Winter in der Mongolei: Wenn Wissen Überleben heißt

A Hungry, Cold School Drop Out

Die Mongolei ist ein Land der Extreme.  Unendliche Weiten, menschenleere Gegenden –  und mit Ulan Bator kann das Land die offiziell kälteste Hauptstadt der Welt (Jahresdurchschnittstemperatur minus 2 Grad) vorweisen. Die sommerlichen Temperaturen erreichen selbst in den höheren Lagen schon mal 50 Grad – und im Winter rauscht die Temperaturanzeige bis auf minus 50 Grad herunter. Vor allem wenn der Winter besonders hart und eisig ist – ein Phänomen namens Dsud. Harte Zeiten, auf die sich die Menschen in der Mongolei mit ihren Tieren Jahr für Jahr einstellen müssen.

Bayanbaatar Talkhsuren ist Hirte seit er 16 Jahre alt ist. “Den Dsud habe ich schon fünf Mal erlebt. Und meine Schafe auch – sie suchen dann stundenlang nach etwas Essbarem unter der dicken Eis- und Winterdecke.”

Oft sterben die Tiere vor Hunger, denn der Boden in den Steppen der Mongolei gibt schon in normalen Jahren nicht allzuviel her.

Bayanbaatar Talkhsuren  und seine Familie lagern Heu für die Tiere

Bayanbaatar Talkhsuren und seine Familie lagern Heu für die Tiere

Wie gehen die Hirten mit dieser bedrohlichen Situation um?  Der 43jährige Bayanbaatar weiß von seinen Eltern, wie er für seine 40 Kühe, 30 Pferde und 300 Ziegen und Schafe sorgen muss: “Sie haben uns gelehrt, dass, wenn ein Reh von den Bergen herunter bellt, der Winter gut wird. Und wenn es aus einer Schlucht nach oben bellt, wird der Winter sehr hart.  Und noch etwas: Wenn der Rand des Sees in Ikh Uul dunkel erscheint, gibt es wenig Schnee. Erscheint er heller, schneit es stark.
Harte Winter sind unvermeidbar, dass wissen Bayanbaatar, seine Frau und die vier Kinder. Und das Vorbereitung der Schlüssel zum Überleben ist. Sie haben an einem Trainingsprogramm von World Vision teilgenommen und bauen jetzt in einem Sommer Gemüse an, im nächsten ziehen sie Heu für diie Tiere heran. Vorratshaltung für sich und die Tiere sichert das Überleben der Familie.

Enkhtuya Tovuusuren kocht für Monate vor

Enkhtuya Tovuusuren kocht für Monate vor

Seine 38jährige Ehefrau Enkhtuya Tovuusuren erzählt von den Monaten der Ernte und Vorbereitung: “Im Herbst fangen wir mit den Vorbereitungen auf den Winter an. Wir kaufen vier Säcke Getreide, zwei Säcke Reis, Tee Holz und Kerzen. Und ich bereite Milchprodukte wie Joghurt und Sahne zu.

Die jüngste Tochter Gereltuya  (13) ist ein World-Vision-Patenkind. Die Achtklässlerin sagt: “In den Wintermonaten haben wir drei Monate Ferien von Dezember bis Februar. Ich komme dann nach Hause und kümmere mich um die Lämmer und Kälber. In einem Dsud-Winter haben es die Tiere sehr schwer. Aber auch die Menschen, die sich kaum aus den Jurten trauen. Der Schnee durchdringt alles, auch die Schuhe und manchmal werde ich krank.” Langweilig wird es den Mongolen in ihren winterlichen Zelten aber nicht. Sie flicken Textilien, verarbeiten Felle, reparieren Geräte und Körbe und erzählen sich Geschichten.

 

Tochter Gereltuya  ist World-Vision-Patenkind und kümmert sich um die Jungtiere

Tochter Gereltuya ist World-Vision-Patenkind und kümmert sich um die Jungtiere

Ein Highlight in diesen spätherbstlichen Tagen: Vor kurzem tauschten sich World-Vision-Mitarbeiter und 50 Hirten über traditionelle Methoden zur Vorbereitung auf harte Winter aus. Viele dieser Methoden sind in Vergessenheit geraten, etwa das Sammeln und Pressen von Tiermist zu Ziegeln, aus denen Schutzwände hergestellt werden. Diese Wände können auch als Heizmaterial verwendet werden. Ein nachhaltiger und kostenloser Weg, auch die schlimmste Kälte zu überstehen.

Sie können unsere Arbeit auch unterstützen und jetzt Pate werden!

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

 

 

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