Hilfe kommt per Schiff: Operation “Pentecost” in Vanuatu

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Spitz ragt die Pentecost- Insel aus dem Wasser. Hier wollen wir knapp 20.000 Menschen Hilfe bringen, um die Folgen des Zyklon Pam zu bewältigen. Die kaum vorhandene Infrastruktur stellt uns vor große Herausforderungen.

Drei Monate nach der Wirbelsturm-Katastrophe auf der Insel Vanuatu leitet unsere krisenerfahrene Mitarbeiterin Katharina Witkowski dort einen ungewöhnlichen Hilfseinsatz: mit einem Schiff umrundet sie einen Monat lang die abgelegene Insel Pentecost, um rund 20.000 Menschen Werkzeuge und andere Hilfsgüter zu bringen. Viel Dschungel und wenige Straßen gibt es dort. In einer kleinen Serie berichten wir über ihre Erlebnisse.

Am 13. März 2015 traf der Zyklon “Pam” der Stärke 5 die im Pazifik gelegene Inselgruppe Vanuatu. Mehr als die Hälfte der Einwohner Vanuatus sind betroffen und die Winde, die mit über 250 km pro  Stunde auf die Inseln trafen,  beschädigten über 90% der Infrastruktur.

World Vision arbeitet seit über 30 Jahren in Vanuatu und konnte somit schnelle Hilfe leisten Dank der Spenden aus verschiedenen Ländern konnten wir in Zusammenarbeit mit der Regierung von Vanuatu und dem Welternährungsprogramm bereits über 30.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Mit der lokalen Organisation ACTIV als Partner haben wir auch vielen nicht geschädigten Kleinbauern tonnenweise frisches Obst und Gemüse abgekauft und dieses per Schiff auf Inseln gebracht, die von Zulieferungen abhängig sind. Durch die Verteilung von Werkzeugen und Planen konnten wir auch vielen Familien helfen ihre Häuser wieder aufzubauen und haben gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium 6.300 Kinder gegen Masern geimpft.

In einem Dorf nahe der Haupstadt Port Vila übergibt World Vision-MItarbeiter Johnny einer Frau ein Werkzeug-Set für den Wiederaufbau.

In einem Dorf nahe der Haupstadt Port Vila übergibt World Vision-MItarbeiter Johnny einer Frau ein Werkzeug-Set für den Wiederaufbau.

Heute, über 3 Monate später, ist das Gröbste überstanden und viele Gemeinden haben wieder damit begonnen Gärten anzulegen und Gemüse anzubaüen. Und dennoch geht die Arbeit für uns in Vanuatu weiter, vorallem da es noch einige Inseln gibt, die so abgelegen sind, dass sie bislang nur wenig Hilfe nach dem Zyklon erhalten haben- Pentecost ist eine von ihnen. Deshalb heißt es für mich und mein Team: auf nach Pentecost!

Ich habe bereits in vielen Krisengebieten wie Somalia, Südsudan oder dem Irak gearbeitet, aber “Zyklon Pam” in Vanuatu ist mein erster Nothilfeeinsatz nach einer Naturkatasthrophe. Es ist auch das erste Mal für mich, dass ich einen Nothilfe-Einsatz leiten werde – eine tolle Chance mit viel Verantwortung und vielen Herausforderungen.

An einem Dienstag im Juni stehe ich in unserem World Vision Büro in Port Vila, der Hauptstadt Vanuatus und schaue auf eine Karte der Insel Pentecost. Die Insel hat eine schmale, längliche Form und eine Gebirgskette durchzieht die Insel vom Norden bis an die Südspitze. Es gibt nur einige wenige “Strassen” an der Westküste, alle anderen Teile der Insel können nur zu Fuß erreicht werden. Wie schaffen wir es eine große Anzahl von Hilfsgütern auf Pentecost zu verteilen und wie können wir alle knapp 20.000 Einwohner der Insel am besten erreichen? Ein Schiff scheint die beste Lösung zu sein! Und mit dieser Idee beginnt die Planung für “Operation Pentecost”.

