Emma Schweiger trifft auf coole Teenager in Nicaragua

Foto: Jens Kalaene / dpa Picture-Alliance

Emma Schweiger ist 9000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt in die Rolle eines ausgebeuteten Kindes geschlüpft. Teenager aus dem World Vision-Projekt Limay in Nicaragura haben sie dazu eingeladen. Kommt Ihnen das spanisch vor?

Die 13jährige Nachwuchsschauspielerin ist als Jugendbotschafterin für Kinderrechte mit World Vision nach Zentralamerika gereist. Sie will sich dafür einsetzen, dass Kinder ernst genommen und vor Gewalt oder anderen Formen der Misshandlung geschützt werden. Im Vergangenen Jahr hatte sie sich bereits an einer World Vision-Aktion zum 25. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention beteiligt. Nun konnte sie in Nicaragua, dem zweitärmsten Land der Region Lateinamerikas und der Karibik, bei sehr aufgeschlossenen Kindern und Jugendlichen einen guten Einblick in deren Leben und in Aktivitäten zu Kinderrechten bekommen.  Begleitet wurde Emma von ihrer ebenfalls stark sozial engagierten Mutter, der Unternehmerin Dana Schweiger.

 

 

Die Reise führte von Managua aus nach Norden entlang der sogenannten Kaffeeroute nach Estelí und in die Region Limay, wo World Vision seit 2007 daran arbeitet, die Lebensumstände in entlegenen Bergdörfern zu verbessern. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt darauf den Kindern gute Bildungsangebote und Beteiligungsmöglichkeiten zu verschaffen. Dazu zählt auch, den Eltern und Lehrern Alternativen zu traditionellen Erziehungsmethoden nahe zu bringen, die Kinder eher zu fügsamem Benehmen bringen, statt kritisches Denken und Mitentscheiden zu fördern.

„Unsere Aufklärungsarbeit in den Familien und unsere fortlaufende Zusammenarbeit mit Schulen  haben hier schon viel bewirkt“, erklärt die Kinderrechte-Beraterin von World Vision Nicaragua, Yexhenia Pichardo. Dies bestätigt auch die Leiterin der Schule Francisco Calderon Bucardo, in der eine der vom Projekt betreuten  Jugendgruppen mit Emma und Dana Schweiger verabredet ist.  Sie sagt: „Ich habe jetzt selbstbewusstere und motiviertere Schüler und Schülerinnen, weil  wir mit  kreativeren Lehrmethoden arbeiten, es mehr  Gruppenaktivitäten bei der Jugend gibt, und weil sich auch die Eltern mehr Gedanken machen.“

Schülerinnen in der von World Vision eingerichteteten Schulbibliothek in Tranqueras / Limay.

Schülerinnen in der von World Vision eingerichteteten Schulbibliothek in Tranqueras / Limay.

Große Hoffnungen setzt die Lehrerin sicherlich auf Christel Francela, die genauso jung wie Emma ist und im Kinderrechte-Netzwerk schon eine leitende Rolle übernommen hat. Francela (übrigens auch ein World Vision-Patenkind) begrüßt uns alle ohne Scheu und präsentiert wie eine geübte Rednerin, für welche Veränderungen sich die Jugend in Limay einsetzt. Dabei geht sie, assistiert von zwei Jungen,  besonders auf die Kampagne ‘Ich erhebe meine Stimme gegen Kindesmisshandlung” ein.

Die 13jährige Christel Francela präsentierte Emma und Dana Schweiger selbstbewusst eine von World Vision initiierte Kampagne, die Kindern und Jugendlichen ihr Recht auf eine gewaltfreie Erziehung vermittelt und auch ein Umdenken im Umfeld fördert.

Die 13jährige Christel Francela präsentierte Emma und Dana Schweiger selbstbewusst eine von World Vision initiierte Kampagne, die Kindern und Jugendlichen ihr Recht auf eine gewaltfreie Erziehung vermittelt und auch ein Umdenken im Umfeld fördert.

