferketten.

Gegen Kinderarbeit muss man aber mit Umsicht vorgehen: Wenn beispielsweise Kinderarbeiter ihren Arbeitsplatz verlassen müssen, brauchen sie besondere Aufmerksamkeit und Hilfe, um (wieder) ein anderes Leben führen zu können. Schritte sind nötig, um diesen Jungen und Mädchen Zugang zu Schulen oder Berufsbildungsplätzen zu verschaffen, passend zu ihrem Alter und ihrer Situation.

Mit Partnern vor Ort arbeiten und Kinder an Lösungswegen beteiligen

Da Kinderarbeit so komplex ist, können Unternehmen natürlich nicht isoliert handeln. Nötig ist eine gut abgestimmte Zusammenarbeit eines großen Spektrums von Akteuren, einschließlich der Kinder und Familien, der sozialen Gemeinschaften und Kommunen, der Unternehmen und gesellschaftlicher Kräfte.  Durch Beteiligung von Kindern und Jugendlichen können praktikable und umsetzbare Lösungswege gefunden werden.

Zwar liegt die Verantwortung für die Umsetzung von Gesetzen gegen Kinderarbeit bei den nationalen Regierungen, aber eine starke Mitarbeit an der Basis ist sehr wichtig. Wenn Eltern und Kommunen davon überzeugt sind, dass es wichtig ist in die Bildung und Zukunft ihrer Kinder zu investieren, kann viel erreicht werden, selbst wenn das Thema noch hochsensibel ist.

Für eine ebenfalls wichtige und erfolgreiche Zusammenarbeit von Unternehmen mit Nichtregierungsorganisationen gegen Kinderarbeit gibt es gute Beispiele, von denen man lernen kann.

Autor Leen Decadt arbeitet für World Vision als Child Protection Regional Adviser für die Region Ost-Asien 

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie (als Unternehmen) Interesse daran haben und nachhaltig helfen möchten! Hier finden Sie die Ansprechpartner bei World Vision Deutschland.  

 

1 Kommentar

  1. steffi Wieland, 19. Oktober 2016

    was sollen wir nun tun? Wie wäre es einfach mit einem Siegel “ohne Kinderarbeit” oder so . oder sind das bereits die Fair-Siegel?
    Würde ja bedeuten, der Großteil im Supermarkt würde von Kinderarbeit stammen….

    man liest immer so Sachen durch und ist dann einfach nur hilflos =(
    wenn man nicht weiß, was man tun soll.

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