Emma Schweiger schließt Freundschaft beim Tortilla-Backen

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In Nicaragua überrascht ein World Vision-Patenkind, das ausgerechnet "Enma" heißt und eine besondere Geschichte hat, unsere Jugendbotschafterin Emma Schweiger mit einem typischen Frühstück und Aufgaben, die ihr das Leben der Kinder und Jugendlichen im Dorf nahebringen.

In den Bergen von San Juan de Limay ist der Morgen noch frisch, als Emma Schweiger mit uns das Dorf „La Fraternidad“ (deutsch: Brüderlichkeit) erreicht. Es ist kein Dorf, das man leicht überblicken könnte, wie das klassische Haufendorf in Deutschland. Verstreut über die Berghänge und teilweise auch zwischen Bäumen verborgen liegen die Ziegelhäuser der Bauernfamilien. Seit 2007 engagiert sich World Vision in der Region und unterstützt mit dem Regionalentwicklungsprojekt 32 Dörfer. Auf der holprigen Straße kommt uns ein Bauer mit Pferd und Hund entgegen, aber sonst herrscht kein Verkehr.

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Die meisten Kinder sind schon in der Dorfschule, in der die Klassen 1 bis 8 unterrichtet werden. Nur ältere Teenager, die schon über die 8. Klasse hinaus sind, haben an diesem Tag schulfrei und können es ruhiger angehen. So trifft unsere Jugendbotschafterin Emma Schweiger auf die 17-jährige Enma, ein  fast schon erwachsenes World Vision-Patenkind.

 

Enma wird seit 2009 durch das Patenschaftsprogramm von World Vision gefördert und ist eine gute Schülerin.

Enma wird seit 2009 durch das Patenschaftsprogramm von World Vision gefördert und ist eine gute Schülerin.

Gemeinsam mit ihrer Mutter erwartet uns Enma – ein Mädchen mit wachen Augen und schwarzem Pferdeschwanz – an der Dorfstraße. Etwas aufgeregt aber herzlich wünscht sie Emma und Dana Schweiger  einen „Buen Dia“, einen schönen Tag. “Ich heiße Enma”, sagt sie verschmitzt, und es klingt in unseren Ohren wie “Emma”. Ein witziger Zufall, an dem wir uns aber nicht lange aufhalten. Es gibt Wichtigeres zu entdecken.

Enmas Zuhause und Garten bieten viel Neues für ein Mädchen, das an das Großstadtleben in Hamburg gewöhnt ist. Über einen kleinen Trampelpfad geht es zu dem Haus, das durch eine offene Holztür und glaslose Fenster Blicke ins Innere ermöglicht. Unterwegs kommen wir an “Purro” vorbei, dem Hausschwein, das gerade ein Schläfchen in der Morgensonne hält. Enma geht durch einen schmalen Vorraum direkt in die Küche, in der es einen verputzten Lehmofen und Wandregale mit Geschirr, aber keine Spüle und keinen Kühlschrank gibt.

 

Vom Frühstück hat Enma noch etwas Teig aufgehoben und zeigt Emma nun, wie man auf dem Lehmofen in wenigen Minuten Tortillas backen kann. Natürlich muss erst mit Holz und Feuer angeheizt und der Teig ausgerollt werden. Enma macht es vor und Emma macht munter mit. „Man muss gut aufpassen, dass man sich und sein Frühstück nicht verbrennt“, stellt Emma fest.

Emma Schweiger bei Patenkind Enma in Nicaragua

 

Auch dass die Tortillas mit etwas Käse eingerollt gar nicht schlecht schmecken. Man wird auf jeden Fall satt davon.

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Der Kaffee dazu wächst im Garten. Das will Emma Schweiger sich gerne ansehen. Als sie zum Kaffeestrauch geführt wird, kribbelt und brennt es plötzlich an ihren Beinen. Feueramaisen haben sie attackiert. Es bleibt aber zum Glück bei diesem einen schmerzlichen Erlebnis während dieser Reise.

Um Kaffee zu kochen oder nach dem Frühstück die Zähne zu putzen, muss man auch in den Garten, wo sich der einzige Wasserhahn befindet. Emma Schweiger denkt darüber nach, wie sie zuhause manchmal das Wasser laufen lässt, auch wenn ihre Mutter sie ermahnt, es nicht zu tun. Sie erfährt auch, dass viele Familien hier früher gar kein sauberes Wasser hatten, das World Vision-Projekt ihnen aber Wasseranschlüsse verschafft hat. „Sauberes Wasser zu haben ist schon ein großer Fortschritt“, findet sie.

