Syrische Flüchtlinge in Serbien: Zu Fuß aus der Hölle

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Tiefe Erschöpfung gräbt sich in ihre Gesichter. Die Körper sind ausgemergelt, nach einem langen Fußmarsch durch Mazedonien haben viele keine Schuhe mehr. Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien warten in Nordserbien auf eine Möglichkeit nach Westeuropa zu gelangen. Die Versorgungslage in der Region an der ungarisch-serbischen Grenze ist katastrophal. World Vision hat deswegen eine Hilfsaktion gestartet, eine Premiere, denn die Verteilung von Hilfsgütern im eigentlich reichen Europa – das war noch nie nötig.

Mütter und Kinder am Ende ihrer Kräfte
Seit Tagen harren die Flüchtlinge in den Gebieten um die Grenzstädte Subotica und Kanjiza unter miserablen Bedingungen aus. Viele schlafen in Parks unter freiem Himmel, Sanitäranlagen gibt es nicht. Nach Behördenangaben überqueren täglich mehr als 2,000 Menschen die Grenze zwischen Mazedonien und Serbien.
„Vor allem die Kinder und ihre Mütter sind am Ende ihrer Kräfte“, sagt Aida Sunje, Katastrophenhelferin der Kinderhilfsorganisation World Vision. „Ich sah viele Menschen, die keine Schuhe mehr hatten, weil diese beim Marsch durch Mazedonien kaputt gegangen waren. Es fehlt mittlerweile an allem, besonders Windeln und andere Sanitärartikel.“

Der 10jährige Abdul hat es bis in die serbische Hauptstadt Belgrad geschafft, 2.500 Kilometer – allein. Seine Familie blieb in Syrien, sein Vater hatte nicht genug Geld, damit alle fliehen konnten und entschied, dass der Sohn es allein versuchen sollte. Abdul machte sich auf den Weg vom heimischen Gevgelija, ein Ort, der zur Hölle geworden war. Seit vier Monaten ist unterwegs, er will weiter nach Deutschland. Geh dorthin, hatte ihm sein Vater gesagt, da bist du sicher.

Großes Heimweh hat der 12jährige Achmed Ibrahim, der 20 Tage mit seinem Cousin Fadi und dessen Familie unterwegs war. Seine Eltern sind noch in Syrien. Auch sie konnten sich nur die Ausreise eines Kindes leisten. “Immer wenn er am Handy mit ihnen spricht, muss Achmed weinen”, erzählt Fadi.

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World Vision kümmert sich. Wir verteilen seit Mittwoch Hygiene-Sets, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Müttern zugeschnitten sind. Die Sets enthalten Artikel wie Zahnpflegeprodukte, Seifen und Desinfektionsmittel sowie Windeln, Shampoo und Tampons.

Katastrophenhilfe in Europa
„Diese Art von Hilfsgüterverteilung ist nicht neu für uns“, sagt Harry Donsbach, Leiter der humanitären Hilfe bei World Vision. „Neu ist aber, dass wir so einen Einsatz in Europa haben. Das zeigt auch drastisch, wie ernst die Lage mittlerweile ist.“
World Vision engagiert sich seit Jahrzehnten für Flüchtlinge aus und in Krisenländern. Wir versorgten bislang 2 Millionen Menschen aus Syrien, die nach Jordanien, Libanon, Irak und in die Türkei geflohen sind. Auch in Somalia, der Demokratischen Republik Kongo und in Südsudan unterstützt World Vision Menschen auf der Flucht vor Krieg und Hunger.

„Ohne die Unterstützung durch die Bundesregierung und die deutsche Öffentlichkeit wäre diese vielfältige Arbeit für Flüchtlinge nicht möglich“, erklärt Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. „Durch ihre Spenden ermöglichen unsere Unterstützer, dass wir Menschen möglichst noch in ihren Heimatländern oder in den Nachbarregionen helfen können.“
World Vision erhält derzeit auch aus Syrien, Libanon, Irak, Türkei und Jordanien dringende Hilfsaufrufe, beispielweise für die Versorgung mit Wasser, medizinische Hilfe, Kinderschutz und Wintervorbereitungen. Hier können Sie helfen:

https://www.worldvision.de/spenden-katastrophenhilfe-hilfe-fuer-fluechtlinge-spendenformular-fluechtlinge.php

