Klimagipfel-Bilanz: Von Afrika lernen – ein Hoch auf die afrikanische Verhandlungstaktik

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Wow, das waren harte zwei Wochen. Man sah es den Teilnehmern an. Die deutsche Umweltministerin hatte Tränen in den Augen und der französische Außenminister Fabius mahnte kurz vor Schluss noch mal mit zitternder Stimme die Teilnehmer, dem Vertrag zuzustimmen. Kein Wunder, dass die Nerven bei allen blank lagen. Die letzten drei Tage mussten die Verhandlungsführer mehr oder weniger ohne Unterbrechung durchverhandeln. Immer wieder gab es Widerstände. Darum wurde zum Schluss eine afrikanische Verhandlungstaktik angewandt. Dabei teilt man die Teilnehmer einer Delegation in kleinen Grüppchen auf und wenn zwei sich streiten, müssen sie für 30 – 45 Minuten in die Ecke gehen und dann mit einem Ergebnis zurückkommen.

Die Interessen von 196 Staaten unter einen Hut zu bringen ist hohe Kunst. Hut ab!  Die Franzosen haben einen super Job gemacht und der Vertrag darf ruhig als historisch bezeichnet werden. Natürlich ist noch lange nicht alles perfekt, aber vor noch einem halben Jahr hätte keiner damit gerechnet, dass in dem Abkommen die 1,5 Grad maximale Erderwärmung als erstrebenswertes Ziel festgeschrieben steht. Darum  sollte man sich den 12. Dezember 2015 rot im Kalender anschreiben. Dieser Tag hat eine Zeitenwende eingeläutet. Die Welt wird sich über kurz oder lang von fossilen Energien verabschieden müssen und diejenigen, die es immer noch nicht wahrhaben wollen, werden den Zorn der Natur zu spüren bekommen. Einer der führenden Wissenschaftler auf dem Klimagipfel prophezeite z.B. für die arabische Halbinsel Temperaturen von 60 Grad und mehr, wenn nicht schnell etwas gegen den Klimawandel getan wird.

Verhandlungen sind vorbei – Handeln ist jetzt das Gebot der Stunde

Mit der Erklärung von Paris sind die Probleme längst noch nicht beseitigt. Wie in absehbarer Zeit auch für die Entwicklungsländer ein wirtschaftlicher Aufschwung mit Hilfe sauberer Energie erreicht werden kann, ist derzeit unklar. Die Industrieländer könnten mehr machen, als jetzt zugesagt. Allein 5,3 Billionen US-Dollar werden immer noch an Subventionen in fossile Energien investiert. Mit dem Blick auf die Paris Deklaration sollte diese Unterstützung schnell gestoppt werden. Inzwischen stehen genügend alternative Techniken für saubere Energieversorgung zur Verfügung. Es ist jetzt wichtig, dass die reichen Länder ihre Zusagen halten und den Menschen in den Entwicklungsländern bei der Anpassung helfen.

Derzeit erleben wir eine der schlimmsten El Niño Phänomene, die je gemessen wurden. In Süd- und Ostafrika hat es mehrere Jahre nicht mehr geregnet. Viele Bauern haben bereits ihr Vieh verloren. Bei Kindern sehen wir bereits erste Anzeichen schwerster Unter- und Mangelernährung. In manchen Regionen ist schon einige Wochen nicht mehr genug Geld da, um alle Kinder mindestens einmal am Tag mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Im südindindischen Chennai erleben die Menschen die schlimmsten Überschwemmungen, die sie je erlebt haben und die Zukunft wird weiter schlimme Wetterkatastrophen für uns Menschen bereit halten.

Wir müssen die Natur wieder wertschätzen

Wir haben die Natur nicht mehr wertgeschätzt, wie es die Indianer, die mit einem ganzen Dorf extra aus dem Amazonas angereist waren, uns heute noch vormachen. Sie haben versprochen, zum Wohle der Menschheit, die Natur für uns zu schützen. Ich möchte mich hier aus tiefstem Herzen dafür bedanken, denn wir sogenannten zivilisierten Menschen haben vergessen, wie wichtig die Umwelt für uns ist. Wir müssen es jetzt wieder lernen.

Yudi, ein 16jähriger Botschafter von der indonesischen Insel Sumba hat es uns auf dem Klimagipfel noch mal erklärt. Bäume sind Leben. Wenn ihr Bäume seht, denkt an Kinder.

Yudi

Lasst uns mit der Arbeit beginnen. Neben der Emissionsminderung geht es auch um den Schutz von Wäldern und Wiederaufforstung, um große Mengen CO2 zu binden. World Vision fördert in vielen seiner Projekte eine regenerative Methode der Wiederaufforstung, die sich „farmer managed natural regeneration“ (FMNR) nennt. Mit Hilfe dieser Methode können schnell und kostengünstig riesige Flächen verwüstetes Land wieder begrünt werden. In fast allen Regionen der Erde lässt sich FMNR umsetzen. Man nutzt dafür gesundes Wurzelwerk von ehemaligen Wäldern, schützt ein Gebiet vor Tieren und kann dann schon nach relativ kurzer Zeit die Früchte eines kleinen Waldes ernten.

Mutter Natur ist gnädig, wenn wir sie achten. Lasst uns nach Hause gehen und die Welt wieder begrünen, lasst uns den Kindern und den Völkern zuhören, die der Natur nahe stehen.

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