Mein Patenkind Sabthavi, ein Kuh-Projekt und jede Menge Erinnerung

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Ein Bericht von Karin Reuter

Schon lange hatten wir die Reise nach Sri Lanka geplant und somit auch die Gelegenheit gesehen, mein Patenkind Sabthavi und das World Vision Projekt zu besuchen. Nach ein paar notwendigen Formalitäten und einer sehr geduldigen Unterstützung durch World Vision war es dann vor kurzem soweit und der ganz besondere Tag war gekommen. Mein Mann und ich wurden am vereinbarten Tag von Mr. Radeesh und einem Fahrer in Batticaloa abgeholt und starteten die Reise ins Projektgebiet.

Zuerst schauten wir uns einige Stationen im Projektgebiet an. Unser erster Stopp war eine sogenannte Reading Box, dies ist ein Ort des Zusammenkommens und Trainings für die Kinder nach der Schule.
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Allgemein kommt dem Thema Bildung und Lernen eine ganz hohe Bedeutung zu. Wie ich finde ist ist dies ein elementarer Baustein die kommenden Generationen auszubilden, um auch nach der Projektlaufzeit eigenständig ein besseres Leben zu führen. Auch wurde uns erklärt, dass für viele Einrichtungen im Projektgebiet nur die Mittel zur Verfügung gestellt werden, die Manpower liefern die unterstützten Menschen selbst. Dabei lernen sie ebenfalls neues dazu, was für die Zukunft hilfreich ist.

Im nächsten Stopp haben wir eine von World Vision gesponserte Schule besucht, ein ganz tolles Erlebnis. Die Schule war freundlich und überall auf Treppenstufen, an der Wand und rundherum waren zu den bestimmten Fächern Zeichnungen und Themen angebracht. So wird vieles schon spielerisch vermittelt.

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Die Kinder hatten jede Menge Spaß als wir kamen und wir sind als Europäer auch sehr aufgefallen. Wir durften in einer Klasse das Unterrichtsgeschehen unterbrechen und hatten noch ein kurzes Gespräch mit einer Lehrerin. Wir konnten ein paar Fragen über die Fächer und Unterrichtsgestaltung stellen. Und dann ging es noch weiter in eine Vorschule und einen Kindergarten. Oftmals stehen neben diesen aktuell genutzten Räumlichkeiten noch diejenigen, welchen vor Projektstart durch World Vision genutzt wurden (sofern vorhanden). Hier war schon ein ganz gewaltiger Unterschied in der Größe, Anordnung und Ausstattung erkennbar und die Verbesserung wurde sichtbar. Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder entfalten können.

Eine weitere Station auf der Reise durch das Projektgebiet war ein Haus und Garten einer Familie, die von World Vision unterstützt wird. Das Haus veranschaulicht die veränderten Lebensverhältnisse und zeigt somit einen direkten Vorher – Nachher Vergleich, der mich sehr beeindruckt hat.

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Das Haus auf der linken Seite ist das ursprüngliche Wohnhaus der Familie und durch World Vision konnte die Familie in das Haus auf der rechten Seite des Fotos umziehen. Es ist aus unserer Sicht immer noch sehr klein, doch ein richtiges Haus. Weiter ging es dann in den Garten, hier hat uns Mr. Radeesh das „Kuh-Projekt“ erläutert.

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Zuerst habe ich nicht verstanden, was damit gemeint war. Auch war die Kuh gerade nicht da. Es geht im groben darum, den Menschen beizubringen, wie ein Garten und sauberes Gras gepflanzt wird, um eine Kuh zu halten und saubere Milch zu erhalten. Es fehlt oft an grundlegenden Dingen, die für uns Europäer selbstverständlich scheinen, es jedoch nicht immer sind. Es geht im Projekt sehr viel um einfache und simple Dinge, die das Leben der Menschen verbessern. Und vor allem darum, die Menschen zu lehren, selbstständig zu sein und eine Unabhängigkeit zu erreichen. Ein Ziel ist es, nicht von Spendengeldern abhängig zu sein und einen Lebensraum zu schaffen, der nach Ende des World Vision Projekts weiter besteht und ausgebaut werden kann. Dieser Ansatz gefällt mir bei World Vision besonders gut.