Auf einer Karte der Insel Pentecost hat das Team die geplanten Anlege-und Verteilstellen markiert.

Auf einer Karte der Insel Pentecost hat das Team die geplanten Anlege-und Verteilstellen markiert.

Zuerst suchen wir ein geeignetes Schiff, das einen Monat lang um die Insel reisen soll. Mit unserem Logistik Team bestelle ich dann knapp 25.000 Hilfsgüter für die 3766 Familien auf Pentecost. Vor allem  Werkzeuge werden wir verteilen- diese sind einer der wichtigsten Bestandteile eines Haushalts in Vanuatu und Familien nutzen diese um ihre Hauser aus lokalen Materialien zu baüen, Holz zu hacken, Palmenblätter zu schneiden um daraus Körbe zu flechten oder den Hausgarten anzulegen. Wir verteilen aber auch Solarlampen und Schul- und Sportmaterial für Kinder auf der Insel. Schnell habe ich mein Einsatzteam zusammengestellt und wir legen 33 Punkte auf der Insel fest, an denen unser Schiff anlegen wird.

Kurz vor der Abreise organisiere ich noch Schlafsäcke, Zelte, Taschenlampen, Trinkwasser und Lebensmittel für unser Einsatzteam,- denn auf Pentecost werden wir uns selber versorgen müssen. Am Tag vor unserer Abreise prüfe ich nochmals, ob alle Hilfsgüter auf das Schiff in Port Vila geladen worden sind. Vorher hat unser Team schon geprobt wie man eine sogenannte Verteilungsstelle aufbaut, wie wir die Familien auf Pentecost über unsere Arbeit informieren, wie die Verteilung statt finden soll und welche Dokumentation notwendig ist, um am Ende jeden Tages genau zu wissen wie viele Hilfsgüter an welche Doerfer verteilt wurden.

Am 27. Juni ist es endlich soweit. Schnell genieße ich noch eine letzte warme Dusche- immerhin wird es im kommenden Monat kein fließendes Wasser geben- und dann brechen wir endlich auf nach Pentecost.

Als wir Pentecost erreichen,  hört der Regen auf und die Insel heißt uns mit einem wunderschönem Regenbogen willkommen.

 Ein Regenbogen beschert uns eine freundliche Ankunft in Pentecost.

Ein Regenbogen beschert uns eine freundliche Ankunft in Pentecost.

Zwei Stunden dauert die Fahrt zum World Vision Büro, das in einem aus fünf Strohhütenn bestehenden Dorf eingerichtet wurde. Hier werden wir die ersten beiden Nächte verbringen Die Fahrt führt durch Kokosnussplantagen, vorbei an unberührten Stränden und immer wieder muss unser Fahrzeug Flüsse durchqueren. Ich kann mich kaum am saftigen Grün der tropischen Wälder satt sehen. Unterwegs treffen wir auf Einheimische, die uns freundlich zuwinken.

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Unsere Unterkunft im Büro ist einfach. Wir legen unsere Schlafsäcke zwischen die Schreibtische. Strom gibt es nur etwa für 3 Stunden am Tag. Zum “Duschen” muss man einen Eimer mit Regenwasser auffüllen und die Toilette ist ein kleines Latrinenhäuschen im Wald. Das alles schreckt mich nicht, aber bei der Flucht vor einer Ratte, die sich in meinen Schlafsack gesellen will, laufe ich am Abend vor einen der Schreibtsche  und haue mir das Knie grün und blau.  Jedenfalls sorge ich damit für ordentlich Gelächter und gute Stimmung im Team.

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Gute Stimmung bei Katharina Witkowski (3. v.l.) und im World Vision Team auf der Insel Pentecost.

Im nächsten Beitrag berichten wir über den ersten Einsatztag bei den Bewohnern von Pentecost.