Ghana: Sparen ohne Bank und ohne Männer

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Hether ist glücklich. Nur noch eine Regenzeit müssen sie und ihre Familie in ihrer verfallenen Lehmhütte überstehen – dann wird das neue Haus fertig sein. Ein Haus mit festen Ziegeln, drei Zimmern und echten Fenstern. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen, uns so ein Haus zu bauen“, sagt die 38jährige Mutter von vier Kindern. „Aber mit Hilfe des Sparclubs haben wir das nötige Geld zusammen bekommen.“
Der Sparclub ist kein Wohltätigkeitsverein und auch kein Ableger einer Bank. Hier geht es ums Geschäft – wenn auch nicht ausschließlich. 30 Frauen und ein Mann aus Hethers Dorf in der Region Sekere haben sich vor vier Jahren zusammengeschlossen, um mit zunächst geringen Mitteln die Basis für ihre wirtschaftliche Zukunft zu legen.

Jeden Monat zahlen die Mitglieder – jeder so viel er möchte – in einen gemeinsamen Topf ein. Im Schnitt sind es etwa fünf bis zehn Euro pro Kopf. Wer finanziell ein bisschen besser dasteht, kann in eine zweite Kasse Geld spenden, aus der Vorhaben für das Gemeinwohl finanziert werden. Nach einem Jahr war bereits genug Geld in der ersten Kasse, so dass sich die Mitglieder untereinander größere Summen ausleihen konnten. Etwa, um ein kleines Geschäft zu erweitern, eine Nähmaschine anzuschaffen oder eben ein Haus zu bauen.

Die 38jährige Hether und ihr Mann können dank des Sparclubs ein neues Haus bauen

Die 38jährige Hether und ihr Mann können dank des Sparclubs ein neues Haus bauen.

„Die Summen werden für drei Monate verliehen und mit etwa 5 Prozent verzinst“, erklärt Anna Nabere, Projektmanagerin von World Vision Ghana. „Die Rückzahlungsquote ist sehr gut – schließlich kennen sich Kreditnehmer und Kreditgeber, sie sind Nachbarn und oft verwandt.”
Aber warum gehen die Sparer nicht gleich zur Bank? Eröffnen ein Konto und leihen sich Geld? Anna Nabere: „Weil das gar nicht geht, vor allem hier im ländlichen Raum. Es gibt keine Bank! Und wenn, dann würde sie über 40 Prozent Zinsen nehmen.“

Der einzige Mann im Sparclub stempelt die Beitragszahlungen ab: Ein Stempel gleich 50 Eurocent.

Der einzige Mann im Sparclub stempelt die Beitragszahlungen ab: Ein Stempel gleich 50 Eurocent. So können auch Analphabeten ihren Kontostand kontrollieren.

Die Idee vom Sparclub zieht Kreise. Inzwischen gibt es drei Clubs, alle wurden von World Vision mit Trainings in Buchhaltung unterstützt. Ein vierter ist in der Planung. Diesmal hoffen die Mitglieder auf eine Zusammenarbeit mit Vision Fund. Die Schwesterorganisation von World Vision finanziert mit Mikrokrediten unter anderem Geschäftsgründungen und könnte die schwierige Ansparphase des neuen Clubs mit einem Zuschuss beschleunigen. Die Verhandlungen laufen noch.
Aber warum sind fast ausschließlich Frauen in den Clubs? Anna Nabere schmunzelt: „Weil Männer zu ungeduldig sind! Sie wollen alles immer sofort, da dauert das Ansparen zu lange. Und Frauen sind auch zuverlässigere Schuldner. Die kommen sehr gut ohne Männer aus.“

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1 Kommentar

  1. Nathalie, 26. Juli 2017

    Dieses Beispiel zeigt ein klassisches sozialarbeiterisches Handlungsprinzip, die Hilfe zur Selbsthilfe. Ebenso macht es deutlich, wie wichtig Solidarität, Zusammenhalt und Vertrauen in einer Dorfgemeinschaft ist, um Schwierigkeiten und Engpässe überwinden zu können. Hier realisiert sich der Slogan „Gemeinsam sind wir stark!“ Leider empfinde ich, dass in unserer Gesellschaft dieser solidarische Zusammenhalt immer mehr abhandenkommt, besonders, wenn Geld im Spiel ist. Zudem besteht oftmals keine Verlässlichkeit mehr und es ist schwer Vertrauen untereinander aufzubauen. Viele schauen nach sich und ihrem persönlichen Wohlergehen. Ich denke, ein solches Projekt würde in einer deutschen Dorfgemeinschaft nicht erfolgreich enden. Bezogen auf die Mikrokredite würde mich noch interessieren, wie mit Kreditnehmern umgegangen wird, die ihre Schulden nicht zurückzahlen können.

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