Eine weitere Station führte uns zu einem Brunnen, der mit Hilfe von World Vision errichtet wurde und auch beispielhaft für einige andere ist. Dieses Wasser dient dazu, die Felder und Anbauflächen zu bewässern, da die Umgebung von Navithanveli sehr trocken ist.

In einer weiteren Station ging es noch zu einem Krankenhaus, wobei gerade ein neuer Trakt für die Kinderstation gebaut wird, der klimatisiert und mit Fenstern abgeschlossen ist.

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Wir durften einige Räumlichkeiten des Krankenhauses sehen, hatten kurz mit Ärzten Kontakt und konnten uns so ein Bild über die Arbeit von World Vision in diesem Bereich machen.

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Nachdem wir so viele Stationen besichtigt hatten, wurde es Zeit Sabthavi und Ihre Familie zu besuchen. Es war ein ganz besonderer Moment, eine Begegnung von zwei so verschiedenen Welten. Wir fuhren zu ihrem Wohnhaus und wurden von der Familie herzlich empfangen und als erstes wurde ein gemeinsames Erinnerungsfoto geschossen.

Ich hatte mir im Vorfeld viel überlegt, wie das Treffen verlaufen könnte und wie es sein würde. Im letzten Brief von Sabthavi hatte ich gelesen, dass sie beginnen wollte eine Briefmarkensammlung anzulegen. Also habe ich aus Deutschland Briefmarken mitgenommen und so hatten wir einen schönen Einstieg um etwas Zeit miteinander zu verbringen. Mr. Radeesh hat übersetzt und ein paar einfache englische Sätze hat Sabthavi auch gleich beantwortet. Ich habe erfahren, dass sie eine sehr gute Schülerin ist und einmal Ärztin werden möchte. Wir haben uns so gut es geht über verschiedene Themen im Leben und Alltag ausgetauscht und auch die Mutter von Sabthavi war dabei und hat über Ihren Alltag berichtet. Zuvor hat Sie uns noch eine frische King Coconut zum Trinken gebracht. Auch Sabthavis Großmutter war immer dabei und hat sich sehr über ein Foto mit uns gefreut.

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Dann sind wir noch gemeinsam zu einer Kirche in der Nähe gefahren. Sabthavi und Ihre Familie sind christlich und haben uns den Shrine mit einem Holzsplitter aus dem Kreuz Jesu Christi gezeigt.

Im Anschluss haben wir Sabthavi und Ihre Mutter noch zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Wir haben in Gesprächen festgestellt, dass beide noch nie in einem Restaurant waren und wir haben zusammen Rice & Curry gegessen. Im Anschluss gab es für Sabthavi noch ein Schokoladeneis. Dann war es auch schon später Nachmittag und wir sind dann sicher und voller Eindrücke wieder zurück nach Batticaloa gefahren. Ein herzliches Dankeschön an Mr. Radeesh, dem wir wirklich Löcher in den Bauch fragen durften. Es ist schon ein riesiger Unterschied, Berichte zu lesen oder sich vor Ort alles anschauen zu können, erleben und erfahren zu dürfen. Es ändert vieles und hat uns sehr bereichert.

Es war für uns eine ganz besondere Begegnung, wenn sie auch noch recht kurz war. Dennoch habe ich festgestellt, wie unterschiedlich die Leben sind und wie sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Und was für ein Glück es ist, in einem reichen Land geboren worden zu sein und die Möglichkeit zu haben, etwas abzugeben.