Mit den Patenschaftsbeiträgen konnte unter anderem auch dieser Wasseranschluss am Haus finanziert werden. Vorher musste Trinkwasser aus größerer Entfernung herbeigeschleppt werden und wurde in trockenen Monaten auch mal knapp. Foto: dpa picture-Alliance / Jens Kalaene.

Mit den Patenschaftsbeiträgen konnte unter anderem auch dieser Wasseranschluss am Haus finanziert werden. Vorher musste Trinkwasser aus größerer Entfernung herbeigeschleppt werden und wurde in trockenen Monaten auch mal knapp. Foto: dpa picture-Alliance / Jens Kalaene.

Ihre Schulsachen verwahrt Enma im Schlafzimmer, das sie sich wie die meisten Kinder im ländlichen Nicaragua mit ihrer ganzen Familie teilt. Enma hat Glück, weil ihre acht älteren Geschwister schon ausgezogen sind. Vorher muss es sehr eng gewesen sein. “Mathe ist mein Lieblingsfach”, erzählt sie uns. Ihr Berufswunsch geht aber in eine andere Richtung: Krankenschwester möchte sie gerne werden. “Weil ich damit anderen helfen kann, die krank sind”, sagt sie schlicht. Den tieferen Grund für diesen Wunsch erfahren wir durch die lokalen Mitarbeiter und durch Enmas Mutter.

DSC01787“Enma war schon immer etwas Besonderes, weil sie besondere Pflege brauchte“, erzählt Yolanda Espinoza. Ihre jüngste Tochter habe bei der Geburt nur 3 Pfund gewogen und musste wegen verschiedener Gesundheitsprobleme oft ins Krankenhaus gebracht werden. „Sie hatte eine schwere Kindheit”, sagt die Mutter. Eine Schilddrüsen- und Hormonkrankheit behinderte Enmas Wachstum, so dass sie mit ihren 17 Jahren deutlich kleiner ist als Emma Schweiger. “Sie ging aber trotz dieser Probleme immer zur Schule, weil sie sich schon als kleines Mädchen immer weiter verbessern wollte“.

World Vision unterstützte eine Operation und Behandlung, durch die sich Enmas Gesundheitszustand deutlich verbesserte. „Ich wurde stärker und ermutigt durch die Behandlung, und ich musste seither nie mehr ins Krankenhaus“, sagt das tatsächlich kräftig wirkende Mädchen. „Und heute ist sie das einzige unserer Kinder, das die höhere Schule abschießen wird“, ergänzt die Mutter stolz. 2016 sei ihr letztes Schuljahr. “Ich bewundere Enma, denn sie muss auch bei Hitze und Regen andertalb Stunden zur Schule laufen, während ich nur 5 Minuten zum Bus laufe”, verrät uns unsere Jugendbotschafterin später, die ja selbst für ihr Alter schon sehr erfolgreich ist.

Einige Gemeinsamkeiten entdecken die beiden Mädchen auch im Gespräch: Spaß am Malen und am Backen zum Beispiel. “Ein Glück”, meint Enma, denn sie will mit Emma Schweiger noch eine Runde Cup Cakes backen. Wenig später sehen wir sie auch mit Bäckermütze und Schürze in der kleinen Bäckerei wieder, die dank des Limay-Projekts im Dorf eingerichtet werden konnte. 115 Jugendliche, darunter auch Enma, sowie 45 junge Erwachsene sind in den letzten drei Jahren dabei unterstützt worden, unternehmerisch tätig zu sein. Enma hat an einem Bäckerei-Lehrgang teilgenommen und ist jetzt Mitglied eines kleinen Frauen-Teams, das das Dorf mit Backwaren versorgt. Solche Angebote stoßen in Limay auf große Nachfrage, weil es nicht viele Möglichkeiten für Jugendliche gibt, eine Ausbildung zu machen oder einen Job zu finden.