Kurz nur darf Emma diesem Vortrag passiv zuhören, denn die Jugendgruppe will ein selbst geschriebenes Theaterstück zu dem Thema vorführen und Emma soll darin auch eine Rolle spielen:  Sie soll ein Kind spielen, das zusammen mit seinen Geschwistern von der Mutter herumkommandiert und mit Arbeitsaufträgen ausgebeutet wird.  „Das ist doch eine Rolle, die du gut kennst“, scherzt ihre Mutter Dana, um Emma diese Mutprobe zu erleichtern. Denn natürlich sprechen die Jugendlichen in dem Theaterstück nur Spanisch, so dass Emma sehr gut aufpassen muss, bei der Handlung mitzukommen.  Das Stück hat zum Glück ein Happy End, weil sich die Kinder erfolgreich mit Hilfe einer Lehrerin und der Polizei gegen die Misshandlung wehren.  Emma freut sich auch, von den Jugendlichen zu erfahren, dass Gewalt und Misshandlungen in den Familien abgenommen haben, seit die von World Vision unterstützte Kampagne läuft.

Im Theaterstück suchen die Kinder Hilfe bei einer Lehrerin, die aber auch zunächst von oben herab reagiert.

Im Theaterstück suchen die Kinder Hilfe bei einer Lehrerin, die aber auch zunächst von oben herab reagiert.

Bei Francela und anderen Kindern zuhause sieht Emma sofort einige Unterschiede zu ihrem eigenen Leben. „Sie steht jeden Morgen schon um 4:30 Uhr auf und versorgt erstmal Hühner, Schweine und Kühe oder mahlt Getreide, bevor sie frühstücken kann“, erzählt Emma später.  „Die ganze Familie schläft auch in einem Raum, unter einem Blechdach. Das kann bestimmt ganz schön nervig sein“, meint sie.  Francela macht auf Emma aber einen glücklichen Eindruck und bestätigt auch, dass es ihr sehr gut gehe in ihrer Familie. Der Vater ist Bauer, die Mutter Hausfrau, aber die Eltern wünschen sich, dass ihre Tochter es einmal weit bringt. “Cool”, wie dieses Mädchen einerseits mit dieser Mutter in der Küche Käse selbst macht und andererseits eine Kampagne leitet.

Emma hat auch ein Herz für hilfsbedürftige Tiere: Bei Francela füttert sie dieses verletzte Huhn aus der Hand.

Emma hat auch ein Herz für hilfsbedürftige Tiere: Bei Francela füttert sie dieses verletzte Huhn aus der Hand.

Sehr gut gefällt Emma Schweiger, der jüngsten Tochter von Dana und Til Schweiger, dass die Teenager in Limay in ihren Pausen viel draußen spielen, auch mit jüngeren Kindern. „Bei uns in Deutschland hockt man in meinem Alter ja eher mit den Handys zusammen.“  Als eine Schülergruppe ihr ein Mannschaftsspiel zeigt, bei dem das bekannte „Schere – Stein – Papier“ mit einem Wissenswettbewerb über Werte kombiniert wird, ist Emma schnell mittendrin.  „An unseren Schulen kommen Werte als Thema zu selten vor“, ist Emma überzeugt.

 

Beim Wissenswettbewerb geht es um schnelle Teamarbeit. Emma ist integriert. Foto: Jens Kalaene / dpa Picture-Alliance

Beim Wissenswettbewerb geht es um schnelle Teamarbeit. Emma ist integriert. Foto: Jens Kalaene / dpa Picture-Alliance

Unsere Botschafterin hat also viel mitgenommen von ihrer Reise, aber den Kindern  und Jugendlichen in Limay auch etwas hinterlassen: einen kleinen Baum, der im Garten der Schule hoffentlich genauso gut gedeiht wie die dort schon angewachsenen Obstbäumchen, für die jeweils ein Kind eine Patenschaft übernommen hat.

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1 Kommentar

  1. joon, 5. Februar 2016

    Ich wieder mich dafür einsetzen das Kind in einer Bewalt freien Umgebung auf Wachsen

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