Wir haben auf unserer anschließenden Reise durch Sri Lanka noch viele andere Touristen getroffen und einigen von unserem Besuch bei World Vision erzählt. Es hat mich etwas traurig gemacht, dass fast niemand World Vision kannte. Einer fragte mich sogar, wie man denn auf die Idee käme, so zu spenden. Für mich und auch meinen Mann ist es schon lange selbstverständlich. Und ich bin froh, dass viele auch so denken, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Allen Paten ein dickes Dankeschön für die vielen freudigen Kinderaugen!


Auch Sie können ein Kind mit einer Patenschaft unterstützen: Mehr erfahren Sie hier!

6 Kommentare

  1. Sven Beier, 5. Mai 2016

    Sein Patenkind besuchen und einen Traumurlaub machen ist sehr schön.Mit World Vision gutes tun macht Spass.

  2. Jutta Mussong-Löffler, 27. Mai 2016

    Ich lese Besuchsberichte immer sehr gerne. Diesen fand ich ganz besonders beeindruckend, weil er sehr authentisch, mitfühlend und mit so vielen Stationen angereichert war. Insbesondere die Fotos nehmen die LeserInnen mit auf die Reise. Besonders der letzte Absatz ging mir sehr zu Herzen.Ich fühle mich Ihnen, Frau Reuter, sehr verbunden.

  3. Renk, Marlies, 16. Juni 2016

    Ein toller Bericht! Sehr klar gehalten und wirkt absolut authentisch.
    Ich habe seit letztem Jahr ein patenkind in Kenia und beabsichtige, es auch in absehbarer Zeit zu besuchen. Gern würde ich auch für eine Weile vor Ort mitarbeiten in den dort angesetzten Projekten. Ich werde mich also weiter informieren und sehr gern natürlich Berichte, wie den Ihren lesen. Vielen Dank dafür

  4. Simon Schröder, 5. Juli 2016

    Toll geschrieben und es ermutigt vielleicht auch andere eine Patenschaft abzuschließen. Ich habe bereits eine und wir sind am überlegen noch eine weitere einzugehen. Wobei ich nicht weiß, ob das persönliche besuchen wirklich gut ist, oder?

    Ich hatte meine Gedanken ebenfalls in einem Blogbeitrag niedergeschrieben, weil ich meine Gesellschaft um mich herum oft nur schwer aushalte. Vielen ist es egal was mit Menschen passiert; hauptsache, sie sind weit genug weg. Wenn der Link nicht gewünscht ist bitte löschen: http://gadsumo.de/kinderpatenschaft-warum-wir-endlich-etwas-tun-sollten/

    Ich hab bewusst auf die Nennung von Anbietern verzichtet. Ich glaube, dass sich jeder einzelne mit dem Thema auseinandersetzen sollte. Wie sehen Sie das? Ich würde auch gerne kleinere Geschenke meinem Patenkind und der Dorfgemeinschaft schicken – bisher wurde mir davon abgeraten. Vielleicht haben Sie einen Tipp für mich? :)

  5. Stefanie Herr, 5. Juli 2016

    Lieber Herr Schröder, vielen Dank für Ihren Kommentar! Geschenke für Patenkinder sind immer willkommen, wenn sie wohlüberlegt sind. Hier finden sie ein paar Inspirationen, was sie Ihrem Patenkind und der Dorf-Gemeinschaft zukommen lassen könnten: https://www.worldvision.de/fuer-paten-und-spender-geschenke-an-mein-patenkind.php Sie können das Thema gerne auch telefonisch noch einmal mit unserem Paten- und Spenderservice besprechen, wenn Sie hierzu noch Rückfragen haben. Sie erreichen unseren Paten- und Spenderservice unter der kostenlosen Servicenummer 0800 – 0 10 20 22. Einen schönen Dienstag, Stefanie Herr aus dem World Vision Team

  6. Simon Schröder, 5. Juli 2016

    Hallo Frau Herr,
    danke für das Feedback – ich schau es mir gleich mal an! <3

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