Flüchtlinge auf dem Balkan: Wenn Hoffnung ist, was bleibt

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Nerven behalten, freundlich bleiben, klare Anweisungen geben. Diese Regeln bestimmen derzeit die Arbeit unserer Kollegin Katharina Witkowski und ihres Teams. Sie betreuen Flüchtlinge im Grenzgebiet zwischen Serbien und Kroatien. Bob Neufeld hat sie besucht:


“Bitte, wir verhungern, können Sie uns etwas zu essen geben?”
Der Mann, der diese Worte sagt, spricht mit der Stimme eines Menschen, der zu viel Leid gesehen hat. Er ist einer von tausenden Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, die hier auf einem Parkplatz in Adasevci im nordöstlichen Serbien warten.
Höflich aber bestimmt sagt Katharina Witkowski dem Mann, dass er zu seinem Bus zurückkehren soll und ihm Wasser, Essen und andere Sachen gebracht werden. Der Mann fügt sich und Katharina sagt: “Das ist immer der härteste Teil der Arbeit.”
Katharina leitet den Einsatz von World Vision in dieser Region Serbiens.
Sie führt das kleine Team von Bus zu Bus zu Bus, verteilt Wasser, konservierte Lebensmittel, Bananen und Sanitärartikel wie Zahnpasta und Servietten.

Lebensmittel, wasser, Hygieneartikel: World Vision verteilt Hilfsgüter an Flüchtlinge

Sie ist freundlich aber auch unnachgiebig, wenn Flüchtlinge versuchen, mehr als eine Tasche mit Hilfsgütern zu bekommen und deshalb Sspannungen in den überfüllten Bussen entstehen. Eine Frau hat sich beim Gerangel um eine Tasche verletzt. Jetzt sitzt sie mit blutender Nase vor dem Bus. Katharina erntet aber auch dankbares Lächeln und anerkennende Worte von den Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind auf dieser Reise in eine unsichere Zukunft.

Aber es gibt auch diese Momente unerwarteter Freude. Die einen daran erinnern, dass Kinder, was immer auch um sie herum passiert, spielen wollen. Katharinas Kollegin Aida Sunje ist umringt von Kindern als sie mit einem Stabkreis riesige Blasen aus Seifenschaum macht. Sofort blasen auch die Kinder Kugeln aus Schaum, jagen ihnen nach, lachen, wie sie es in ihrer Heimat getan haben.

Temperaturen sinken, Hürden wachsen
Wir bleiben etwa eine Stunde am Service Center von World Vision und in dieser Zeit kommen ständig Busse mit jeweils bis zu 70 Passagieren an. Sie steigen aus und vergrößern die Zahl der Hilfesuchenden, Tag für Tag. Noch ist es ungewöhnlich warm für die Jahreszeit, doch die Temperaturen sinken schon jetzt in den Nächten auf zwei bis drei Grad. Vor allem für die Kinder ist das eine Belastung.

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Der hungernde Mann und weitere tausende Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak und weiteren Ländern warten geduldig an ihren Busen auf die Weiterreise zur serbischen Grenzstadt Sid. Noch bis vor kurzem hatte die kroatische Regierung die Einreise von dort nach Kroatien erlaubt, beschränkt auf vier Züge pro Tag. In jedem dieser Züge saßen bis zu 1.200 Menschen.

Alles  was bleibt: Hoping

Jetzt ist die Einreise nicht gewiss, die kroatische Seite läßt niemanden ohne Pass und nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Irak einreisen. Die Flüchtlinge hoffen darauf, nach Deutschland oder in die skandinavischen Länder weiter reisen zu können.

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Auf dem Weg zum Service Center sehen wir eine Werbefolie auf dem Fenster eines aufgegebenen Geschäftes. “Hoping” steht dort, offenbar der missglückte Versuch, auf die Möglichkeit von “Shopping” aufmerksam zu machen. Und tatsächlich ist Hoffnung wohl alles, was den Flüchtlingen geblieben ist.

Hier können sie unsere Arbeit für syrische Flüchtlinge unterstützen:

https://www.worldvision.de/spenden-katastrophenhilfe-spendenformular-syrische-fluechtlinge.php

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