Sprache und Flüchtlingskinder: “Und die Füße…”

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Flüchtlingskinder möglichst früh zu integrieren und auf ein Leben in Deutschland vorzubereiten – das ist das Ziel der von World Vision finanzierten Initiative zur Sprachausbildung in Kitas. Jetzt geht das erste Projekt in Bad Homburg los.

„Mein Kopf ist oben  –  meine Füße sind unten. Meine Brust ist vorne, mein Rücken ist hinten.“ 18 erwachsene Menschen stehen im Kreis und recken und strecken sich. Ein Kinderlied ist es, das sie im großen Raum der KiTa Hausmannspark in Bad Homburg mitsingen und schwungvoll  in Szene setzen. Alltag für die Erzieherinnen – eigentlich.  Denn heute sind es keine Kinder, die etwas lernen. An diesem pädagogischen Tag erweitern die Mitarbeiterinnen selbst ihre Kompetenzen. Sprachförderung für Flüchtlingskinder – oder: wie kommuniziere ich mit Kindern, die kein oder kaum ein Wort Deutsch sprechen?

Denn die Schultern, die sind oben...Christoph Hilligen (WV-Vorstand) und Erzieherinnen im Einsatz.

Denn die Schultern, die sind oben…Christoph Hilligen (WV-Vorstand) und Erzieherinnen im Einsatz.

„Schon in der Vergangenheit mussten sich Erzieherinnen mit Kindern beschäftigen, die, bedingt durch Migration, nur schlechte Deutschkenntnisse hatten. Doch jetzt ist die Situation viel fordernder“, erklärt Dr. Kristina Edel von der Initiative Sprache.Lesen.Lernen. Allein schon durch die gestiegene Zahl der Flüchtlingskinder, aber auch durch ihre besonderen Bedürfnisse, müssten Erzieherinnen im Bereich Sprachförderung intensiv ausgebildet werden. Die Initiative setzt deshalb, finanziert von World Vision und in Zusammenarbeit mit der Stadt Homburg, ein Konzept zur Sprachvermittlung um.

Im Mittelpunkt stehen dabei Wege, wie Kinder ohne Deutschkenntnisse integriert werden können. Kristina Edel: „Es ist ungeheuer wichtig, dass Kinder von Anfang an richtiges Deutsch lernen. Den Umgang mit definierten Artikeln zum Beispiel, oder mit Präpositionen. Denn ohne entsprechende Kenntnisse kann man zum Beispiel auch die Textaufgaben in Mathe nicht verstehen.“

Professionelle Sprachförderung von Migranten-  und Flüchtlingskindern - bidher kein Bestandteil der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern.

Professionelle Sprachförderung von Migranten- und Flüchtlingskindern – bisher kaum Bestandteil der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern.

Die Erzieherinnen sind mit Eifer dabei, lernen, dass es nicht darauf ankommt zu korrigieren. Sondern eine sprachlich falsche Aussage des Kindes, etwa:  „Wo ist die Ball?„ in korrekter Form zu wiederholen: „Da ist der Ball“. Und sie erfahren, dass Lernen leichter fällt, wenn man sieht, worum es geht.  „Also nicht über den Ball reden, sondern ihn in die Hand nehmen, ihn einbinden“, sagt Ute Strohschein-Baeck zu den Teilnehmerinnen des Seminartages. Sie ist ebenfalls von der Initiative Sprache.Lesen.Lernen. In insgesamt fünf Kitas in Bad Homburg werden Strohschein-Baek und Edel ihr Konzept umsetzen. Mit Seminaren, Gesprächen, Beratung und Supervision. Letztlich werden so mehrere hundert Kinder von den neuerworbenen Kompetenzen profitieren.

„Das  war auch unser Ziel, als wir uns überlegten, wie wir Flüchtlingskindern in Deutschland helfen können“, sagt Christoph Hilligen vom Vorstand von World Vision. „Da wir bislang nur in der Katastrophenhilfe und in der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit im Ausland aktiv waren, wollten wir keine zusätzlichen, eigenen Strukturen für unsere Arbeit in Deutschland aufbauen. Und haben stattdessen nach Partnern gesucht, die unsere Überlegungen effektiv umsetzen können. Das ist uns mit Sprache.Lesen.Lernen gelungen.“

World Vision engagiert sich bereits mit Kinderbetreuungszentren in Deutschland

World Vision engagiert sich bereits mit Kinderbetreuungszentren in Deutschland.

Die Sprachförderung von Kitakindern ist ein Baustein im Konzept von World Vision. So werden in Kinderbetreuungszentren spezielle Schutz-  und Spielräume für Flüchtlingskinder eingerichtet und mit Utensilien zum Basteln, Malen, Musizieren und Lernen ausstaffiert. Eine Gruppe von besonders schwer traumatisierten Jugendlichen trifft sich regelmäßig zum Austausch in einer psychoedukativen Initiative, um dort über Ängste, Probleme und Erlebtes zu sprechen. Und in wenigen Wochen starten die ersten Spielmobile, die gezielt Flüchtlingsheime und Erstaufnahmelager ansteuern, um den Kindern dort Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung zu bieten.

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