Emma Schweiger und die 17jährige Schülerin Enma tragen gemeinsam frisch gebackene Cup-Cakes zum Verkauf. World Vision hat in der Gemeinde "La Fraternidad" die Einrichtung einer kleinen Bäckerei unterstützt, und Enma hat an der Bäcker-Ausbildung teilgenommen. Foto: dpa picture-Alliance / Jens Kalaene

Emma Schweiger und die 17jährige Schülerin Enma tragen gemeinsam frisch gebackene Cup-Cakes zum Verkauf. World Vision hat in der Gemeinde “La Fraternidad” die Einrichtung einer kleinen Bäckerei unterstützt, und Enma hat an der Bäcker-Ausbildung teilgenommen. Foto: dpa picture-Alliance / Jens Kalaene

Immer bereit, Chancen zu nutzen und Neues zu lernen, engagiert sich die 17-Jährige auch beim Aufbau von Kinder-und Jugendnetzwerken in ihrer Region. Sie hat an verschiedenen World Vision-Trainings zu Kinderrechten und Jugendarbeit teilgenommen und ist jetzt Multiplikatorin für andere.

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Enma (Mitte hinten) und Emma Schweiger stehen sich in zwei Teams bei einem kleinen Wissenswettbewerb gegenüber. Foto: Iris Manner / World Vision

Bei einer Bastelaktion zu Weihnachten bekommt Emma Schweiger live mit, dass die so klein wirkende Namensvetterin oft von anderen Kindern um Rat gefragt oder um Hilfe gebeten wird. Vielleicht liegt dies auch daran, dass Enma ihre als Gesundheitsberaterin engagierte Mutter schon länger bei deren Hausbesuchen unterstützt.

“Sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung”, bemerkt Emma Schweiger. “Auch wenn sie gerade nicht lacht, merkt man ihr an, dass sie glücklich ist, weil sie so viele Hindernisse überwunden hat.”

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Relaxt lassen Emma und Enma gemeinsam mit anderen Kindern diesen erlebnisreichen Tag ausklingen. Foto: Iris Manner / World Vision

 

Als der Tag mit ein paar Spielen und Kletteraktionen endet, fällt der Abschied den Mädchen nicht leicht. Enma nimmt Emma fest in den Arm und hebt sie einfach mal kurz hoch. „ Ein Highlight“ nennt Emma Schweiger im Rückblick diese Begegnung in Nicaragua.

Interessieren Sie sich für eine Kinderpatenschaft in Nicaragua? Hier gehts zum Vorschlag und weiteren Informationen

1 Kommentar

  1. Ursula H., 20. Januar 2016

    Enmas Patin Ursula H. schreibt uns zu diesem Artikel:

    Mein Patenkind Enma habe ich vor 6 Jahren kennengelernt.
    Seitdem ging immer wieder Post hin und her. Briefe (da kann ich meine Englisch-Kenntnisse auffrischen), kleine Geschenke und Fotos haben viel Freude gemacht.

    Inzwischen ist Enma schon eine Jugendliche und wird bald die höhere Schule abschließen. Sie schreibt, dass Mathe ihr Lieblingsfach ist, und dass sie gerne lernt.
    Sie ist ein tolles Mädchen, und ich habe mich sehr über den Bericht von World Vision vom Besuch vor Ort in Limay gefreut. Bevor ich Enma kennengelernt habe, hatte ich schon mal einige Jahre eine andere Patenschaft für ein Mädchen aus Nicaragua übernommen.
    Das Projekt war dann aber abgeschlossen. Seit 2001 hatte ich verschiedene Patenschaften Ãüber World Vision, momentan neben Enma noch einen 16-jährigen Jungen aus Peru.

    Es macht mir immer wieder viel Freude, andere Menschen aus fremden Ländern kennenzulernen, von ihnen zu lernen, von ihrer Dankbarkeit und der Fähhigkeit, aus einfachen Verhältnissen das Beste zu machen. So erweitert sich der Horizont, und es wird einem wieder bewusst, dass es uns enorm gut geht im Vergleich zum Rest der Welt.

    Das Konzept von World-Vision hat mich überzeugt, so dass ich vor einigen Jahren meinen Mann motivieren konnte, ebenfalls zwei Patenkinder zu übernehmen.
    Man bekommt regelmäßig Informationen über die Entwicklung des Projekts und persönliche Post vom Patenkind mit einem jährlichen Bericht über seinen Entwicklungsstand.

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