Ein Besuch beim neuen Patenkind

Thao mit Mutter und Paten

Ein Bericht von Robert Sager

Vor einem Jahr haben meine Frau Angi und ich beschlossen, eine Reise nach Kambodscha und Vietnam zu planen. Für uns war es klar, dass wir diese Reise mit dem Besuch meines Patenkindes in Vietnam verbinden wollten. Somit nahm ich rechtzeitig Kontakt mit dem Patenservice von World Vision auf, um mich über die Details eines Besuchs aufklären zu lassen.

Natürlich sind einige Formulare auszufüllen, aber der Aufwand hält sich in Grenzen. Allerdings nahm der Besuch eine nicht geplante Wende: ich bekam die Mitteilung, dass das Projekt im August 2015 geschlossen wird und somit ein Besuch des Patenkindes, das ich über mehrere Jahre unterstützt hatte, nicht mehr möglich sei. Die Mitarbeiterin vom Patenservice hat mich aber auf ein neues Projekt in der Nähe von Ho Chi Minh City hingewiesen. Für mich war es von vornherein klar, dass ich mich bei World Vision weiter engagieren möchte. Somit nahm ich den Vorschlag an, ein Patenkind aus der Provinz Bin Chanh (in der Nähe von Ho Chi Minh City) zu unterstützen. Ein paar Umplanungen im Reiseablauf waren noch notwendig, stellten aber letztendlich kein Problem dar.

Ein paar Wochen vor Reisebeginn erhielt ich per Mail den geplanten Ablauf des Besuchs und eine Kontaktadresse des lokalen Büros von WV in Ho Chi Minh City. Mal kurz gegoogelt und ich habe festgestellt, dass unser Hotel ca. 8 km vom Büro entfernt liegt. Somit also kein Problem, das Büro mit dem Taxi zu erreichen. Zur Sicherheit habe ich mir die geschätzte Fahrzeit von der WV Mitarbeiterin in Vietnam per Mail bestätigen lassen. Wir wollten ja nicht zu spät kommen.

Thao

Drei Tage vor dem Ende unserer erlebnisreichen Reise war es dann soweit: der Besuch der 6 Jahre alten Thi Thao und ihrer Familie lag als krönender Abschluß der Reise vor uns. Kurz vor 08:00 hat uns ein Taxifahrer sicher durch den chaotischen Verkehr zum WV Büro gefahren. Mrs. Thi Dung mit ihren Mitarbeitern empfing uns herzlich und im Rahmen von einer kleinen Präsentation konnten wir uns einen Überblick über die Ziele des „Binh Chanh Urban Area Development Program“ machen. Nachdem die Vietnamesen genauso fotobegeistert sind wie ich, ging es erst nach einigen Fotos zur Grundschule von Thi Thao. Diese liegt ca. eine Fahrstunde mit dem Mietwagen entfernt. Dort erwarteten uns im Lehrerzimmer, die Direktorin, Lehrer und Volunteers, die WV vor Ort unterstützen. Kurz nach der „offiziellen“ Begrüßung kam dann Thi Thao mit Ihrem 9 Jahre alten Bruder und ihrer Mutter. Die zierliche Thao begrüßte uns sehr schüchtern, aber nachdem wir ihr und dem Bruder unsere kleinen Mitbringsel gegeben hatten, war das Eis gebrochen. Nachdem die WV Mitarbeiter tatkräftig als Dolmetscher fungiert haben, erfuhren wir einiges über die Familie und sie über uns. Auch wurde deutlich wie sehr die Arbeit und Unterstützung von WV benötigt und geschätzt wird.

Mittagessen

Anschließend fuhren wir mit allen Beteiligten in ein kleines Restaurant zum Mittagessen. Für Erheiterung sorgten die Versuche meiner Frau mit Stäbchen zu essen. Bei Erfolg gab’s anerkennenden Applaus der Einheimischen. Nachdem Essen musste uns nun Thao mit ihrer Familie leider verlassen, da die Mutter wieder zur Arbeit musste. Sie bedankte sich nochmals sehr herzlich für unserer Hilfe und Unterstützung und wir wünschten uns gegenseitig alles Gute für die Zukunft.

