Kinder der Dalit in Nepal: Ihre Träume werden nicht vergessen

Kinder auf dem Schulweg

Auf den schroffen, kargen Bergstraßen oberhalb der riesigen Berge des Sindhuli Distrikts im Osten von Nepal springen einem die blauen Uniformen ins Auge. Die Kinder in diesen Uniformen tragen Bücher in der Hand und sind auf dem Weg zur Schule. Dieser Weg ist nicht einfach:  Im Durchschnitt laufen Kinder etwa vier Kilometer von ihrem Haus bis zur Schule, dabei müssen sie den Dschungel auf engen, zerklüfteten Wegen durchqueren, vorbei an riesigen Felsbrocken, den Überresten von Erdrutschen, und Flüssen.

Während der Monsunzeit sind Schulwege wie diese von Erdrutschen bedroht.

Während der Monsunzeit sind Schulwege wie diese von Erdrutschen bedroht.

„Mir macht es nichts aus, einen weiten Weg zur Schule laufen zu müssen. Ich bin es längst gewohnt,“ sagt Bimala, die in die erste Klasse geht.  Das sechs Jahre alte Mädchen wohnt in Dudbhanjyang, einem abgelegenen Dorf, in dem ein Teil der Dalit-Gemeinschaft lebt. Die Dalits oder „Unberührbaren“ bilden die unterste der traditionellen hinduistischen Kasten und viele von ihnen gehörten schon vor den Erdbeben zu den Ärmsten der Armen. Trotz vieler Aufklärungskampagnen im Land werden sie oft auch immer noch diskriminiert und benachteiligt. Deshalb fördert World Vision die Kinder, Familien und Gemeinden der Region durch langfristige Entwicklungsprogramme.

Diese Frau aus Dudbhanjyangund ihr Kind haben glücklicherweise noch ein Dach über dem Kopf.

Diese Frau aus Dudbhanjyangund ihr Kind haben glücklicherweise noch ein Dach über dem Kopf.

Die schweren Erdbeben vor rund drei Monaten und viele Nachbeben haben die Ärmsten im Sindhuli-Distrikt leider nicht verschont.  Die vor allem von Reis-und Gemüseanbau lebende Gemeinschaft im Dorf Dudbhanjyang verlor einen großen Teil ihrer Hab und Guts. Die Mehrheit der Häuser, Lagerräume und auch viele Tierställe wurden zerstört. Acht Menschen starben. World Vision brachte den Dorfbewohnern als Ersthilfe Hilfsmittel wie Planen, Wasserbehälter, Solarlampen, Decken, Kanister, Schlafmatten, Moskitonetze, Hygieneartikel und Eimer.  „Wir sind dankbare für diese Hilfe. Wir fühlen uns dadurch wertgeschätzt,“ sagt Manoj Thapa, einer der Dorfbewohner in Dudbhanjyang.

Die Hoffnung der Dalit-Kinder

Wenn man den Kindern in den blauen Uniformen folgt, sieht man jedoch schnell, dass die Dalit-Gemeinschaft noch weitere Hilfen benötigt. In der Bindeyshwari-Hauptschule in Dudbhanjyang, in die mehr als 100 Kinder gehen, sind zwei von sechs Klassenräumen durch das Beben schwer beschädigt worden. Die Gutachter der Regierung, die in die Schulen geschickt worden sind, haben grüne Aufkleber für sichere Gebäude verteilt und rote Aufkleber für die beschädigten. Jetzt sind zwei Gebäude mit einer roten Markierung versehen.

Aber Unterricht ist der Dalit-Gemeinde wichtig. Deshalb haben die Lehrer zwei Klassen zusammengelegt und unterrichten auch mehrere Altersgruppen gleichzeitig.

“Es ist schwierig, aber wir müssen alles versuchen, was im Moment machbar ist,” meint der Schulleiter.  Und obwohl seit den Beben etwa 145.000 Kinder in Nepal nicht mehr in der Schule gehen, tragen die  Dalit-Kinder in Dudbhanjyang ihre Schuluniformen voller Stolz und gehen auch weiterhin zum Unterricht.

 

 Gemeinsam Plan für Wiederaufbau der Schule nach Sicherheitsstandards

World Vision hat gemeinsam mit dem Bildungsministerium überlegt, was die Kinder in diesem Dorf genau brauchen. Zusammen mit der Dorf-Gemeinschaft wurde dann ein Bildungs-Notfall-Plan erarbeitet. Die Schulklassen bekamen daraufhin Pakete mit Büchern und anderen Lernmaterialien. Auch der Schulverwaltungsrat und ein Eltern-Lehrer-Verband haben sich mittlerweile getroffen und gemeinsam beraten, wie man die Schule in Dudbhanjyang wieder aufbauen kann.

“Wir wollen sicherstellen, dass wir ein Gebäude bauen, das den Sicherheits-Standards der Regierung entspricht. Wir arbeiten gemeinsam daran, aber wir brauchen mehr Mittel,” sagt der Schulleiter.  World Vision plant, das Vorhaben zu unterstützen. Die Eigeninitiative der Dorfgemeinschaft begrüßt die Kinderhilfsorganisation sehr, denn „je stärker die Gemeinden in der Verantwortung sind, desto höher die Qualität und umso effektiver wird das Ergebnis sein,“ sagt Recedi Pathak, der Kinderschutz-Beauftragte von World Vision in Sindhuli.

Bimala und all die anderen Kinder von Dudbhanjyang haben neue Hoffnung – vielleicht lassen sich   ihre Träume, die sie vor dem Erdbeben hatten, doch noch verwirklichen. „Ich wünsche mir, dass ich die Schule abschließen und einmal Lehrerin werden kann,“ sagt Bimala.

 

Eine von 25 Notschulen, die World Vision für Kinder in betroffenen Regionen errichtet hat. An dieser Schule in Sindhupalchowk können jetzt 400 Mädchen und Jungen unterrichtet werden.

Eine von 25 Notschulen, die World Vision für Kinder in betroffenen Regionen errichtet hat. An dieser Schule in Sindhupalchowk können jetzt 400 Mädchen und Jungen unterrichtet werden.

World Vision hat für Kinder in Nepal nach dem Erdbeben bisher 25 Notschulen und 35 kinderfreundliche Räume mit Betreuungs-und Spielangeboten eingerichtet.  An mehreren beschädigten Schulen haben Reparaturarbeiten begonnen. Wir beziehen rund 50 Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, auch in unsere Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung und Hygiene ein.

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