Operation „Pentecost“ in Vanuatu – Teil 2 : Menschenkette am Strand und Sturmwarnung am Abend

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Mit einem Schiff und 25.000 Hilfsgütern an Bord ist unsere Mitarbeiterin Katharina Witkowski zur abgelegenen Insel Pentecost aufgebrochen, um die vom Zyklon geschädigten Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen und sie beim Wiederaufbau zerstörter Häuser zu unterstützen. Wie erhofft, hat sich die Nachricht von der Ankunft des Teams schnell herum gesprochen.

Unser Schiff sehen wir am ersten Morgen auf der Insel Pentecost durch einen Nebelschleier. Unser Tagesplan für den 1. Juli ist dagegen glasklar: Viele, viele Pakte müssen vom Schiff auf die Insel gebracht und an der  ersten von 33 Verteilstationen ausgegeben werden.

Die Berge von Pentecost sind in Nebel gehüllt als wir erwachen; in der Bucht wartet schon unser Schiff.

Die Berge von Pentecost sind in Nebel gehüllt als wir erwachen; in der Bucht wartet schon unser Schiff.

Wir beginnen im Süden der Insel in Pangi. Hier erwarten wir insgesamt 7 Gemeinden. Die sogenannten “Chiefs”, die Führer der Gemeinden, sind von uns vorab informiert und um Mithilfe bei der Organisation gebeten worden, damit alle am vereinbarten Tag zur Verteilungsstelle kommen – denn Handys hat kaum jemand hier. Wir müssen darauf vertrauen, dass sich die Nachricht über unser Kommen herumspricht. Und das passiert auch ganz schnell, als die ersten Leute unser Schiff sehen und neugierig an den Strand kommen.

Da es keine Häfen gibt müssen wir die Hilfsgüter vom Schiff auf ein kleineres Boot laden und an den Strand bringen.

Unser kleines Boot lädt die ersten Hilfsgüter an den Strand. Diesen 10.000 l Wassertank übergeben wir an eine Schule in Pangi, damit Kinder sauberes Trinkwasser haben.

Unser kleines Boot lädt die ersten Hilfsgüter an den Strand. Diesen 10.000 l Wassertank übergeben wir an eine Schule in Pangi, damit die Kinder sauberes Trinkwasser haben.

 

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Schnell kommen Inselbewohner uns zu Hilfe und wir bilden eine Menschenkette, um die Pakete schneller auf unseren Truck laden zu können. Bald ist auch die Verteilungsstelle aufgebaut und nach und nach rufen wir jeden Familiennamen auf. Alle Dorfbewohner sind gekommen und ich bin erleichtert zu sehen, wie sehr die Familien sich über unser Team und die mitgebrachten nützlichen Sachen freuen.

 

Alle Hilfsgüter sind ausgebreitet - die Verteilung kann beginnen!

Alle Hilfsgüter sind sortiert und ausgebreitet – die Verteilung kann beginnen!

Nach 4 Stunden sind wir fertig und während uns die Dorfbewohner immer noch neugierig beobachten ( immerhin kommen nur selten Besucher nach Pentecost),  bauen wir unsere Verteilstelle wieder ab und machen uns auf den Weg in die Schule von Pangi. Hier überreichen wir dem Schuldirektor noch Hefte, Stifte, Fussbälle, Volleybälle, Bücher sowie einen Erste-Hilfe-Koffer für die Schule. Wir sehen nun in zahlreiche strahlende Kinderaugen.

Kinderaugen

 

Jeder in den Gemeinden freut sich über den Besuch von World Vision, auch der Dorfhund “Rocky”, der mich herzlich begrüsst.

Jeder in den Gemeinden freut sich über den Besuch von World Vision, auch der Dorfhund “Rocky”, der mich herzlich begrüsst.

Als unser erster Tag zu Ende geht, setzen wir uns alle erschöpft an den Strand und schauen uns den Sonnenuntergang an. Erst jetzt merken wir, das uns doch ein wenig die Arme vom Tragen der schweren Pakete wehtun und das unsere Bäuche knurren. Und dennoch sind wir zufrieden, dass der erste Tag so gut gelaufen ist.

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Es ist ein schönes Gefühl, wenn man die wochenlange Planung endlich in die Tat umsetzen kann! Und die Zufriedenheit der Gemeinden in Pangi zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

In der Nacht, die wir auf dem Fußboden einer Hütte verbringen, verdrängen die Ratten das schöne Gefühl. Sie halten uns ordentlich wach und lassen uns ahnen, dass der lange Weg vor uns noch schwierig werden kann. Wie zur Bestätigung begrüßt uns der neue Tag mit heftigem Regen.

Dennoch können wir keine Pause einlegen: Die Gemeinden warten schon auf uns und wir müssen unseren Verteilungsplan einhalten. Also werfen wir unsere Regenjacken über und auf geht es. Der Regen macht das Verladen der Hilfsgüter vom Schiff an den Strand schwer; wir versuchen alles mit grossen Planen abzudecken, damit nichts nass und eventual beschädigt wird. Auch die Einheimischen lassen sich vom Regen nicht verschrecken und freuen sich, als wir Werkzeuge, Kochutensilien und Hygienepakete verteilen.

Am frühen Abend fahren wir alle schließlich durchnässt zurück zu unserer Unterkunft. Unsere beiden Trucks bleiben immer wieder im Schlamm stecken, denn die Wege haben sich unter den heftigen Regenfällen zu schlammigen Rutschbahnen verwandelt.

Als wir am Abend alle in trockene Kleidung geschlüpft sind und heißen Tee genießen, bekomme ich einen Anruf vom Kapitän unseres Schiffs: Ein neuer Zyklon stürmt auf Vanuatu zu! Mit Schrecken erinnern sich alle Kollegen an den zerstörerischen Sturm im März und wir wissen, dass wir auf Pentecost kaum Schutz finden werden. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns wieder schlafen zu legen und auf neue Informationen am kommenden Tag zu warten. Ich krame noch schnell meinen MP3- Player aus meinem Rucksack und hoffe, dass die Musik den nächtlichen Lärm der Ratten übertönt und ich diese Nacht endlich besser schlafen kann.

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