Mein Besuch bei Estrella: Eine Herzensangelegenheit

Estrella_und_Susanne

Ein Beitrag von Susanne Kraus

Seit ungefähr 3 Jahren bin ich Patin eines kleinen Mädchens. Ich wollte gerne ein Mädchen unterstützen in einem Lateinamerikanischen Land. Die Lateinamerikanischen Tänze fand ich immer schon sehr schön. So wurde mir Estrella vorgestellt. Ich sah ihr Foto und fand sie direkt ganz bezaubernd.  Estrella wird Ende März 8 Jahre alt und besucht inzwischen die Schule.

Estrella

Eine Patenschaft auf dem Papier ist eine Sache, ein persönliches Treffen und damit ein eindrucksvolles Erlebnis mit dem Patenkind aus einem fernen Land aber doch noch etwas ganz anderes. So entstand die Idee zu reisen und Estrella zu besuchen. Im Januar 2016 reiste ich also in die Dominikanische Republik. In den Tagen vor dem Besuch im Projektgebiet hatte ich schon einiges vom Leben dort gesehen. Zusammen mit einem einheimischen Touri Guide war ich schon 10 Tage unterwegs gewesen z.B. nach Puerto Plata, Santo Domingo auch ins Hinterland zur Familie und weitere interessante Ausflüge. So hatte ich schon viel Kontakt zu den Einheimischen bekommen und Leben an der Basis kennengelernt.

Am Besuchstag wurde ich morgens um sieben Uhr vom Hotel in Cabarete von meinen WV Begleitern Claudia und einem Fahrer abgeholt. Der Weg nach Dajabón war weit, wir hatten einige Stunden Autofahrt vor uns.

Gegen Mittag kamen wir dann beim Projektbüro an. Zunächst wurde ich sehr herzlich begrüßt und es gab ein Meeting, wo mir von den Projektmitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausführlich berichtet wurde, was im Einzelnen so alles gemacht wird um die Familien vor Ort zu unterstützen und zu begleiten. Da ich kein Spanisch verstehe übersetzte Claudia mir alles ins Englische.

Team_WV

Danach war es dann soweit, der Moment war gekommen ich sollte Estrella endlich kennenlernen. Ich war schon ganz schön aufgeregt. Ich hatte gelesen, dass man nicht allzu viel erwarten solle, es sei ja ein fremdes Kind. Das hatte ich auch nicht. Allerdings es kam ganz schön anders. Vielleicht lag es daran, das Estrella schon ein Foto von mir hatte und sich nicht so fremd fühlte. Jedenfalls sie sah mich und kam unvermittelt auf mich zu und umarmte mich so feste, dass ich ganz überrascht und gerührt war. Das war ein Moment, den werde ich niemals vergessen.

Feste_Drcken

Estrella war mit Ihrem Papa und ihrer Oma gekommen. Ihre Mutter war bei der Arbeit und wir würden sie später besuchen. Nachdem diese wirklich ausgesprochen schöne Begrüßung vorbei war, wurden erst mal Geschenke ausgepackt.

Ich hatte ihr einen Glücksbringer mitgebracht, ein Kinderbuch in spanischer Sprache und einige andere Kleinigkeiten. Zudem bekam sie einige Pesos, die sie wenig später gleich in Süßigkeiten verwandelte. Es war wirklich schön zu erleben was für ein lebenslustiges fröhliches Mädchen Estrella ist. Ich fand es sehr schön wie sehr sie auch meine Nähe suchte und keinerlei Berührungsängste hatte.

Nach der Bescherung, fuhren wir dann alle gemeinsam in dem Bus mit dem wir angereist waren los um Estrellas Mutter auf ihrer Arbeitsstelle einer Banca zu besuchen und einzelne Projektstationen. Bei Estrellas Mutter lernte ich auch Estrellas großen Bruder Juan Carlos kennen, den Estrella cool findet.

Familie_und_Susanne

Danach besuchten wir den Unterricht für Mütter zur Vermeidung oder Verminderung der Unterernährung von Kindern. Es waren ganz viele Mütter mit ihren Kindern anwesend und erlebten anschaulich wie die Lebensmittel in einer Maschine/ Mühle gemahlen und dann zu einem leckeren und nahrhaften Getränk für die Kinder verarbeitet wurden. Die Zahl der unterernährten Kinder war schon rapide gesenkt worden seitdem die Mütter diesen Unterreicht erhielten.

