Äthiopien: Wenn Wälder Hunger und Durst stillen….

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Legesech Debolah ist 28, hat zwei Kinder und kann sich noch gut daran erinnern als es keinen Wald in der Nähe gab. „Die Berge waren völlig kahl und wenn es regnete, wurden Felsen und Erde ins Tal geschwemmt und zerstörten die Häuser und Äcker der Menschen. Es gab sogar Tote“, erzählt Legesech. „Es war extrem heiß und wenn es wieder mal eine Dürre gab, hatten wir nichts mehr zu essen.“ Zum Wasser holen mussten die Frauen in der Nacht lange Strecken laufen. Tagsüber war das Wasser im Fluss zu dreckig, weil die Menschen das Wasser auch zum Wäsche waschen nutzten.
Vor etwa 10 Jahren begann die Kinderhilfsorganisation World Vision damit, die Region um die südäthiopische Stadt Sodo wieder aufzuforsten. Dazu förderte die Organisation eine Methode, die sich FMNR (farmer managed natural regeneration) nennt und auf der Nutzung der noch im Boden vorhandenen Wurzeln beruht. Die Wurzeln werden für eine Weile in Ruhe gelassen und geschützt und schon nach etwa einem Jahr sieht man wieder kleine Bäume. Diese Art der regenerativen Wiederaufforstung ist sehr effektiv, weil auch die ursprünglich in der Gegend beheimateten Pflanzen und Bäume, die an das entsprechende Klima angepasst sind, wieder wachsen.

Wasserquellen spenden sauberes Trinkwasser

Jetzt fließt eine Quelle in der Nähe von Legesechs Hause und sie braucht nur wenige Schritte zu laufen, um sauberes Trinkwasser für sich und ihre Familie zu holen. Die Berge sind wieder grün, 13 Quellen, die zum Teil versiegt waren, sind zurückgekommen und fließen zum Teil ganzjährig. Der Fluss liefert ganzjährig Wasser und es gibt sogar einen Wasserfall. Das Klima ist erheblich besser, als in den Dürreregionen. Ein angenehmer Wind weht und durch die Feuchtigkeit, die die Bäume abgeben, bilden sich Wolken. Es sieht nach Regen aus.
Wir fühlen uns in eine deutsche Berglandschaft versetzt und können kaum glauben, was wir sehen. Zwei Jungen kommen uns mit ihren wohlgenährten Kühen entgegen. „Mein Gott, das sieht hier ja aus wie in Heidi-Land“, sagt einer aus unserer Gruppe.

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Diese Szenerie ist so erstaunlich, weil wir während der Fahrt in die Humbo und Sodo-Region viele verdorrte Felder und abholzte Berge gesehen haben. Einige Gegenden sind völlig erodiert, die fruchtbaren Böden weggeschwemmt. Der Regen hat tiefe Furchen in die Erde gegraben. Man fühlt sich an eine Marslandschaft erinnert.
Äthiopien leidet derzeit unter einer der schlimmsten Dürren der letzten Jahrzehnte. Wie in vielen Ländern Afrikas schlägt das Klimaphänomen El Nino auch hier erbarmungslos zu. Mehr als 10 Millionen Menschen leiden in dem ostafrikanischen Land Hunger.

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Volle Getreidespeicher trotz Dürre

Auch in der Region rund um Sodo hat es seit vergangenem September etwa 5 Monate lang nicht geregnet. Doch die Menschen konnten Vorräte anlegen und haben genug Getreide, Gemüse und andere Lebensmittel, um noch einige Monate durchzuhalten bis der nächste Regen kommt.
Stolz zeigen uns die Mitglieder der Community ihren vollen Speicher. Allein hier konnten 118 Tonnen Getreide für schlechte Zeiten vorgehalten werden. Bis Mai können die Familien anmelden, wieviel sie für sich und ihre Familien benötigen, um die Dürre zu überstehen. Das Getreide wird an die Community Mitglieder zu einem günstigen Preis abgegeben. Der Rest, der nicht benötigt wird, wird auf dem Markt zu einem guten Preis verkauft.

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Berata Bassa, Vorsitzender der Community zeigt uns auch die Bienenstöcke und die Apfelbaumsetzlinge.
Allein durch den Verkauf des Honigs, der eine sehr hohe Qualität besitzt, konnte die Community im vergangenen Jahr rund 800 US-Dollar einnehmen.
World Vision möchte den Menschen helfen, die Produktion weiter aufzustocken, damit der Honig im großen Stil auch in andere Länder exportiert werden kann.

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Auch die Apfelbaumsetzlinge können für einen guten Preis auf dem Markt angeboten werden. Zusätzlich erhalten die 7 Communities Geld aus dem Emissionshandel. Das Geld wurde für Speicher und Getreidemühlen investiert und die Mitglieder der Kooperativen können Kleinkredite bekommen.
Die Menschen träumen davon, dass Touristen kommen, denn die Gegend ist bekannt für ihre vielen Vogelarten. In den Wäldern gibt es viele andere Tierarten wie Leoparden, Warzen- und Stachelschweine, Gazellen, Hyänen und Affen. Im nahe gelegenen See kann man Krokodile und Nilpferde beobachten.

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Die Region rund um Sodo boomt. Man sieht es der Stadt an, dass es den Menschen gut geht. Die Märkte sind voller Früchte, es gibt zwei Universitäten und immer mehr Hotels werden gebaut.
Im Jahr 2013 – 7 Jahre nach dem Start des Wiederaufforstungsprogramms – konnten die Kooperativen sogar 106 Tonnen Getreide an das World Food Programm verkaufen, nachdem sie zuvor 20 Jahre lang unter ständig wiederkehrenden Dürren litten.
Die äthiopische Regierung hat auf der Klimakonferenz in Paris versprochen, etwa 22 Millionen Hektar Wald wieder aufzuforsten. Alternative Energien wie Wind- und Solarenergie sind auf dem Vormarsch. Doch Wälder sind nicht nur wichtig für die Bindung von Kohlendioxid, sie sind auch von großer Bedeutung für die Gesundheit und Ernährungssituation der Menschen und Kinder. Wälder stillen Hunger und Durst und verändern sogar das Mikroklima.

Die Kinder hier in Sodo zeigen keine Anzeichen von Hunger. Voller Energie rennen sie ausgelassen und schreiend hinter unseren Autos her. Sie lachen uns an und freuen sich über unseren Besuch.

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