Hoffnung eines syrischen Kindes: “eines Tages mit zur Schule fahren”

Libanon Syrische Flüchtlinge

„Ich möchte lernen“

Das ist der Wunsch vieler aus Syrien geflüchteter Kinder, die im Libanon leben. Aber höchstens die Hälfte von ihnen geht in die Schule. Und nicht selten werden sie dort von Lehrern und Mitschülern gemobbt.

Mahmoud (8) kann nicht lesen und schreiben, hat nie eine Schule besucht. Er wird es auch nicht, solange in seiner Heimat Krieg herrscht. Denn der Junge aus Homs muss, wie seine älteren Brüder auch, Geld verdienen. Nur so kann die Familie im Libanon überleben.

Jeden Tag steht er an einer Durchfahrtsstraße in der Stadt Bar Elias auf der Bekaa-Ebene, um den Autofahrern Süßigkeiten zu verkaufen. Erst am späten Abend kehrt er zurück in das Zeltlager, in dem seine Familie wohnt. Nur wenn es stark regnet oder die Schokolade wegen der Hitze zu schmelzen droht, bleibt er zu Hause.  Sehnsuchtsvoll schaut er jeden Morgen den Bussen hinterher, die die Kinder zur Schule fahren. „Vielleicht kann ich ja doch eines Tages mit“, sagt Mahmoud und zuckt mit den Achseln.

Etwa 2,3 Millionen syrische Kinder sind mit ihren Familien in die Nachbarländer geflohen. Etwa die Hälfte der Flüchtlingskinder im Libanon gehen zur Schule – so die offizielle Zahl. Vermutlich sind es aber deutlich weniger. Viele müssen, wie Mahmoud und seine Brüder, die Familie unterstützen, damit sie die Mieten für die Zelte und Baracken zahlen können. Wer ohne Papiere geflohen ist, darf ohnehin nicht unterrichtet werden.

Libanon Syrische Flüchtlinge

Auch diese 4 Geschwister möchten gerne endlich die Schule besuchen. Foto: Klaus Becker

Auch Aya (12), Nour (11), Cedra (7) und Khalil (6) ist der Zugang zur Bildung verwehrt. Vor vier Jahren ist Mutter Amal (36) mit den Kindern aus Tell Kalach vor den Bomben und dem Raketenbeschuss  in den Libanon geflohen, wo ihr Mann bereits auf sie wartete. „Weil sie keine offiziellen Papiere mitgenommen haben, werden die Kinder hier nicht eingeschult“, sagt Vater Ibrahim.  Zu Hause in Syrien waren Arabisch und Mathematik Ayas Lieblingsfächer. „Nach der Schule habe ich direkt Hausaufgaben gemacht und bin dann mit meinen Freunden spielen gegangen. Daran muss ich oft denken“, erzählt das zwölfjährige Mädchen, das mit seiner Familie in einer Baracke nahe der Küstenstadt Batrun lebt.  Vater Ibrahim kämpfte bei den örtlichen Behörden für die Einschulung seiner Kinder, man versprach ihm, eine Ausnahme zu machen und sie zu unterrichten. Vorausgesetzt, er findet 150 weitere syrische Kinder, die zur Schule wollen. „Das habe ich geschafft, aber die Behörde hielt ihr Versprechen nicht“, sagt Ibrahim enttäuscht. Trotz allem gibt er die Hoffnung nicht auf, dass seine Kinder eines Tages lernen dürfen.

Das libanesische Schulsystem ist mit den vielen syrischen Flüchtlingskindern überfordert, auch wenn die Schulen längst in zwei Schichten arbeiten. Morgens lernen libanesiche und syrische Kinder gemeinsam, der Unterricht wird wie im Libanon üblich auf Französisch oder Englisch abgehalten. Was syrische Kinder vor große Probleme stellt, da sie mit Fremdsprachen nicht so früh vertraut sind. Die Nachmittagsschicht findet nur für syrische Kinder statt – auf arabisch, Englisch gibt es als Fremdsprache.

Nicht nur wegen mangelnder Fremdsprachenkenntnisse haben es syrische Kinder oft schwer in der libanesischen Schule. Immer wieder gibt es Klagen darüber, dass Lehrer schlagen, syrische Kinder in der Schule gemobbt werden, als Sündenbock herhalten müssen, wenn andere Fehler machen.

Seit zwei Tagen weigert sich Zeinab (14) in die Schule zu gehen, aus Angst vor dem Lehrer.  Sie bleibt lieber bei ihrer Mutter und den Geschwistern im Zeltlager bei Bar Elias, wohin sie vor bald zwei Jahren flohen. „Er schlägt mich, weil ich nicht gut in Englisch bin“, sagt das Mädchen schüchtern. „Aber ich hatte vorher kein Englisch. Woher soll ich es können?“

Mitarbeiter von World Vision,  die sich in dieser Region unter anderem für Bildung und psychosoziale Unterstützung der Kinder einsetzen, gehen bei Beschwerden wie dieser in die Schulen, um vor Ort mit den Lehrern zu sprechen, die Probleme zu lösen.

Damit Kinder wie Zeinab wieder gern zur Schule gehen. Denn es ist auch ihre Generation, die Syrien eines Tages wieder aufbauen muss. Wie soll das ohne Bildung gehen?

Mit einer Spende für unsere Syrienhilfe leisten Sie einen wertvollen Beitrag zu mehr Bildungschancen und damit auch für eine Zukunft dieser Kinder. Vielen Dank dafür!

 

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