Emma Schweiger: Wiedersehen mit Pinocchio und Pippi am anderen Ende der Welt

In einer von World Vision unterstützten Grundschule trifft Emma Schweiger die Mitglieder eines Leseclubs. Foto: dpa picture-Alliance

Europa ist den Kindern in Nicaragua viel näher, als man vermuten würde. Pinocchio und Pippi Langstrumpf sind bei ihnen eingezogen und gehören zu ihren Lieblingshelden. Das erfährt unsere Jugendbotschafterin Emma Schweiger, als sie einen Leseclub an einer Grundschule kennen lernt.

Leseclub? Klingt erstmal nach einer Senioren-Veranstaltung, und Emma denkt vielleicht das gleiche. Doch weit gefehlt: Ungefähr 30 putzmuntere Kinder haben unter einem Baum in der Nähe der Schule einen Kreis mit Stühlen gebildet, um Emma von ihrem Club und ihren Geschichten zu erzählen. Wir müssen uns wirklich anstrengen ernst zu bleiben, als ein Erstklässler – seine Hände schüchtern in den Hosentaschen versteckt und den Blick gen Himmel gerichtet, jedes Detail angestrengt aus seinem Gedächtnis hervorholend –  die Geschichte der lebendig gewordenen Holzpuppe erzählt, der viele Abenteuer zu bestehen hat und immer wieder aneckt bei Gut und Böse, bis er endlich zu einem richtigen Jungen werden kann. “Mensch, das ist doch Pinocchio”, ruft Emma. “Toll, dass das hier auch bekannt ist.”

"Seht mal, das Buch kennt ihr auch. Auf Spanisch heißt unser Pinocchio ein bisschen anders - 'Pinocho'.

“Seht mal, das Buch kennt ihr auch. Auf Spanisch heißt unser Pinocchio ein bisschen anders – ‘Pinocho’.

Die 10jährige Maria Fernanda kann schon flüssiger lesen und erzählen. Im Leseclub hilft sie schon den jüngeren, mit den Buchstaben und noch unbekannten Wörtern zurecht zu kommen. Gerade beschäftigt sie sich mit der Geschichte eines mutigen Mädchens und seines Pferdes. Pippi Langstrumpf gehört auf jeden Fall zu ihren Heldinnen, aber Piratin zu werden, kann sie sich doch nicht so richtig vorstellen. Maria Fernanda scheint auf jeden Fall ein richtiger Bücherwurm zu sein. Auf dem Familien-Schreibtisch zuhause stapeln sich Hefte und Bücher – das Spielzeug beschränkt sich dagegen auf eine Puppe. Maria Fernandas Mutter sorgt dafür, dass ihre Tochter nach Schule und Hausaufgaben noch freie Zeit bekommt und sieht es gerne, sie im Leseclub lernen, aber eben auch spielen zu sehen. Emma gibt zu, dass sie anfangs nicht so gerne gelesen hat, weil sie mit zwei Sprachen klar kommen musste.

Maria Fernanda zeigt Emma Schweiger ein paar ihrer Bücher - sie hilft schon jüngeren Kindern beim Lesen-Üben.  Foto: World Vision/ Iris Manner

Maria Fernanda zeigt Emma Schweiger ein paar ihrer Bücher – sie hilft schon jüngeren Kindern beim Lesen-Üben. Foto: World Vision/ Iris Manner

World Vision hat an ihrer Schule eine kleine Bücherei eingerichtet, damit auch alle Kinder Lesestoff haben, denn nicht bei jeder Familie ist Geld für Bücher übrig. “Gute Lesefähgikeiten sind einfach grundlegend für alles weitere Lernen, und arbeiten wir mit unseren Bildungsprojekten darauf hin, dass diese Fähigkeit im Grundschulalter gut gefördert wird”, erklärt Verena Bloch, Fachreferentin für Bildung und Kinderrechte bei World Vision Deutschland. Die Lehrer werden bei Fortbildungen mit Methoden vertraut gemacht, die den Kindern Spaß am Lesen vermitteln und ihren kreativen Umgang mit Sprache fördern. Im Klassenraum einer Schule in Limay finden wir an den Wänden und Fenstern viele Beispiele, wie das umgesetzt wird. Sogar selbst verfasste Gedichte.

Das Gedicht "In meinem Garten" ist von einer Schülerin im Limay-Projekt verfasst worden.

Das Gedicht “In meinem Garten” ist von einer Schülerin im Limay-Projekt verfasst worden.

Den älteren Kindern zuzuhören, wenn sie über ihre Bücher und Diskussionen dazu berichten, ist schon richtig anspruchsvoll. Zu unserer großen Überraschung liest und bespricht der Leseclub zum Beispiel gerade die Geschichte “Der Junge mit dem gestreiften Pyjama”. Der Roman über die Freundschaft zwischen dem Sohn eines SS-Offiziers und eines jüdischen Jungen im Konzentrationslager bietet den gerade in die Pubertät kommenden 12- und 13jährigen Schülern viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren, über Recht und Unrecht, Mut und Widerstand, Schicksal und Entscheidungsmöglichkeiten.

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“Seit 2012 haben wir jetzt die Leseclubs und sehen bei den Schülern eine sehr positive Entwicklung”, sagt der Leiter der Grundschule. “Sie sind viel stärker motiviert zu lesen, bekommen einen weiteren Horizont und können sich durch gemeinsame Sprechen über die Bücher auch viel besser ausdrücken als vorher.” Einige der älteren Kindern sagen dies auch über sich selbst. “Früher war ich sehr schüchtern und habe mich kaum getraut vor anderen etwas zu sagen, aber jetzt habe ich damit kein Problem mehr”, berichtet zum Beispiel die 13jährige Julibeth, die vom Leseclub inzwischen schon in den Jugendclub gewechselt ist und dort für Kinderrechte eintritt.

Möchten Sie auch gerne bei Kindern das Lesen fördern? In Burundi haben wir ein Schwerpunkt-Projekt dazu. Hier können Sie dafür spenden. Herzlichen Dank!

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