Katastrophen-Vorsorge zahlt sich aus: Wie sich traditionelles Wissen und moderne Technik dabei verbinden können

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Die vielen Naturkatastrophen und der Klimawandel fordern zum Umdenken heraus. Viele Länder müssen mehr Vorsorge unterstützen, als sie es bisher tun. Und sie werden mehr Erfolg damit haben, wenn sie neben moderner Technologie auch traditionelles lokales Wissen mit einbeziehen.

Während es hier gerade ungemütlich kalt und nass wird, peinigt eine endlos scheinende Trockenheit andere Regionen der Welt. Das den Pazifik erwärmende Wetterphänomen El Nino beschert vielen Ländern auch Überschwemmungen, vor denen viele Menschen fliehen müssen und denen Ernten zum Opfer fallen.

Ost-Timor erlebt mit den wechselnden Jahreszeiten häufig beides: zwischen November und April Dürre und Hitze, in der Monsunzeit dann Fluten und Erdrutsche, verbunden mit Insekten-Plagen, Krankheiten und Nahrungskrisen. Der Südpazifik-Staat im Osten des Archipels von Indonesien muss häufig auf Naturkatastrophen reagieren und viele seiner Einwohner leiden sehr darunter, da sie ohnehin am Existenzminimum leben.

In Katastrophenvorsorge muss mehr investiert werden, zumal der Klimawandel extreme Wetterbedingungen verstärken wird. Noch mehr heiße Tage, mehr Stürme und auch mehr Flutkatastrophen hat Ost-Timor in Zukunft laut Klimaforschern zu erwarten, ähnlich wie viele andere Länder und Inseln auf der Südhalbkugel. Jeder Euro, der in gute Vorsorge investiert wird, erspart viele Euro, die sonst zur Behebung von Schäden und zum Ersatz von Verlusten durch Katastrophen aufgewendet werden müssten. Das zeigt unter anderem eine von Aktion Deutschland Hilft durchgeführte Kosten-Nutzen-Analyse anhand vieler ausgewerteter Projekte.

Ost-Timor ist  noch nicht gut aufgestellt, um Naturkatastrophen zu bewältigen und ihre Auswirkungen abzumildern. Die Kommunen brauchen beispielsweise mehr Unterstützung, um Frühwarnsysteme zu etablieren. Sie müssen ihre Kommunikation und Infrastruktur verbessern, um  das Leben und die Lebensgrundlagen der Menschen zu schützen. Die Regierung arbeitet mit lokalen, nationalen und internationalen Organisationen zusammen, um diesen gewaltigen Herausforderungen zu begegnen. World Vision ist auch beteiligt.

Wie viele Völker haben die Timoresen aber auch traditionelles Wissen und bewährte Bräuche, um Katastrophen zu bewältigen. World Vision vertritt die Auffassung, dass bewährte, traditionelles Wissen ein wichtiger Baustein der Vorsorge ist. Es sollte nicht außer acht gelassen, sondern durch modernes Wissen ergänzt und durch eine gute Politik wirksam gemacht werden. Viele Völker beobachten zum Beispiel seit jeher Veränderungen in der Natur und, und sie reagieren darauf. Mit Opfergaben zur Besänftigung der Natur und mit zusätzlichen Aussaaten oder Tierverkäufen versuchen timoresische Bauern zum Beispiel traditionell die Auswirkungen von Krisen abzumildern.

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Das ungeschriebene Rechtssystem „tara bandu“ hat einiges Potential für die Vorsorge und den Umgang mit Konflikten, die bei Katastrophen enstehen. Bei den “Tara Bandu”-Versammlungen werden nämlich Regeln verhandelt und Strafen beschlossen, etwas für das  unerlaubte Fällen oder Abbrennen von Bäumen, das die Gefahr von Erdrutschen vergrößert. Projekte zur Wiederaufforstung und zum Erosionsschutz, wie sie auch World Vision in Ost-Timor unterstützt,  können also durch dieses traditionelle System nachhaltig in den Dörfern verankert werden.

s150871-17: Traditional law and practices for reducing natural disaster

Entsprechend kann auch die traditionelle Auswahl von Schutzorten in das moderne Risiko-Mapping oder das lokale Wissen über Tierverhalten in Frühwarnsysteme integriert werden. Wie wir in Nepal oder auch in Vietnam sehen können, ist oft auch Wissen vorhanden, wie man Häuser so bauen kann, dass sie Erdbeben oder Fluten überstehen. Dieses Wissen wird aber nicht (mehr) überall angewandt  Wir können dazu beitragen, es neu für jeden nutzbar zu machen.

Die Informationen zu Ost-Timor stammen von unserer Mitarbeiterin Amelia Xavier.

Weitere Artikel dazu aus anderen Ländern (in Englisch):

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