Thao mit Bruder

Für uns war aber der Besuch noch nicht zu Ende. Nach einer kleinen Kaffeepause in einem typisch vietnamesischen „Coffee Shop“ mit Hängematten ging es zum Child Club der Pham Van Hai Kommune. Hier werden Kinder unterrichtet und unterstützt, die keinen Zugang zu der staatlichen Schule haben. WV verbessert die Lernbedingungen, wie z. B. neue Schulbänke, eine kleine Bibliothek und Schuluniformen. Zudem wird über Informationsveranstaltungen z.B. über Gesundheit/Hygiene versucht, das familiäre Umfeld zu verbessern. Nach der offiziellen Begrüßung durch eine Vertreterin der Kommune und des Clubs, durften wir an einer Schulstunde teilnehmen und auch tatkräftig mitmachen, was natürlich auf Grund unserer fehlenden Kenntnisse in der vietnamesischen Sprache für alle Beteiligten sehr lustig war. Sowohl die Kinder als auch die Lehrer und Volunteers waren voll begeistert bei der Sache und das trotz 40 Grad und 80% Luftfeuchte im Klassenzimmer. Die Kinder durften uns dann noch Fragen stellen und als ich auf dem Globus zeigen wollten, wo denn Deutschland liegt, sind alle auf mich zugestürmt, so dass der Globus sich aus der Verankerung löste. Nach einer kurzen Reparatur war dann die Weltkugel wieder im Lot.

Aber auch der schönste Tag geht mal zu Ende. Mit vielen positiven und bewegenden Eindrücken sind wir wieder ins WV Büro zurückgefahren, vor allem mit der Gewissheit, dass jeder Cent den man an WV spendet, richtig investiert ist. Die jungen Mitarbeiter vor Ort sind engagiert und mit Eifer bei der Sache. Nach einem Austausch der Fotos und einem herzlichen Abschied hat uns der Mietwagenfahrer wieder sicher ins Hotel gebracht. Das Projektende in Bin Chanh wurde auf 2029 festgesetzt, wer weiß, evtl. kommen wir wieder zurück.

Herzlichen Dank an das WV Team in Deutschland und Vietnam für die nette Unterstützung bei der Planung und Durchführung dieses Besuchs.


Wenn die Projektarbeit zu Ende geht

Viele Paten haben engen Kontakt zu ihrem Patenkind. Wenn das Projekt, in dem das Patenkind lebt, zu Ende geht, sind manche Paten traurig. Dabei ist der Abschied ein Anlass zur Freude. Er bedeutet, dass die Bewohner des Projektgebietes selbstständig weiterarbeiten.

Sabina_Meurer

Sabina Meurer, Leitung Paten- und Spenderservice, erklärt:Unser Ziel ist es, Kindern und Familien in armen Ländern die Kraft zu geben, sich selbst zu helfen. Wir vermitteln den Menschen, was sie tun können, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern – nachhaltig und langfristig. Für die Projektarbeit planen wir ca. 15 Jahre ein. Aus Erfahrung wissen wir: Veränderung geht nicht von heute auf morgen. Das kann auch mal ein paar Jahre länger dauern als geplant. Erst wenn sich abzeichnet, dass die verschiedenen Maßnahmen das Kindeswohl wirksam verbessern, zieht sich World Vision aus einem Projektgebiet zurück.

Von Anfang an arbeiten unsere World Vision-Mitarbeiter vor Ort eng mit den Bewohnern im Gebiet zusammen. Gemeinsam werden Pläne gemacht und umgesetzt, damit sich die Kinder und ihre Familien aktiv an der Entwicklung ihrer Heimat beteiligen. World Vision nimmt sozusagen die Bewohner anfangs an die Hand, um ihnen den Weg aus der Armut zu zeigen. Nach und nach werden die Fortschritte sichtbar, etwa durch Schulungen in der Landwirtschaft (höhere Ernten), zu Hygiene (weniger Krankheiten) oder in der Bildung (bessere Schulabschlüsse).”


 

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