Unterricht1

Eine junge Mutter bedankte sich sehr herzlich bei mir für die Unterstützung durch das Projekt und beschrieb ihre Freude darüber, dass ihre Tochter so eine Chance im Leben habe, die ohne die Unterstützung durch Word Vision nicht gegeben wäre. Überhaupt begegnete mir überall eine große Dankbarkeit. Mich überraschte das schon, denn ich spende ja nur einen Betrag von monatlich 35 Euro. Der Dank konnte nicht nur mir alleine gehören. Ich war in dem Moment -weil ich vor Ort war- die Glückliche, die stellvertretend für alle Spender und Paten erleben durfte, welchen Beitrag World Vision zur Verbesserung der Lebensumstände für die Menschen leistet und wie dankbar und froh die Menschen darüber sind.

Als wir zur Erinnerung ein Gruppenfoto machten, wurde noch ein Gebet gesprochen. Ich wurde mit Dank in dieses Gebet einbezogen und das war erneut ein Moment, der mir die Tränen in die Augen treten ließ. Können wir Menschen in den Industrienationen uns doch gar nicht vorstellen, was Entwicklungshilfe eigentlich bedeutet. Also ich zumindest hatte keine wirkliche Vorstellung davon, was alles geleistet wird und wie notwendig es auch ist.

Gruppenfoto_Mütter_Kinder

Als nächstes besuchten wir die Area für die Jugendlichen. Ziel ist es die Jugendlichen sinnvoll zu beschäftigen, ihnen einen Anlaufpunkt zu bieten um sie vor dem Abrutschen in die Kriminalität und Drogen zu bewahren.

Gebäude_Jugend

Stolz wurde berichtet, wie man gemeinschaftlich dafür gekämpft hatte, das Grundstück zu erwerben um die Stätte der Begegnung für die Jugendlichen bauen zu können. Es waren natürlich auch Jugendliche und Helfer vor Ort.

Helfer+Jugendliche

Danach führen wir zum Mittagessen. Hier waren leider die Sprachbarrieren zu groß um einfach darauf los zu plaudern. Aber mit Hilfe Claudias Übersetzung erfuhr ich, dass Estrella gerne Ärztin werden möchte. Ich hoffe, ihr Berufswunsch erfüllt sich.

Mittagessen

Es waren sehr viele bewegende Eindrücke für mich. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich die bewegenden Erlebnisse verarbeitet hatte. Herzlichen Dank!

Natürlich habe ich durch den persönlichen Kontakt eine besondere Verbindung zu Estrella und Ihrer Familie bekommen. Eine Herzensangelegenheit.


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4 Kommentare

  1. Walter Groß, 6. Mai 2016

    Hallo Frau Herr,
    sehr schöner Bericht. Kann Ihnen fast nachempfinden wie es ist sein Patenkind zu besuchen. Ich finde es immer schön zu lesen wie dankbar die Menschen sind. Bin ein gestandener Kerl, aber auch bei diesem Bericht, hatte ich feuchte Augen. Werde es wohl nie schaffen mein Patenkind in Guatemala zu besuchen, aber so lange es geht werde ich versuchen es weiterhin zu unterstützen. Hoffe das noch viele Menschen so denken wie wir und die anderen Paten, damit das Leid gemildert wird.
    Vielen Dank für Ihren Bericht. PS: Die Kleine ist ja auch wirklich goldig :-)

  2. Zimmermann, 15. Juni 2016

    Liebe Patin, mit Vergnügen habe ich diesen Bericht gelesen, habe ich doch seit Dezember 2011 ebenfalls ein Patenmädchen in der Dominikanischen Republik über Plan und seit Januar 2014 eine weitere Patenschaft in Peru über World Vision. Auch ich beabsichtige, mein Patenmädchen in der DomRep. eines Tages einmal zu besuchen. Mir kamen auch kurzzeitig die Tränen. Danke für diesen tollen Bericht.

  3. Zimmermann, 15. Juni 2016

    Ach so, was ich noch vergaß: wie wäre es denn, wenn Sie einen Spanischkurs belegen? Die Sprache ist so wunderschön und bei Ihrem nächsten Besuch könnten Sie zumindest einen kleinen Smalltalk halten :-) Liebe Grüße

  4. Renk, Marlies, 16. Juni 2016

    Liebe Frau Herr,
    ein wunderbarer Bericht. Ich kann jeden einzelnen Ihrer Punkte nachempfinden, denn auch ich habe seit letztem Jahr ein Patenkind in Kenia und auch mein Traum ist es, dieses in absehbarer Zeit mal zu besuchen. Ich hoffe, es bleibt kein Traum. Ihr Bericht hat mir sehr viel Mut gemacht. Danke

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