4 Kommentare

  1. martina auth, 18. September 2015

    Liebe Mitarbeiter von world vision,
    Serbien ist nahe bei uns. In den deutschen Kellern stapeln sich Tonnen von Kleidung, Schuhen und Decken, die auf Basaren, Flohmärkten und second hand shops kaum Abnehmer finden – Deutschland ist reich. Auch die hier angekommenen Flüchtlinge kaufen offensichtlich an den o.g. Stellen kaum ein. Wäre es möglich, unter der Obhut von World Vision einen kleineren LKW mit warmer Kleidung/Schuhen nach Serbien in Ihr neues Lager an der ungarischen Grenze zu schicken?
    Ich würde mich bereiterklären, bei mir zuhause eine Sammelstelle einzurichten und die zugeschickten Dinge zu sichten/sortieren/ggf. bei Notwendigkeit auch sowie nach Größen/Bedarf sortiert zu beschriften und zu verpacken. Man könnte einen Aufruf an alle World Vision Mitarbeiter versenden mit der Bitte, bestimmte Dinge an meine Adresse zu versenden.
    Bin seit über 13 Jahren Patin bei World Vision, habe World Vision Projekte schon mit vielen hundert EURO untertützt und stehe dafür, dass ich alle zugesandten Dinge selbstverständlich nur dem genannten Verwendungszweck zukommen lassen würde. Wohne ca. 40 km nördlich der A3 bei Passau.
    Bleibt das Problem des Transportes, für das sich vielleicht andere Paten finden würden und die Frage, ob diese Art der Hilfe in das Fundraising-Konzept von world vision passt.
    Würde mich sehr über eine Antwort freuen,
    Martina Auth

  2. Nicola, 15. Oktober 2015

    Liebe Mitarbeiter von World Vision,

    ich finde den Vorschlag von Frau Auth großartig und würde diesen gern mit Sachspenden unterstützen. Wir haben Familie in Südserbien. Serbien ist ebenfalls ein armes Land, dass aber täglich sein Möglichstes tut, um die Flüchtlinge zu unterstützen, so gut es eben geht.
    Bei uns in Hamburg werden Sachspenden zZ nicht gebraucht, man habe ‘zuviele’ Spenden erhalten !

    Ich würde mich freuen, wenn World Vision den Vorschlag von Frau Auth unterstützt, und evt sogar einen LKW zur Verfügung stellt.

    Viele Grüße,
    Nicola

  3. Ruth Kaldenbach, 28. Oktober 2015

    Hallo World Vision, wird dies jetzt umgesetzt wie oben vorgeschlagen oder gibt es mittlerweile eine andere Option, wie man schnell aus Deutschland mit privater Unterstützung dort helfen kann außer natürlich zu spenden ?

  4. World Vision Dtl. e. V., 2. November 2015

    Liebe BlogleserInnen, liebe World Vision-UnterstützerInnen,

    wir danken Ihnen ganz herzlich für das großzügige Hilfsangebot über Ihre Sachspenden für Flüchtlinge, worüber wir uns freuen. Entschuldigen Sie zunächst auch die (krankheitsbedingte) verspätete Rückmeldung!

    Nun zu Ihrer o.g. Frage:

    Leider können wir Sachspenden weder selbst sammeln noch organisieren wir momentan Transporte für Sachspenden aus Deutschland. Wir prüfen natürlich konkrete Angebote sorgfältig, aber beziehen im allgemeinen Hilfsgüter in der Region, in der wir auch helfen. Dies lässt eine bedarfsorientierte Handhabung zu, je nachdem was konkret in der jeweiligen Situation benötigt wird von notleidenden Menschen. Außerdem werden lokale Märkte gestärkt.

    Nach unserem Kenntnisstand unterstützt die Humanitarian Logistics Organisation e.V. (Website unter: http://www.humanilog.org) Initiativen dieser Art und auch kleinere Organisationen, die mit Sachspenden arbeiten.

    Sehr gerne können Sie uns ansprechen, wenn Sie sich in anderer Form ehrenamtlich bei uns engagieren oder auch Geldspenden sammeln möchten, die wir den Menschen im Rahmen unserer vielfältigen Hilfsprojekte zukommen lassen.

    Informieren können Sie sich über unsere Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge in den betroffenen Regionen unter:
    http://www.worldvision.de/spenden-katastrophenhilfe-hilfe-fuer-fluechtlinge.php

    Oder auch jederzeit via unsere bundesweite Hotline 0800 – 010 20 22 oder auch auf info@worldvision.de

    Vielen Dank und herzliche Grüße vom World Vision-Blogteam

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