Wenn ein ganzer See verschwindet – El Nino in Mosambik

Blog Mosambik 1

Zuerst hörte es auf zu regnen. Dann stiegen die Temperaturen so hoch, dass sie nicht mehr zu ertragen waren.

Viele Jahre ernährte der See Nhangule in Mosambik die Menschen, die an seinen Ufern lebten. Doch das El Nino Phänomen änderte alles. Die Fischer mussten zusehen, wie nach und nach ihr See immer weniger Wasser führte und das Wasser verdunstete. Irgendwann bestand das Gebiet, wo einmal viele Fische schwammen, nur noch auch einem schwarzen, moderigen Fleck.

Das war der Moment, als die Bewohner des Fischerdorfes Chimoine ihre Sachen packten und ihre Heimat verließen.

Nur noch Pfützen sind von der Lebensquelle See übrig geblieben

Nur noch Pfützen sind von der Lebensquelle See übrig geblieben

Paulino Muchanga, der noch als einer der wenigen in der Nähe des verlassenen Dorfes ausharrt, erzählt, wie das Klima ganze Menschenmassen zur Flucht bewegt. „Wir waren hier ungefähr 500 Einwohner“, schätzt er. Eine unheimliche Atmosphäre liegt auf der Gegend. Es sieht aus, als hätten die Menschen fluchtartig alles stehen und liegen gelassen. Die Hütten sind verlassen, Boote und Fischernetze liegen an dem Fleck, der einst ein See war. Man sieht, dass es den Menschen mal gut ging.

„Schon einmal ist der Fluss ausgetrocknet“, erzählt Paulino. „Dies war in der Saison 2003/2004 der Fall. Viele Gemeinden sind von der anhaltenden Dürre betroffen, aber die Menschen in unserem Dorf haben in den letzten Jahren besonders unter den wechselnden Wetterkatastrophen gelitten.“ Normalerweise gibt es in der Region eher Hochwasser und Überflutungen.

Katastrophenwarnstufe Orange ausgerufen

Mehr als 425 000 Hektar Anbaufläche – meist in den südlichen und zentralen Teilen von Mosambik –sind von der anhaltenden Trockenheit betroffen. Etwa 200.000 Haushalte sind akut von der Dürre betroffen. Mehr als 3500 Rinder sind als Folge der Krise gestorben.

Tiere sterben, Kinder hungern

In der Stadt Mareze fürchtet sich Filimone Mate, Vater von 7 Kindern, vor der Zukunft. Bereits 10 seiner 86 Kühe sind gestorben, da Filimone nicht mehr genug Futter und kein Wasser mehr für sie hatte. Er hat Angst, dass noch mehr sterben könnten. „Das Wasser verdunstet und zurück bleibt nur salziges Brachwasser. Wenn die Kühe dies trinken, sterben sie.“

Die Gesundheitsstationen kämpfen gegen die Folgen des Hungers

Die Gesundheitsstationen kämpfen gegen die Folgen des Hungers

Auch in den Nachbardörfern sind bereits viele Haustiere verendet. „In neun Dörfern haben wir schon 685 Kühe durch die Dürre verloren. Mein Nachbar, Francisco hat den Verlust von 15 Kühen gemeldet. Nur 9 sind ihm geblieben“, erzählt Armando Chadreque Nheve, Bezirkschef von 17 Dörfern. In der Region sind fast alle 14 Wasserlöcher ausgetrocknet oder liefern nur noch dreckiges und salziges Wasser. Die etwa 17.000 Menschen, die in der Region leben, werden nur noch aus der Bezirkshauptstadt mit sauberem Wasser beliefert. „Die Situation ist wirklich dramatisch“, so Armando. Er betont, dass die Menschen in der Gegend schon immer abhängig von der Landwirtschaft waren. Gerade hätte man auch ganz neu mit Viehzucht begonnen und jetzt würden sie alle sterben. „Bisher habe ich zwar noch nicht gehört, dass Kinder sterben, aber ich sehe, wie sie leiden und viele von ihnen schon stark abgemagert sind“, klagt der Bezirkschef.

Filimone wünscht, er hätte die Weisheit besessen, schon vor Monaten seine Kühe zu verkaufen. „Hätte ich gewusst, was auf uns zukommt, dann hätte ich die Kühe schnell verkauft. Jetzt will keiner sie mehr haben, weil sie so dünn sind. Die Käufer lachen uns aus.“ Inzwischen kostet eine Kuh nur noch umgerechnet 17 US-Dollar. Das ist weit unter dem Preis, den Filimone einst für eine Kuh bezahlt hat. Normalerweise kostet eine Kuh in Mosambik mehrere hundert Dollar.

Das Dorf Chimoine macht einen traurigen Eindruck. Ein paar Kinder treiben die abgemagerten Kühe auf den ausgetrockneten Feldern vor sich her in der Hoffnung noch irgendwo etwas Futter oder Wasser zu finden. Armando, ein Mitarbeiter des Bezirkschefs erzählt, dass die Menschen überall hin geflohen sind. „Einige sind in die Nachbarstädte gegangen und andere sind nach Südafrika geflohen.“

Klimaflüchtlinge nehmen zu

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hat ausgerechnet, dass in den kommenden Jahren rund 200 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen, da sie die Wetterbedingungen nicht mehr ertragen.

World Vision ist auf allen Kontinenten mit langfristiger Entwicklungszusammenarbeit aktiv und reagiert auch akut auf die durch El Nino verursachten Katastrophen in Asien, Afrika und Südamerika.

Immer mehr Menschen flüchten wegen der El Nino-Dürre

Immer mehr Menschen flüchten wegen der El Nino-Dürre

In den Ländern im südlichen Afrika werden Kinder in den Schulen mit Essen versorgt. Ein besonderes Augenmerk richten die Mitarbeiter der Organisation auf stillende Mütter und Kleinkinder, an die regelmäßig Nahrungsmittel ausgegeben werden.

In Südamerika unterstützt die Kinderhilfsorganisation die Menschen mit speziellen Anbautechniken, beispielsweise der konservierenden Landwirtschaft, Agroforstwirtschaft, Bewässerungssystemen und der Verteilung von dürreresistenten Pflanzen.

In seiner langfristigen Entwicklungszusammenarbeit fördert World Vision bereits in etwa 20 Ländern die regnerative Wiederaufforstungsmethode FMNR (farmer managed natural regeneration), die auf dem Vorhandensein von gesundem Wurzelwerk ehemaliger Bäume basiert.

Wenn Sie den Opfern von El Nino helfen möchten:

https://www.worldvision.de/spenden-katastrophenhilfe-hungersnot-in-afrika.php?&affili_id=10371&r=10371&ref=m

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