Frauen in Nepal erzählen: Das Beben ist noch im Kopf, die Zukunft voller Fragezeichen

Ganga vor Huette

Der Himalaya-Staat leidet ein Jahr nach dem Erdbeben noch immer massiv unter den Folgen der Katastrophe. Der offizielle Wiederaufbau läuft erst jetzt an, und besonders die hoch gelegenen Bergdörfer können nur sehr schwer mit Materialien versorgt werden. Unsere Mitarbeiterin hat mit Frauen in der hart getroffenen Provinz Sindhulpalchowk über ihre Lage gesprochen und berichtet über den Stand der Hilfe.

Von Ankush Chanise, World Vision Nepal

“Wir erreichen Bhimtar in fünf Minuten”, sagt Amul. Ich stelle mir die Bilder vor, die mich gleich erwarten – in einer der am stärksten zerstörten Gegenden der Provinz Sindhulpalchowk nordwestlich von Kathmandu. Dann blicke ich in ein Tal an einem Fluss, und die Realität liegt vor mir, als der von unserem Geländewagen aufgewirbelte Staub sich langsam auflöst. Sie bezeugt vor allem, wie groß die Katastrophe war und wie wenig sie sie bisher überwunden ist.

Das verheerende Erdbeben am 25. April 2015 und die nachfolgenden Beben den Dorfbewohnern, die hauptsächlich von Landwirtschaft und vom Fischfang leben, nicht viel übrig gelassen. Nur Steinhaufen erinnern an die aus Lehm und Steinen gebauten Häuser, die einfach in sich zusammen fielen.

152 Familien haben in Bhimtaar  ihre Häuser und das meiste, was sie dort aufbewahrten verloren. Sie haben sich Notunterkünfte gebaut und hoffen hier dringend auf Hilfe für den Wiederaufbau, der wegen vieler Hindernisse im ganzen Land noch nicht richtig begonnen hat. World Vision will das hart getroffene Dorf beim Neuanfang unterstützen. In den vergangenen Monaten wurden die ärmsten Familien bereits mit Werkzeugen und Wellblechen für Dächer unterstützt.

shelter_ADH

Ich besuche Ganga, die mir die Folgen des Erdbebens schildert. Ihre 9köpfige Familie wohnt nicht mehr in einem großen Haus, sondern in einer Hütte, die aus einem einzigen Raum besteht. “Vor allem mit den größeren Kindern ist das oft schwierig, aber man muss eine Situation akzeptieren, wenn man keine andere Wahl hat”, sagt die 45jährige Mutter. Sie sorgt sich mehr darum, ob die Kleinen die nächste Regenzeit und den heißen Sommer überstehen werden. Schlangen, die durch die Ritzen kriechen könnten, machen ihr auch Angst, aber sie sagt: “In einer provisorischen Hütte zu leben ist immer noch besser als in einem unsicheren Haus, das zum Grab werden kann”. Ganga war nach dem Erdbeben stundenlang unter Schutt begraben und glaubte, ihre ebenfalls verschüttete Tochter Anjali (7) nicht mehr lebendig wieder zu sehen. Halb bewusstlos und verletzt wurde die Tochter jedoch schließlich aus den Trümmern geborgen. Noch immer gerät das Mädchen in Panik, wenn sich etwas wie ein Beben anfühlt.

Ganga's daughters and Anjali in the right

Die Frauen, mit denen ich spreche, haben keine Ahnung, wie ihr Dorf ohne Hilfe alles neu aufbauen könnte. Zwar wurden hierfür staatliche Hilfen versprochen, aber bisher sind diese noch nicht ausbezahlt worden. “Wenn unsere Maurer wüssten, wie man sicherer bauen kann, dann wäre diese Katastrophe nicht so groß gewesen”, ist die 29jährige Shushma überzeugt. An dieser Erkenntnis will mein Kollege Abul mit seinem Projekt anknüpfen. Lokale Handwerker sollen lernen und dann vormachen wie man mit einfachen Methoden sicherere Häuser bauen kann.
Ergänzend dazu wollen wir dem Dorf helfen, verlorene Existenzgrundlagen wieder zu gewinnen oder auch neue Chancen zu ergreifen.

World Vision-Hilfe kurz gefasst:

Seit über 20 Jahren in Nepal tätig, hat World Vision nach dem Erdbeben schnell Hilfe auf den Weg gebracht und im ersten Jahr rund 386.000 Menschen  erreicht. Der Fokus lag bei der Unterstützung von besonders verletzlichen Kindern, Frauen und Angehörigen ethnischer Minderheiten. Spenden aus Deutschland wurden unter anderem für die Trinkwasserversorgung, die Ausstattung von Behelfswohnungen und für Winterhilfen verwendet.

Quickfacts Nepal 3

Bei der begonnenen Aufbauarbeit konzentriert sich World Vision auf 5 besonders betroffene Distrikte und hat dort Teams im Einsatz, die eng mit den Gemeinden, wie auch mit lokalen und internationalen Partnern kooperieren.

Weitere Beispiele der World Vision-Hilfen in Nepal finden Sie in diesen Beiträgen:

Wiederaufbau in Nepal: Innovation bringt neue Chancen

Bühne frei für besseren Hausbau in Nepal

Geburtshäuser: Hoffnung  für junge Mütter


 

Schreiben Sie einen Kommentar


× 3 = achtzehn